Archiv der Kategorie: Politik

Strafen ohne Maß

Bevor die Neuzeit angebrochen
mit mehr Gefühl und mehr Verstand,
sind viele auf den Leim gekrochen
der unbarmherz’gen Henkershand.

Die knüpfte, hieß das Urteil „Hängen“,
dem Unglückswurm den Galgenstrick
und ließ ihn nicht mehr aus den Fängen,
bis er vollendet sein Geschick.

Wie hätt sie auch an Menschenliebe
mehr als die Richter aufgebracht?
Die Opfer warn zumeist ja Diebe,
die nur die Not dazu gemacht!

Enthaupten. Eine Variante.
Ein Hieb – und Kopf ab mit dem Schwert,
‘ne etwas kürzre, elegante
Methode, die nicht so entehrt.

Ertränken: Frauen vorbehalten.
Und mit der Chance, wenn auch gering,
auf Freiheit, falls „durch Gottes Walten“,
mal eine nicht gleich unterging.

Variante: Lebend sie begraben,
bis nichts mehr aus der Kuhle blickt.
Und was sie noch an Atem haben
der nächste Schaufelwurf erstickt.

Der Blutjustiz von scharfen Hunden
ging das noch nicht mal weit genug,
drum haben sie das Rad erfunden,
mit dem die Glieder man zerschlug

Bevor man den brutal Zerhackten
auf eben diese Marter flocht,
wo seinen Leichnam man, den nackten,
noch lang verwesen sehen mocht.

Ist, Leute, euch schon klargeworden
das Ausmaß der Unmenschlichkeit?
Dann wartet kurz, denn dieses Morden
hält noch ‘ne Steigerung bereit!

Ihr müsst euch mal vier Klepper denken,
die je zu zweien aufgestellt
links, rechts von einem, den zu henken
man sträflich für zu milde hält.

Die werden plötzlich angetrieben
und ziehn und zerren volles Rohr –
doch was dann folgt, sei nicht beschrieben,
die Feder selbst sträubt sich davor.

Da könnte man fast harmlos nennen
das Körperstrafen-Sortiment –
ein Zeichen in die Backe brennen,
die Diebeshand vom Arm getrennt.

Und Nase- oder Ohrabschneiden,
womit man manche Tat bedroht,
warn immer noch geringre Leiden
als der Verräter Feuertod.

Wer aber warn die, die ersannen
dies grause Strafeninventar?
Despoten etwa und Tyrannen,
die jeder Herzensregung bar?

Ach, Bürger nur und Biedermänner
aus altpatrizischem Geschlecht,
zum Hungerleider, Bettler, Penner
verachtungsvoll und selbstgerecht.

Wenn so ‘ner ihnen was gestohlen,
und wär’s auch nur ein Schäffchen Korn,
dann, seine Seele Gott befohlen,
traf ihn der ganze Krämerzorn!

Dem schien das schlimmste der Delikte
der Griff nach dem, was er besitzt,
weshalb er an den Galgen schickte
selbst Kinder, die ihm was stibitzt.

Und die den Täter dann betreuen
mit ihrer kalten Glaubensbrunst,
beknien ihn nur, er möcht bereuen,
mit aller Überredungskunst.

Kein Mitleid, keine Anteilnahme.
„Gott selbst will, dass du leiden musst“.
Auf nackten Fels fiel jener Same,
nicht fruchtbar in die Pfaffenbrust.

So nahm denn mit der Kirche Segen
das Menschenschlachten seinen Lauf
und, ohne groß sich zu erregen,
man Unschuldige auch mit in Kauf.

Was warn das für monströse Seelen,
die ihre Herrschermacht missbraucht,
um grad die Ärmsten so zu quälen,
bis sie ihr Leben ausgehaucht!

Doch gibt’s auch heut genug dergleichen,
die fremdes Leid ‘n Deubel schert
und skrupellos gehn über Leichen –
geschickter, ohne Strick und Schwert.

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Grundsätzlich gleich

Bist du als Untertan geboren,
ist Zahlen erste Bürgerpflicht,
der Fiskus packt dich bei den Ohren,
berappst du deine Steuern nicht.

Auch sonst kannst du dich nicht entfalten
so, wie es in den Kram dir passt,
musst dich an die Gesetze halten,
dass deren Arm dich nicht erfasst.

Denn mit gebieterischer Strenge
verfolgt die kleinste Missetat,
dass ständig Bußen er verhänge,
der selbsternannte Tugendstaat.

Und damit keines der Subjekte,
sei noch so mächtig es und reich,
sich drücken kann vor der Kollekte,
sind alle Untertanen gleich.

So in des Staates heil’gen Schriften,
speziell im Buche „Grundgesetz“,
die den formalen Rahmen stiften
fürs Rechte- und fürs Pflichtennetz.

Doch weiß man nicht seit ew’gen Zeiten,
dass viel Geduld Papier besitzt
und keine Lust, zu widerstreiten
der Tinte, die man drüberspritzt?

Da gibt es immer mal Personen,
die finden eine Hintertür
und glücklich schiffen mit Millionen
um diese läst’ge Zwangsgebühr.

So jüngst ein echter König wieder,
ein abgedanktes Oberhaupt,
der, die Fassade brav und bieder,
gerafft dahinter und geraubt.

Die Sache ist zwar aufgeflogen,
doch noch nicht vor Gericht gebracht.
Jetzt ist der Gute, ätsch, verzogen,
das heißt, hat sich davongemacht.

Natürlich mit gefüllten Taschen,
dass er versüße sich‘s Exil,
wo ihn die Büttel nicht mehr haschen –
sofern denn jemals dies ihr Ziel.

Ein Einzelfall? Durchaus nicht, leider.
Von der Begierde angehaucht,
ist mancher Staatschef aus dem Schneider,
der hier und da sein Amt missbraucht.

Das sind durchweg die Potentaten,
die mit dem Knüppel auch regiern,
bereit, zur Not in Blut zu waten,
wenn ihre Völker demonstriern.

Wie lässt das Manko sich beheben,
damit als Null du nicht geprellt?
Komm einfach doch im nächsten Leben
als große Nummer auf die Welt!

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Virus-Leugner

Schon wollt ich es ad acta legen,
dies Thema namens Pandemie,
dass den viralen Schicksalsschlägen
ich lyrisch einmal mich entzieh.

Hat ja auch ganz so ausgesehen,
als wär man endlich übern Berg
und könnte eine Nase drehen
dem giftigen Schmarotzerzwerg.

Doch hat man auch in diesem Falle
die Rechnung ohne Wirt gemacht.
Von wegen nur noch Pillepalle –
er rüstet sich zur nächsten Schlacht!

Seitdem man ihm nicht mehr entschlossen
auf breiter Front entgegentritt,
ist er erneut ins Kraut geschossen
und seine Fieberkurve mit.

Was sind das bloß für Spießgesellen,
die machen’s jedem Gegner leicht:
Die Pike in die Ecke stellen,
wenn er auch nur ein Schrittchen weicht.

Man widmet gern sich dem Vergnügen
und bürstet gegen den Verstand;
Ich, ich, ich, ich in vollen Zügen
vom Kleinhirn an den Bauch gesandt.

Gefahren werden abgestritten,
solang sie nicht am Leib zu spürn,
man tanzt auf ‘nem Vulkan inmitten
von Freuden, die das Feuer schürn.

Und fühlt sich noch dazu berufen,
verbittert seine Faust zu balln,
um denen, die mehr Schutz uns schufen,
mit Demos in den Arm zu falln.

Versuch mal, wen zu überzeugen,
der sich in einen Wahn verrannt
und ‘s ablehnt, Regeln sich zu beugen,
die größres Unheil schon gebannt!

Nun, so ein Trupp maroder Denker
lässt sich noch halbwegs kontrolliern.
Doch wie ‘ne Handvoll Staatenlenker,
die ganze Völker infiziern?

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Politik, umtriebig

Sie sind so fleißig wie die Bienen,
schwirrn täglich ohne Rast und Ruh
in ihren flotten Limousinen
unzähligen Terminen zu.

Dabei sind sie nicht ortsgebunden,
auch das macht sie den Brummern gleich –
sie drehen ständig ihre Runden
im größten Kompetenzbereich.

Und welchen Nektar sie wohl saugen
aus diesen Flügen jedes Mal?
Die Heimgesuchten bestens taugen
als Stimmen für die nächste Wahl!

Das nehmen an behaarten Beinen
als Manna sie nach Hause mit –
sich selbst und ihren Ortsvereinen
als süße Aussicht auf Profit.

Doch ist dabei für alle andern,
die’s bis zum Staatsmann nicht geschafft,
dies Über-Wald-und-Wiesen-Wandern
denn irgendwie auch vorteilhaft?

Heißt: Selbst wenn sich die Brüder sträuben,
zu teiln die Beute allgemein,
müssten sie dennoch nicht bestäuben
die Welt zu Wachsen und Gedeihn?

Ach, nichts von solcherlei Effekten,
soweit ich seh der Dinge Lauf,
und den Vergleich mit den Insekten
geb ich hier notgedrungen auf.

Es ist ja stets die gleiche Masche,
mit der das Volk man hintergeht:
Den Reibach in die eigne Tasche,
da jenem man ‘ne Nase dreht.

‘ne Profession, die sich von Lügen
und windigen Versprechen nährt
und bei den üppigsten Bezügen
nicht einen roten Heller wert.

Ihr meint, das sei wohl überzogen,
ihr Wirken vielfach auch Gewinn?
Hab’s aus den Fingern nicht gesogen,
schaut doch noch mal genauer hin!

Wer stellt politisch denn die Weichen
in unserm Land und anderswo?
Die mühsam sich die Macht erschleichen
in Poll, Partei, Politbüro.

Danach: Hansdampf in allen Gassen.
Geschäftig alle durch die Bank.
Und was sie dafür hinterlassen?
Patientin Erde, sterbenskrank.

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Bodenständig

Man ist geprägt von Kindesbeinen
vom Fleckchen, wo die Wiege stand
und eine Zufallsschar von Seinen,
verknotet im Familienband.

Und wächst allmählich in die Ketten,
an die uns die Gesellschaft legt,
sich so bequem darin zu betten,
dass eher man wie Schmuck sie trägt.

Die Fesseln stark sich unterscheiden
rein äußerlich von Land zu Land,
doch jeder mag am besten leiden
die, die er immer schon gekannt.

Es müssen Jahre erst verstreichen,
in denen leidlich man gereift,
dass seine Heimat ohnegleichen
als Massenware man begreift.

Doch bis zu diesem Reifegrade
nicht jeder Geist sich einst erhebt
und bleibt auf seinem platten Pfade
als Schnecke schleimig angeklebt.

Dafür indessen brüllt die Kehle,
was sie im Innersten bewegt,
damit die abgestumpfte Seele
mal irgendwie zu Buche schlägt.

Der nächste Schritt: Gewaltexzesse,
rein mündlich reicht der Hass nicht mehr,
man haut dem „Schwein“ gleich in die Fresse
so blutig wie spektakulär.

Das sind dann die extremen Fälle,
von denen alle Welt erfährt,
weil so’n Ereignis auf die Schnelle
die Medien mit Manna nährt.

Sich selber für das Maß zu halten
und alle andren für abstrus,
galt immer schon so Witzgestalten
als Wahrheit ohne Pferdefuß.

Da braucht’s nicht „Nigger“ und „Kanaken“,
was jeder Arbeitslose kennt,
auf dem man’s liebt, herumzuhacken
als Faulpelz, der den Tag verpennt.

Auch wer mit irgend ‘nem Gebrechen
sich durch das Dasein schlagen muss,
bietet willkommne Angriffsflächen
dem Spott zu allem Überfluss.

Ja, denen, die zur Fülle neigen
oder ‘nem Kopf, der dünn behaart,
wird dieses Manko nicht verschweigen,
der, dem das Schicksal dies erspart.

Ich kannte mal so ‘nen Strategen,
der wie ein Scheunendrescher fraß,
doch, ohne jemals zuzulegen,
den reinsten Fastenleib besaß.

Der aber schrieb sich auf die Fahnen,
wenn irgendwer zu dick ihm schien,
ihn allen Ernstes zu ermahnen:
Dir fehlt es schlicht an Disziplin!

Da haben wir ja schon die Quelle,
der dieser ganze Dreck entspringt –
die Dummheit, die auf einer Stelle
großspurig sich durchs Leben hinkt.

Sind es denn grundverschiedne Leute
mit aufgestauter Aggression,
die schmähen andersfarb’ge Häute
und „schwarze Schafe“ der Nation?

Es ist die gleiche Spießerwichse,
die aus dem Kleinhirn vegetiert
und gern an ‘ne Idee, ‘ne fixe,
den bleiernen Verstand verliert.

Politiker sich rasch empören
mit ausgeprägter Zungenkraft –
doch insgeheim pro domo schwören
auf die verdummte Wählerschaft.

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Abflug

Die Welt, gelähmt seit vielen Tagen
durch eines bösen Keims Boykott,
beginnt grad langsam erst zu wagen
die Rückkehr in den alten Trott.

Man darf sich wieder frei bewegen,
sitzt nicht mehr in der Bude fest
und kommt mit kräft’gen Flügelschlägen
in jedes noch so ferne Nest.

Man muss auch nicht mehr online kaufen,
sofern man grad auf Schrauben fliegt,
kann rasch mal um die Ecke laufen,
wo ‘n Eisenwaren-Laden liegt.

Erlaubt auch wieder auswärts essen,
hat man die eigne Küche satt;
Distanzen aber abgemessen,
man wetzt kein fremdes Schulterblatt.

Und auch dein Lieblingsplatz am Tresen,
der manche Woche unbesetzt,
empfängt dich freudig als ein Wesen,
das Trauben und Getreide schätzt.

Der Sonne Strahlen schon umleuchten
mit größrer Glut dein perlend Haupt.
Jetzt kühlend sich im Meer befeuchten!
Dann mach es doch; es ist erlaubt!

Noch aber ist nicht überwunden
der uns die Sache eingebrockt;
die Masken bleiben umgebunden,
damit sein Vormarsch weiter stockt.

Doch weiß man, ob er nicht als Quelle
die Lockerungen sich erschließt
und sich in einer zweiten Welle
noch weiter übers Land ergießt?

Ich pack jetzt meine Siebensachen –
‘nen guten Monat schon zu spät.
Der Flug, mich aus dem Staub zu machen:
am nächsten achten. Wenn er geht.

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Waffennarren

Man muss sich keine Sorgen machen,
dass die Vernunft ihn übermannt;
am liebsten sind dem Menschen Sachen,
die zündbar für den Weltenbrand.

Will so er seinen Mut beweisen?
Die Herrschaft über die Natur?
Den Sternen, die am Himmel kreisen,
die Tiefe seiner Erdenspur?

Was für ein elender Geselle,
der’s Risiko herunterspielt,
doch auf Millionen Todesfälle
mit seinen Monsterwaffen zielt.

Die Leute, die in allen Breiten
in ihrem Reich am Ruder sind,
sie wurzeln meist noch in den Zeiten
von Faustkeil, Bärenfell und Flint.

Sie wandeln noch auf Trampelpfaden
der blinden Brachialgewalt,
nur dass sie heute Knarren laden,
bei denen es so richtig knallt.

Doch haben Forscher längst entschieden,
auf Fakten aller Art gestützt,
dass Freundschaft pflegen und den Frieden
in gleicher Weise allen nützt.

Was unsre braven Rudergänger
geflissentlich ja ignoriern,
wolln sie, je lieber, desto länger,
doch ihre Stärke demonstriern.

Sie zeigen noch des Stempels Spuren,
die einst dem Affen aufgeprägt,
der sich auf seinen Dschungeltouren
nur brüllend durch die Büsche schlägt.

Nachdem sich lange die Regale
mit Megakillerkraft geleert,
die atomaren Arsenale
man offensichtlich wieder mehrt!

Im Maße wie an Schurken fielen
‘ne Menge Staaten überall,
die gerne mit dem Feuer spielen,
und koste es den Erdenball.

Das leuchtet meiner trüben Birne
am Ende sogar auch noch ein:
Sie wolln mit ihrem Spatzenhirne
wie Phönix aus der Asche sein!

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Altenhilfe

Was neulich uns an Quarantäne
ein Virus auf den Hals geschickt,
weicht jetzt allmählich einer Szene,
die freier in die Zukunft blickt.

(Schön, nicht?) Denn müßige Passanten,
dern Schlendern bisher fristbeschränkt,
flaniern jetzt an den Bordsteinkanten
bis wohin ihre Lust sie lenkt.

Doch halt! ‘ne Grenze ist vorhanden,
die nach dem Alter sich bemisst:
Bis siebzig frei von allen Banden,
darüber gilt die alte Frist.

Auch ich gehör zu dieser Truppe,
die man noch an der Leine hält –
hochgradige Gefährdungsgruppe,
unter besondren Schutz gestellt.

Ihr meint, ich hätte schlechte Karten?
Die Ansicht ich nicht teilen kann.
Wie sonst nur der bedrohten Arten
nimmt erstmals meiner man sich an!

Auf einmal will in Watte packen
die Obrigkeit den morschen Leib,
dass ihn des Keims Organattacken
nicht vorschnell in die Kiste treib.

Dafür möcht ich ihr herzlich danken,
s’ ist keine Selbstverständlichkeit,
dass man den Alten und den Kranken
ein solches Maß an Sorge weiht!

Es soll ja durchaus Stimmen geben,
die andersrum argumentiern:
Die werden eh nicht lang mehr leben,
was macht‘s, wenn sie schon jetzt krepiern.

Erinnert mich fatalerweise
an einen Brauch, der einst geschätzt
im alten Japan, wo die Greise
man in der Wildnis ausgesetzt.

Bis zum „gesunden“ Volksempfinden
ist das zum Glück noch nicht gediehn.
Jetzt erst die Krise überwinden
und dann, auch hier, ein Fazit ziehn!

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Monarch und Monster

Herodes war ein schlimmer Finger,
dem jede Schandtat zuzutraun,
ein kollektiver Leidensbringer
mit Faible Köpfe abzuhaun.

Vor dem war nichts und niemand sicher
in seiner blinden Herrscherwut,
die umso fieser, liederlicher,
als sie auch traf die eigne Brut.

Nicht die geliebte nur, die schöne
Gespielin seiner Hochzeitsnacht,
nein, auch die Hälfte seiner Söhne
hat väterlich er umgebracht.

Von den Verwandten ganz zu schweigen,
denen Verrat er unterstellt,
dass er sie zwang, hinabzusteigen
ins Schattenreich der Unterwelt.

Mit Folter, Mord und Scheußlichkeiten
nach üblicher Tyrannenart
ließ er die Macht sich nicht entgleiten,
bis er krepiert und aufgebahrt.

Nicht ohne wem noch aufzutragen,
dass möglichst man viel Volk erschlägt,
dass Jammern herrsch und Weheklagen,
als wär es sein Tod, der’s bewegt.

Kein Wunder, dass man dem Halunken,
der so schon jedes Maß gesprengt,
von Grausamkeit und Machtgier trunken,
auch Kindesmord noch angehängt.

Wie anders die Gedankengänge
der heutigen Gelehrtenzunft –
die schiebt die Gräuel auf die Zwänge
der staatspolitischen Vernunft!

Mit einem Wort, am Ruder bleiben,
und sei’s mit Feuer und mit Schwert,
ist denen, die Geschichte schreiben,
mehr als Millionen Menschen wert.

„Charaktermäßig schwer zu fassen“
sind die Objekte ihrer Wahl;
wenn sie nur Spuren hinterlassen,
entschuldigt man sie allemal.

Den unbekannten Missetäter
man keineswegs „umstritten“ nennt,
man macht um ihn nicht viel Gezeter
und sieht ihn schlicht als Delinquent.

Für Massenmörder auf dem Throne
hat man indes Pardon parat,
zählt gern die Zacken ihrer Krone
und ihre Klunker in Karat.

Statt sich gehörig zu entsetzen
über ihr blutiges Regime,
scheint man sie eher noch zu schätzen,
kennt man sie gleichsam doch intim.

Kurzum, in einem Doku-Streifen,
der abends in der Kiste lief,
mit Szenen man, die nah zum Greifen,
dies Scheusal ins Gedächtnis rief.

Wohl eine Stunde Unterweisung
„Wie bricht man jemand das Genick“ –
mit der perfiden Seligpreisung
von Keule, Klinge, Gift und Strick.

Zum Schluss wie immer dann das Beste,
das Fazit nach bewährtem Brauch:
„Er ließ uns prächtige Paläste“.
Na, Donnerwetter aber auch!

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Herausspaziert!

In jeder Chronik wird es stehen,
sofern von Spanien sie erzählt:
Erlaubnis zum Spazierengehen,
allein, verbandelt und vermählt!

Erteilt an diesem Maientage
und unterzeichnet nach Gebühr,
dass straflos seine Füße trage
der Bürger wieder vor die Tür.

Da solln sie endlich Auslauf kriegen
nach wochenlanger Abstinenz
und der Natur am Busen liegen,
wie sich’s gehört im schönen Lenz.

Ihr könnt euch denken: Völkerscharen
ha’m in die Puschen sich gezwängt,
auch solche, die nie scharf drauf waren,
dass man sich unter Veilchen mengt.

Und wuselten, Insektenhaufen,
nach Herzenslust so kreuz und quer,
um gleich den Rat zu unterlaufen:
Zwei Meter Abstand ungefähr!

Wolln hoffen, dass den Lockerungen
rundum Erfolg beschieden wird
und auf den Futterplatz der Lungen
sich nun kein Flegel mehr verirrt.

Zunächst sind noch begrenzt die Zeiten,
zu denen man nach draußen darf,
doch ein Signal, um einzuleiten
Beschränkungen, die nicht so scharf.

In wohlbedachten kleinen Schritten
die Schraube lockerer man dreht
bis dahin, wo nur leicht beschnitten,
erreicht der Punkt „Normalität“.

Doch was Experten nicht verschweigen,
die unermüdlich ja am Ball:
Die wird indes ein Bild uns zeigen,
das anders als vorm Krisenfall.

Könnt irgendwie auch ich mir denken –
was schützend man verordnen musst,
ist sicher schwer nur einzurenken
in hiesige Umarmungslust.

Kann man beim Küsschen Abstand halten?
Das wär des Kreises Quadratur!
Doch wird die Liebe drum erkalten
ein Meter fünfzig weiter nur?

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