Archiv der Kategorie: Tier

Fliegenalarm

Fantastisch, dass heut Abend wieder
um meinen Herd ihr euch gereiht
und meine unbedarften Lieder
mit stillem Lächeln mir verzeiht!

Ich werd mir weiter Mühe geben
so wie ein fleiß’ger Fabrikant,
der Güter Qualität zu heben
beizeiten auf den neusten Stand.

Das mag nicht immer mir gelingen,
vielleicht mal weniger, mal mehr,
doch kann ein Lied ich davon singen,
dass Stillstand eher Rückschritt wär.

Exempel! Theorie beiseite!
Ich spann euch auf die Folter nicht:
Ein solches deshalb unterbreite
ich gleichsam live hier im Gedicht.

Betrifft zum Beispiel auch die Themen,
das Leben ist davon ja voll.
Warum sollt welcher man sich schämen
gemäß ‘nem prüden Protokoll?

Mich ärgert heute eine Fliege,
die plötzlich hier im Trüben fischt
und die ich nicht vom Halse kriege,
weil meinem Hieb sie stets entwischt.

Als ob sie keinen Auslauf hätte
in meiner Bude ringsherum,
klebt sie an mir wie eine Klette
mit ihrem lästigen Gesumm.

Mal unverfroren auf dem Rücken
der Hand, die grade Pause macht,
um ihr ein Kribbeln aufzudrücken,
dass sie sich schüttelnd jäh erwacht.

Mal todesmutig auf der Wange
im absoluten Nahbereich,
doch allem Anschein nach nicht bange
vor dem finalen Backenstreich.

Und hatte ich sie da vertrieben,
dass meinen Blicken sie entschwand,
war sie durchaus nicht faul geblieben
und trippelte am Tellerrand.

Ich weiß wohl, dass aus dieser Patsche
mich eine Waffe würd befrein –
doch hab ich etwa eine Klatsche
wie einst das tapfre Schneiderlein?

Könnt ich als Dichter und als Denker
‘ner Fliege was zuleide tun?
Ich wünsch sie herzlich nur zum Henker –
und lass das Kriegsbeil damit ruhn.

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Schatzsuche

Erwacht aus meiner Träume Fahrten
zum Landgang in die Wirklichkeit,
sah dämmernd draußen ich im Garten
ein Tier in seinem haar’gen Kleid.

Ich musst mir nicht die Augen reiben,
es zu erkennen war nicht schwer –
direkt vor meinen Fensterscheiben,
da schoss ein Eichhorn hin und her!

Und sprang so flink und so behände
im Zickzack über Stock und Stein,
dass ich mir sagte, dies Gelände
scheint ihm nicht gänzlich fremd zu sein.

Hielt inne auch an allen Ecken,
die ihm so schnell nicht einzusehn,
um seine Äuglein reinzustecken
und sie gehörig auszuspähn.

Der grad ich in bequemer Lage
dem Morpheus noch Tribut gezollt,
stand plötzlich vor der Gretchenfrage:
Was hat der Nager nur gewollt?

Doch lange musste ich nicht grübeln,
was er gesucht auf seiner Hatz
da unter Kraut und Blumenkübeln –
natürlich ‘nen verborgnen Schatz!

Um Perlen aber und Juwelen
ging’s unserm Rotrock sicher nicht,
die nicht zum Lebenswicht’gen zählen –
was sehr für seine Weisheit spricht.

Kontrolle eher jener Stellen,
wo er schon Vorrat angelegt,
dass in des Winters Wechselfällen
denselben er ein Schnippchen schlägt.

Die große Probe zur Premiere,
mit der der Frost sein Spiel beginnt,
damit er sattsam sich ernähre,
wenn der an Boden noch gewinnt.

Ob sie erfolgreich, ob misslungen,
ich weiß nicht, was hier überwiegt –
der Fratz ist jäh davongesprungen,
hab ihn nicht mehr zu sehn gekriegt.

Wie liebenswert man solche Gäste
von alters her wohl auch befand,
dass ihr Gedächtnis nicht das beste,
ist schon genauso lang bekannt.

Ich kann ihm nur die Daumen drücken,
dass unter Baum und Busch und Strauch
ihm stets die schönsten Funde glücken –
vor meiner Nase grade auch!

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