Das einsame Segel

Es spinnt die Welt mit grauen Fäden
sich ein in den Kokon der Nacht.
Der Bürger schließt die Fensterläden
und still sein Lampenlicht entfacht.

Wer irgendwo im Strandlokale
noch draußen in der Dämmrung döst,
erhebt sich plötzlich, dass er zahle
und in das Horn des Aufbruchs stößt.

Natürlich ist es kühl geworden,
natürlich ist die Sonne weg.
Nur Möwen hocken noch in Horden
im Sand an ihrem Lieblingsfleck.

Im Hintergrund der Hügelkette
als Erster schon der Faden riss –
die ganze stolze Silhouette
verlor sich in der Finsternis.

Noch weithin aber folgt das Auge
der See gezacktem Wellenschlag,
als ob sie besser dazu tauge,
am Rock zu halten diesen Tag.

Von Leben aber nichts zu sehen.
Die Dampferflotte, sonst erfreut,
den Fischen einen Strick zu drehen,
bleibt heute fest am Kai vertäut.

Der Seemann kauert, fortzuflicken
an seinem Netz aus grobem Garn,
vor endlos langen Seilen, dicken,
um morgen wieder rauszufahrn.

Da taucht in dieser Wasserwüste,
in stetigem, bedächt’gem Lauf,
als ob zum Strand es rübergrüßte,
ein weißes Segel plötzlich auf.

„Die Wüste lebt!“ In Nacht und Nebel
selbst scheucht wer seinen schmalen Kahn,
vetrau’nd der Pinne starkem Hebel,
durch diesen rauen Ozean.

Doch ist ‘ne Crew nicht auszumachen.
Wer hält den Kurs mit festem Griff?
Wo sind an Bord und Bug die Wachen?
Es hat was von ‘nem Geisterschiff.

Unter Nachbarn

Um euch nicht ewig nur zu quälen
mit meinem eignen Wohl und Weh,
will ich vom Nachbarn euch erzählen,
den hiermit ich um Nachsicht fleh.

Ich nenn ihn ja auch nicht beim Namen,
dass sein Inkognito ich wahr
und in der Verse goldnem Rahmen
ihm einen Kratzer so erspar.

Erst unlängst also ließ der Gute
bei einem Plausch im Treppenhaus
mit unverhohln erhitztem Blute
sich über „Asylanten“ aus.

Bejammerte, dass sie in Massen
das Viertel gleichsam überspüln
und dabei Dreck nur hinterlassen,
den, selber dreckig, sie nicht fühln.

Und dass sie mit perversen Lüsten
die Fraun und Mädchen stets bedrohn,
von Achtung nichts und Anstand wüssten,
der ganzen Weiblichkeit zum Hohn.

Und dass, die Bombe in der Tasche,
sie ständig nach ‘ner Chance spähn,
dass irgendwann in Schutt und Asche
sie ihre Zuflucht sinken sehn.

Der ganze Abscheu seiner Seele,
verborgen in ‘ner Skinner-Box,
entlud sich plötzlich aus der Kehle,
sei’s Fluch, sei’s Schmähung, mit „Gesocks!“

Ein Bürger, völlig unbescholten
und jeglicher Verfehlung frei
und, was wir nicht vergessen sollten,
im Staatsdienst: Fremdenpolizei!

Schwein gehabt

Es war schon bis zum letzten Stuhle
gebucht, besiedelt und besetzt,
dass man sich in der Sonne suhle
und dabei schlemme nicht zuletzt,

Als, an dem Strandlokal gelandet,
wir Ausschau hielten nach ‘nem Platz
und nur am Tresen, bierumbrandet,
ein Hocker winkte als Ersatz.

Da nahmen rutschend wir und ruckelnd
die unbequeme Stellung ein,
an Kaffee und an Cola nuckelnd
mit krampfhaft angezognem Bein.

Und da ja grad der Küche wegen
der Bauch zu diesem Fleck uns riet,
begann auch bald sich schon zu regen
der nie ganz schläft, der Appetit.

Was ließen also wir servieren
an unserm schnöden Thekensitz?
Na, womit kann man hier brillieren
wie anderswo mit Tafelspitz?

Genau! Mit eben jenem Schinken,
der von den armen Schweinen rührt,
die’n Duft der Eichenwälder trinken,
bevor es in den Rauch sie führt.

Ibérico. In kleinen Happen
den Teller deckend hübsch verteilt,
auf denen Pinienkerne pappen
wie Pickel, die noch nicht verheilt.

Geschmacklich aber erste Sahne
im Gegensatz zu diesem Bild,
dem Gaumen schmeichelnd und dem Zahne,
dem kau‘nden, butterweich und mild.

Nachdem gespeist wir ohne Hetze,
gesättigt warn, doch unbeschwert,
da sah’n wir all die schönen Plätze
schon von den Gästen halb geleert.

Den Hocker, den vermaledeiten,
den ließen wir nun nicht mehr los –
sitzt man vor solchen Köstlichkeiten,
dann immer auch in Abrams Schoß!

Wenn schon, denn schon

War einer dieser Regentage,
die hier der Winter zwischenschiebt
in seine heitre Stimmungslage,
die meistenteils den Ton angibt.

Doch zur Gewohnheit kaum geworden,
die still man zum Gesetz erhebt,
kommt eine Wolkenwand von Norden,
die tief in den Azur sich gräbt.

Und mit den rabenschwarzen Massen,
die mächtig übers Meer sie treibt,
kriegt auch die Wärme sie zu fassen,
die ihrem Qualm sie einverleibt.

Da ist Matthäi denn am Letzten,
man ist am Ende vom Latein
und gibt verlorn schon den geschätzten,
den Traum vom ew’gen Sonnenschein.

Doch eins muss man dem Regen lassen:
Er kämpft mit offenem Visier –
streicht nicht verstohlen durch die Gassen
und sprüht ein Tröpfchen da und hier.

Nein, ohne lange erst zu grübeln,
teilt er die größten Hiebe aus
und schüttet kräftig wie aus Kübeln
sich aus dem lecken Wolkenhaus.

Dann ist er selbst noch nachts am Werke
und hämmert mir aufs Fensterbrett
mit einem Eifer, einer Stärke,
als ob er wenig Zeit nur hätt.

Und wirklich, eh der erste Dämmer
noch überm Horizont ergraut,
verstummt schon meistens dies Gehämmer,
als ob es sich ans Licht nicht traut.

Dann liegt, als hätt man mit ‘nem Schlauche
ihn erst gerade abgespritzt,
der Innenhof im Morgenhauche
und reinlich mit den Fliesen blitzt.

Die Botschaft: Damit Schluss für heute,
das Wasserkontingent erschöpft –
seid unbesorgt nun, Land und Leute,
der Himmel gibt sich zugeknöpft.

Und schon springt aus ‘ner Wolkenlücke
die Sonne im Triumph hervor,
dass ihrerseits sie unterdrücke
den Regen, dem sie Rache schwor.

So zeigt sich hier ‘ne Wetterkrise
als kleines Intermezzo bloß –
zu flüchtig für die Expertise,
im Himmel sei die Hölle los.

Bildbetrachtung

Um schnell ‘nen Schnappschuss mal zu machen,
braucht’s keinen Kameraverleih,
denn unter seinen Siebensachen
hat man sein Handy auch dabei.

Und dieser wahre Zauberkasten,
der Tricks zu Tausenden enthält,
verbirgt die Kunst auch untern Tasten,
ins Bild zu bannen Gott und Welt.

Der Wandervogel, der auf Streife
den Wald penibel inspiziert,
dass sein Geheimnis er begreife,
die Eichhörnchen fotografiert.

Der Kenner, der in stillen Sälen
sich lautlos ‘nem Gemälde naht,
will mit dem Blitz es nicht verfehlen,
geblendet von dem Unikat.

Der Gast, der einer flotten Fete
sich irgendwann erinnern will,
vertraut dem kleinen Knipsgeräte
vom Cocktail bis zum Haxen-Grill.

Und auch wer Panoramablicke
grandios vor der Pupille hat,
dem Motto folgt „Fixier und klicke!“
und sieht sich an den Bildchen satt.

Vermehrt ersetzt die virtuelle
die anfassbare Wirklichkeit,
weil überall und auf die Schnelle
sie in der Jacke griffbereit.

Zum Beispiel hockt auf dickem Hintern
man in der Sonne hübsch bequem
und zeigt sich Fotos von den Wintern,
da wo sie weltweit jetzt extrem.

Dann schüttelt man sich auch beflissen,
als fühlte man ‘ne eis’ge Hand,
doch ernsthaft nicht vom Frost gebissen,
nur angestachelt vom Verstand.

Mir ist es neulich so gegangen:
Ich saß mit wem am Kneipentisch
und hab von Mandeln angefangen,
den ersten Blüten, frühlingsfrisch.

Und dass hier unten an der Küste
ihr rosa Feuer nicht entbrannt
und rauf ich an die Hänge müsste,
ins hügelige Hinterland.

Die Klage aber kaum verklungen,
mein Partner in die Tasche rein,
sein Handy mir vorn Dööts geschwungen:
„Da hast du deinen Mandelhain!

Hab’s gestern grade aufgenommen,
weil im Vorbeifahrn ich es sah.
Hab ich doch ganz gut hinbekommen,
konnt ja nicht ewig halten da!“

An digitalen Frühlingsboten
hab ich mich heuchlerisch erfreut,
nach Duft und Fülle zu benoten,
was nicht mal riecht nach Zelluloid.

Mein Gegenüber, selbstzufrieden,
gab ganz sich dem Triumphe hin,
dass Sinn für Fortschritt ihm beschieden
und ich noch hinterm Monde bin.

Und hat die Chance gleich ergriffen
und weitre Fotos ausgespuckt,
die ich – wie Petrus, der gekniffen -,
mir zähneknirschend angekuckt.

Stippvisite

Die Bude hat nicht mal ‘nen Namen,
der draußen angeschlagen wär,
und die zum Spachteln hierher kamen,
die kamen wohl von ungefähr.

Bin heut mal wieder hingegangen,
weil grad sie um die Ecke liegt
und bei dem raschen Unterfangen
man kaum den Hintern sich verbiegt.

War voll schon unter dieser Plane,
die plastisch steifen Brisen wehrt
und selber flatternd wie ‘ne Fahne
gebieterisch Gehör begehrt.

Ein Plätzchen war noch zu ergattern,
ein zugiges am Trottoir
mit kostenlosem Moped-Knattern
und Schnulzen aus der „Tropenbar“.

Das konnte mich indes nicht schrecken
aus einem doppelt guten Grund:
Die Sachen hier vorzüglich schmecken,
und kraftvoll klingt der Dame Mund,

Die dieses Tischchen mit mir teilte
wie auch die Lust auf Muschel-Brüh,
die, eh der Kellner noch enteilte,
verschluckt sie hatte ohne Müh.

Dagegen war nicht anzulöffeln,
ich macht’s am Ende so wie sie,
nicht zu gehörn zu diesen Töffeln,
die unbelehrbar wie das Vieh.

Doch besser konnt ich mich entfalten,
als man das Hauptgericht serviert –
sie musst sich an Kalmare halten,
ich hab Sardinen filetiert.

Und mit dem Klönen und dem Kauen
vergessen wir so sehr die Welt,
dass wir die Dämmerung erst schauen,
als sie den Kaffee überfällt.

Vergnüglich waren diese Stunden
und wie im Flug verging die Zeit.
‘nen Abschiedsschnaps noch für die Kunden!
Im Magen macht sich Völle breit.

Ich trottete zu Fuß nach Hause,
ein Katzensprung nur, wie bekannt.
Die Dame in der Menopause
ist mit ‘nem Rover durchgebrannt.

Höhere Gerechtigkeit

Ganz makellos und ohne Macken
ist nicht einmal ein Paradies –
doch deshalb gleich die Koffer packen,
weil’s Stäubchen dir ins Auge blies?

Weil einem Himmel, frisch gestrichen
an jedem Morgen mit Azur,
die Farbe über Nacht gewichen
bis auf des Graus verwaschne Spur?

Weil eine Sonne, die mit Fäusten
sich kämpferisch zu geben pflegt,
vor ihren Fans sich, ihren treusten,
mal müde in die Büsche schlägt?

Weil dieses Meer, das meistens heiter
und blau vom Firmament gebräunt,
sich höher manchmal bäumt und weiter,
mit Giftgrün schwere Stürme dräu’nd?

Weil Palmen, die am Ufer schreiten
mit majestätisch gradem Wuchs,
bisweiln in Böen wellenreiten,
die sie verbiegen irren Flugs?

Nicht mal der Engel, gottgesegnet
und wohlgegürtet mit ‘nem Schwert,
hat hindern können, dass es regnet
und Feuchte aus den Wolken fährt.

Doch ist dabei nicht allen Wesen,
ob paradiesisch oder nicht,
allein schon aus der Hand zu lesen,
dass Dürre jede Scholle bricht?

Die Folgen gar nicht auszudenken
für unsre durst’ge Pflanzenwelt,
würd permanent uns Sonne schenken
ein Himmel, der selbst trocken fällt.

Ich will das hier nicht weiterspinnen –
am besten hört euch Bauern an:
„Kein Blumentopf nicht zu gewinnen,
wenn man sein Feld nicht wässern kann.“

Da kennt des Reisenden Int’ressen
der biedre Landmann aber schlecht!
Das kluge Paradies indessen
macht unterm Strich es beiden recht.

 

Sprechstunde

Lernt man nicht manchmal Typen kennen,
die einem auf den Senkel gehn,
doch der Impuls, gleich wegzurennen,
verpufft, weil vor dir Leute stehn?

Zum Beispiel an ‘ner Ladenkasse,
berühmt-berüchtigt ja für Staus,
da kommst du mit der Warenmasse
so schnell nicht aus der Schlange raus.

Und falls ein zäher Zeitgenosse
dir Löcher auf die Hucke spricht,
bewahrst bei jedem Wortgeschosse
du unverwüstlich dein Gesicht.

Dann ist der Engpass überstanden,
du wähnst dich von dem Quälgeist frei,
doch so, als wär er noch vorhanden,
fährt fort er mit der Löcherei.

Und bleibt dir weiter auf den Hacken
bis wo die Karren aufgereiht,
um deinen Euro einzusacken,
damit für andre sie bereit.

Du wendest ihm schon deinen Rücken,
sagst hastig höflich ihm noch Tschüs,
da prustet er dir mit Entzücken,
dass in die Richtung auch er muss.

Und zwei-, dreihundert Meter weiter
bekannte er dir schon so viel,
dass jeder Staatsgesinnungsleiter
daraus gewönne sein Profil.

Ich fragte mich, ob diese Zecke
mir ewig auf der Pelle blieb,
als plötzlich an ‘ner dunklen Ecke
ihn’s in ein Seitengässchen trieb.

Und mit den raschen Abschiedsworten:
„Hat mich gefreut ganz kolossal,
Herr X, Sie heute hier zu orten“,
er formvollendet sich empfahl.

Dies X mich weg vom Glauben brachte,
bei ihm sei wohl ‘ne Schraube los,
und blitzesschnell mir deutlich machte:
Ach, der verwechselte mich bloß.

Ein guter Grund, ihm zu verzeihen,
dass er vertraulich wie ein Kind,
und in das Fach ihn einzureihen
der Leute, die vergesslich sind.

Gnade der Geburt

Haus‘ eingepfercht ich in ‘nem Lager,
verschmacht ich wo in einem Loch,
von ständ’gem Hunger hohl und hager,
der keineswegs der beste Koch?

Muss ich in Staub und Dreck mich wälzen,
den Strahl der Dusche selbst entbehrn
und bis zur nächsten Pfütze stelzen,
mir Spülicht übern Hals zu leern?

Muss ich dem Eiseshauch der Nächte
in dünnen Decken widerstehn,
nicht anders als die Tundraflechte,
die Wärme findet unter Weh’n?

Muss ich, was in den Bauch zu kriegen,
der knurrend seinen Teil verlangt,
zwei Stunden Zahn der Zeit besiegen,
dass mit ‘nem Süppchen sie mir dankt?

Bin ich in unbekannten Breiten
ein Fremder, der sich hilflos fühlt,
dem Strandgut gleich, das die Gezeiten
ins Uferlose wo gespült?

Und wo den Tausenden Gefahren
entronnen nur mit knapper Not,
mir erst einmal mit Haut und Haaren
der Test fürs Fahrtenschwimmen droht?

Entschieden nein! All dem entgegen
und ohne mein Verdienst dabei
hielt fern von solchen Schicksalsschlägen
das Leben stets mich sorgenfrei.

Wie aber konnte das geschehen?
Bin ich eines Magnaten Spross,
dem, einst als Erbe ausersehen,
das Gold schon in die Windel floss?

Ach, einen Krösus als Erzeuger,
den braucht es nicht für so ein Glück
und auch nicht den Gesetzesbeuger,
der’s zwingt mit seinem Bubenstück.

Sei einfach mit Geduld und Spucke
in einem Erdenstrich geborn,
wo’s weder brennt dir auf die Hucke
noch abfriert deine bloßen Ohrn.

Und wo in milden Wetterlagen,
die selten nur der Hafer sticht,
ein jeder muss sein Päckchen tragen,
doch keins, dass er zusammenbricht.

Man hat Berufe und zu beißen
und einen Pfennig auf der Naht
und, falls denn alle Stränge reißen,
noch einen Obolus vom Staat.

Das Handwerk steht in voller Blüte,
die Industrie zieht ständig an,
dass selbst für vorgetäuschte Güte
sie leicht die Bußen zahlen kann.

Und diese kinderleichte Nummer
dir wirklich nicht einmal gelang,
dass dich aus ungebornem Schlummer
die Mutter in ein Eden sang?

Hast unbedacht es zugelassen,
dass man im Bombenschlag dich wieg
statt in gepflegten Altstadtgassen
zu Mozarts kleiner Nachtmusik?

Dann nimm es auf die eigne Kappe,
dass Not du leidest und Gewalt!
Europa schließt die Katzenklappe.
Die Logik war schon immer kalt.

Strandspaziergang

Es war schon dunkel, als ich dachte,
ich geh noch mal am Strand entlang.
Nichts an die Sonne mich heut brachte,
nicht mal ihr schöner Untergang.

Jetzt war sie hinterm Kap verschwunden
mit allem, was ihr Licht beseelt –
der Welt der hellen Tagesstunden,
der Vielfalt nicht noch Farbe fehlt.

Das Himmelblau wie weggeblasen,
wie übermalt mit schwarzem Quast,
damit in seinen Schaffensphasen
den Alb man nicht beim Wickel fasst.

Und dass man im geträumten Jammer
sich rettungslos nicht ganz verfing,
der riesenhaften Dunkelkammer
ein Notlicht von der Decke hing.

(Und so, wie allen Birnensorten
der Züchter einen Namen gibt,
war die, die oben da zu orten,
als Venus allerseits beliebt.)

Am Rande aber, ganz verschwommen,
(ein Bild noch im Entwicklungsbad)
im weiten Rund zum Vorschein kommen
die Buchten und die Ufer grad,

Dern lang gestreckte Silhouette
nur deshalb aus dem Dunkel sticht,
weil eine trübe Lichterkette
sich schimmernd durch die Säume flicht.

Das Meer vor mir in tiefem Schweigen
und schwarz, „so kann kein Himmel sein“,
zwei Fuß in diesen Abgrund steigen
und frage nicht nach Sonnenschein!

Da zeigte sich am Horizonte
noch schmal der Sonne ros’ger Schweif,
da ich noch kuckte, was ich konnte,
nach dem berühmten Silberstreif.

Es war, als ob ein Düsenjäger
in wilder Flucht die Kimm beflog
und wie den Staub ein Straßenfeger
Kondens im Wirbel nach sich zog.

Der aber nicht auf alte Weise
ihm schneeig aus dem Heck entwich,
nein, wohl Aurora eh’r zum Preise
dem Teint der Morgenröte glich.

Kaum konnte meinen Blick ich wenden
von diesem prächt’gen Phänomen,
da kam die Nacht, es zu beenden,
auf stillen, unsichtbaren Zeh’n.