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Laute Nachbarn

Da schlurf auf filzigen Pantinen
ich sutje übern Boden hin,
den stillen Dank mir zu verdienen,
dass ich ein guter Nachbar bin.

Muss Staub ich von den Fliesen wischen
und komm nur schlecht an ihn heran,
dann schleif ich nicht mit Stühln und Tischen,
sondern ich hebe sacht sie an.

Was ist mit meiner Waschmaschine?
Auch damit will ich niemand störn
und sie zu Zeiten nur bediene,
wenn möglichst wenige sie hörn.

Und auch ‘nen Maulkorb sozusagen
der Flimmerkiste ich verpass,
die ich nur in den leisen Lagen
der Töne sich ergehen lass.

Von Hämmern, Bohrern ganz zu schweigen
mit ihrem infernal‘schen Krach,
von denen, Rücksicht zu bezeigen,
Minuten ich Gebrauch nur mach.

Und wenn die Bude ich verlasse,
knall ich nicht rüde mit der Tür –
behutsam ich die Klinke fasse
und zieh sie sacht ins Schloss dafür.

Sind wir nicht Dutzende Personen,
in diesen engen Raum gedrängt,
und sollten nicht die Nerven schonen,
damit der Frust kein Feuer fängt?

Was kann nicht alles so passieren,
das Ärgernis im Haus erregt –
den Hammer aus der Hand verlieren,
der donnernd auf die Erde schlägt!

Und schlimmer noch ein Suppenteller,
der deinen Fingern sich entringt:
Im Aufprall sicher etwas heller,
doch jede Scherbe einzeln klingt!

Genug davon. Die kurze Liste
ergänze man aus eigner Sicht –
ich glaub, dass in ‘nem Bau ich niste,
der tausend anderen entspricht.

Und will auch weiter Rücksicht üben,
auch wenn es nicht der Mühe wert:
Die Nachbarn lärmen hüben, drüben –
was nur bei mir den Frust vermehrt!

Lautmalerei

Persönlich kenne ich zwar keinen,
doch hat’s mir wer mal hinterbracht,
es gäb im Lande mehr als einen,
der passende Geräusche macht.

Für Film zum Beispiel und für Bühne,
dass jede Szene man beseelt,
vom Wichtel bis zur Wanderdüne,
mit der Akustik, die ihr fehlt.

Daran ist wohl nichts auszusetzen:
Zu jedem Bild der rechte Ton,
denn so erst kann man wirklich schätzen
die schöne Schauspiel-Illusion.

Nach ähnlich klingenden Effekten
schaut nicht allein der Profi aus –
den Sinn für Untermalung weckten
sie auch bei Nachbarn hier im Haus.

Nur dass dem frei erzeugten Laute
kein Bildnis als Pendant gebührt –
er hat schon, eh der Morgen graute,
sein Eigenleben längst geführt.

Und kann sich ohne Weitres messen
selbst mit den Größten dieser Kunst,
wobei er eher selbstvergessen
mit seiner Gabe nicht mal strunzt.

Ein leichter Aufschlag mit dem Hammer,
ein Klopfen, eher hingehaucht,
klingt mir als Weckruf in die Kammer,
dern Schlaf noch nicht ganz aufgebraucht.

Kurz hochgeschreckt. Und mit Behagen
zurück in meinen Pfühl gestürzt,
als plötzlich rüdes Türenschlagen
zum zweiten Mal den Schlummer kürzt.

Ich sinke noch mal in die Kissen,
um neuerlich in Schlaf zu falln,
als ich schon wieder rausgerissen
durch Pumps, die auf die Fliesen knalln.

Nur wenig später sind’s die Kleinen,
die nicht wie ihre Mütter wolln
und sich mit Zetern, Zank und Weinen
auf ihren Weg zur Schule trolln.

Die Lust, mich noch mal auszustrecken,
hat ihren Nullpunkt nun erreicht –
ich wälz mich aus den warmen Decken
wie einer, der zum Galgen schleicht.

Doch fern vom Lager, wo ich pennte,
bleibt diese Kunst mir auf dem Fuß;
man wechselt nur die Instrumente
und schickt auch tags mir seinen Gruß.

Hat keinen Hammer man zu greifen
und keinen Bohrer für sein Brett,
lässt man geflissentlich doch schleifen
ein Stuhlbein über das Parkett.

Ein Stuhlbein? Reichlich untertrieben.
Wenn’s nach dem Dauerquietschen geht,
scheint man da tausend zu verschieben,
weil niemals eines richtig steht.

Dies aber ist gewissermaßen
des Hauses strahlnder Hintergrund,
der mit dem Außenlärm der Straßen
vereint zum schönen Zweierbund.

Jetzt kommen auch die Sportskanonen
allmählich von der Schule heim,
den Wunsch erstickend, mich zu schonen,
mit lautem Ballgekick im Keim.

Dann übt sich wer mit Trommelschlägen
an seinem neuen Spielgerät –
mit allerhöchsten Klangerträgen,
wie’s sich dabei von selbst versteht.

Das Glockenläuten zu erwähnen
verbietet mir mein Taktgefühl,
doch ruft’s halb sieben den und jenen
zum Angelus ins Kirchgestühl.

Auch das ist schließlich überwunden.
Und Stille atmet lau und lind.
Da poltert nach den Arbeitsstunden
der Alte heim zu Weib und Kind.

Man hört ihn schon das Haus betreten,
denn krachend schließt er das Portal,
und kurz vorn eigenen Tapeten
die Wohnungstür dann noch einmal.

Dann kommt auch schon die Dackeldame,
die noch mal Gassi geht zur Nacht
und sich zu meinem größten Grame
vor Freude gleich ans Kläffen macht.

Der Rest ist nur noch Nachgeplänkel,
kein Lärm, der aus der Masse sticht.
Zwar geht auch das mir auf den Senkel,
doch immerhin bald Ruh verspricht.

Drum nix wie rein jetzt in die Kissen
und rasch die Decke übers Ohr,
um kein Minütchen Schlaf zu missen –
die Stille hält nicht lange vor!

Wie willig sich die Federn bauschen,
wie’s meinen Leib ins Weiche zieht!
Entschlummernd hör das Meer ich rauschen,
sein wunderbares Wiegenlied.