Mein Wecker

Mein WeckerWenn morgens ich aus tiefem Schlummer
zu meinem Müßiggang erwach,
begrüßt mich stets die gleiche Nummer:
im Atrium der Kinderkrach.

Es müssen ja die kleinen Lämmer
so schrecklich früh zum Unterricht,
da ich noch selig weiterdämmer
bis mir die Uhr ins Auge sticht.

Und wenn die ausgelassnen Rangen
ihr Pausenbrot verschlingen schon,
dann hat mein Tag erst angefangen –
ganz zwanglos ohne schul’sche Fron.

Nicht mehr von Stund zu Stunde hetzen
mit Schrader hier und Schrader da,
mit Schrader hoch! und Schrader setzen!
und all dem Pauker-Trallala!

„Herr Lehrer, ich! Die Alëuten
sind Inseln vor der Küste X.
Da gibt’s unendlich viel Kanuten“.
Wer das nicht weiß, der weiß ja nix.

Mit solchem Wissensschrott beladen
erlahmt des Kinds spontaner Geist –
und kriegt er keinen Dauerschaden,
wird er doch trüb und träge meist.

Ach, wie ich trotzdem sie beneide,
die vielgeplagte Schülerschar –
auf ihrer frischen Frühlingsweide
blüht alles noch so wunderbar!

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