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Kosmische Monster

Als „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“
gejubelt man mit Gottvertraun,
musst sachte man den Kopf nur drehen,
fünftausend davon anzuschaun.

Die friedlich auf der schwarzen Weide
ihr goldnes Vlies zur Schau gestellt,
dass sie der Erdenfloh beneide,
der viel von solchem Flitter hält.

Zu zählen diese ganze Herde,
wie einem Hirten es obliegt,
hätt der Allmächtige zu Pferde
wohl grade noch so hingekriegt.

Doch heut wär ihm das sicher ferne:
Die Ziffern schossen hoch seither:
Unendlich ist die Zahl der Sterne,
unendlich wie der Sand am Meer.

Sind auch nicht glänzende Gebilde,
mit denen sich der Himmel ziert,
nein, ewig alte junge Wilde,
die es nach Staub und Feuer friert.

Die Brüder aber sind noch schlimmer,
die Masken sich vors Haupt gespannt
und ohne einen einz’gen Schimmer
im Finstern lauern unerkannt.

Die wollen Gold nicht und Moneten,
nur was zu fressen immerdar,
am liebsten Sterne und Planeten,
und alles gleich mit Haut und Haar.

So schwarze Löcher gibt’s in Massen
und von viel größerem Format –
mal, dass sie nur drei Sonnen fassen,
mal hunderttausend im Quadrat.

Ja, wo am dichtesten sie wohnen,
im Zentrum unsrer Galaxie,
versammeln sie davon Millionen
zu einer Monster-Deponie.

Da bleiben allerdings sie hocken
und plündern nur die Örtlichkeit,
was ja auch reicht, um die zu schocken,
die sie verschlingen vor der Zeit.

Doch auszuharrn an Ort und Stelle,
gilt bei der Zunft nicht als Gebot,
da ist manch wandernder Geselle,
der sucht sich anderswo sein Brot.

Und ähnelt eher ‘nem Soldaten
mit bösem Unternehmungsgeist,
der sich des Volkes Vieh und Saaten
gewaltsam untern Nagel reißt.

Ja, Marodeur von jener Sorte,
die schlimmer wütet als die Pest
und weit umher „nature morte“,
verbrannte Erde hinterlässt.

Ein Himmelsbastard, den die Pfaffen
mit Sicherheit nicht gerne sehn,
denn eine Welt, von Gott geschaffen,
kann auch durch ihn nur untergehn.

Auch predigen sie allen Leuten,
das Paradies da oben wär.
Doch nichts scheint darauf hinzudeuten –
auf Höllen dafür umso mehr.