Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Nachbarin Amsel

Da wo ich schlafe, in der Kammer
das Fenster auf den Garten zeigt,
in dem die Amsel und die Ammer
auch noch im Herbst zum Zwitschern neigt.

Dann hallt es sogar lauter wider
als in der schönen Sommerzeit,
weil nicht mehr dämpfen ihre Lieder
die Bäume mit dem Blätterkleid.

Nach rechts trennt eine hohe Hecke
mich von des Nachbarn Heim und Herd,
die allerdings zum Lärmschutzzwecke
nicht ein Ligusterblättchen wert.

Wenn abends ich den Raum betrete
noch vor dem Schlummer irgendwann,
erschallt wie Jerichos Trompete
der Laubenplausch von nebenan.

Dabei zwei männliche Organe,
die beide mehr zum Bass tendiern
und eher ruhig, wie im Trane,
gelegentlich ein Wort verliern.

Doch wie bedächtig und besonnen
es ihrem Mund sich auch entringt,
es scheint, dass aus dem dunklen Bronnen
gleichwohl ein lust‘ges Quellchen springt.

Wie ließe sich denn sonst begreifen
der engelssüße Widerhall
auf diese tiefen Orgelpfeifen
in diesem oder jenem Fall?

Dann schüttet in den höchsten Tönen
ein Mädchen sich vor Lachen aus,
als wollte es die drei versöhnen
mit Muffeln aus dem Nebenhaus.

Das schießt ihr nur so aus der Seele,
so arglos wie der Amsel Lied,
dass aus der Kammer ich mich stehle,
als wäre ich der Störenfried.

Die letzte Ernte

Da seht der Erde Schätze schwinden,
selbst Luft und Wasser werden knapp,
und für ‘ne karge Ernte schinden
sich viele schon vergeblich ab!

Der Grund dafür ist nicht verborgen:
Es ist des Menschen stete Gier,
sich üppiger noch zu versorgen
als für den Schlaf ein Murmeltier.

Doch füllt man seine Speisekammer
nicht nur aus Not bis oben an,
es liegt ja darin grad der Jammer,
dass vieles sie entbehren kann.

Reichen denn nicht nur wen’ge Sachen
von grober, aber guter Art,
um einen Magen satt zu machen,
der sich Genügsamkeit bewahrt?

Des Tages Appetit zu stillen,
die Kost man nicht nach Kilos wieg,
und um ‘ne Thüringer zu grillen,
braucht’s nicht ‘ne halbe Wurstfabrik!

Kassandrarufe in der Wüste!
Wer immer schon am Braten roch,
wie dass der freudig nicht begrüßte
die Haxe von ‘nem Kirmeskoch!

In diesen Überfluss geboren,
der ständig neue Wünsche weckt,
verschließt der Schlemmer seine Ohren
der Warnung, die ihm bitter schmeckt.

Was soll er denn noch überlegen?
Er lässt sich blind vom Bauch regiern
und ohne Angst vor Schicksalsschlägen
die Parzen seine Stullen schmiern.

Dass um ihn her das Elend lauert
in jedem Winkel dieser Welt,
er glaubt es nicht und erst erschauert,
wenn’s seinen Nachbarn schon befällt.

Dann schimpft er plötzlich auf das Leben,
das launisch, böse, ungerecht;
„gern käm ich, dir was abzugeben,
doch geht’s mir, Nachbar, selber schlecht“.

Den überlässt er seinem Lose
und frisst sich selbst an Klößen fett,
ein Heuchler, der die Butterdose
zur Not im Safe verschlossen hätt.

Das Ganze typisch für die Massen,
dern Glaube sie zu Mitleid zwingt,
doch die gewohnt, ihn anzupassen
dem Reibach, den er ihnen bringt.

Man wird die Erde also plündern,
bis auch der letzte Halm geknickt
und aus den abgezehrten Mündern
der Hunger seine Seufzer schickt.

Dann hat genug nur noch zu mähen
der Schnitter, der von Fleisch entblößt.
Der Satte wird um Gnade flehen,
der Schmachtende vom Leid erlöst.

Horrortrip

Längst ist der Globus überladen
mit seiner bunten Völkerfracht,
die sich schon alle fünf Dekaden
verdoppelt auf die Reise macht.

Und dennoch Tag für Tag ihm steigen
die Leute zu in großer Zahl,
die nicht einmal ihr Ticket zeigen,
denn Schwarzfahrn ist darauf legal.

Drum wird die Achse ihm nicht brechen,
wie schwer auch dieser Zuwachs wiegt;
es fehlt ihm allerdings an Flächen,
dass jeder auch ein Plätzchen kriegt.

Man wird sich auf die Füße treten,
je dichter man zusammenrückt,
und mit den Fäusten sich bekneten,
wenn’s auf die Hühneraugen drückt.

Es wird indes noch schlimmer kommen,
ist man erst derart eingezwängt,
dass jede Nase wie benommen
am Atemhauch des Nachbarn hängt.

Dann wird der Typ selbst explodieren,
der niemals aus dem Ruder lief,
um augenblicklich zu vertieren
zur Bestie, die in ihm nur schlief.

Dann wird im Jähzorn man zerstören
das Hindernis aus Fleisch und Bein
und hoch und heilig darauf schwören,
(aus Notwehr nur!) im Recht zu sein.

Dann mag dir bloß das Trittbrett dienen
für deine ungewisse Fahrt:
Man stößt brutal dich auf die Schienen,
dass du auf Schotter aufgebahrt.

Ja, in dem ganzen großen Wagen,
der wie mit Viechern vollgestopft,
geht man so roh sich an den Kragen,
dass rot es von Wänden tropft.

Und ist man erst so schön in Gange,
dann gibt es auch kein Halten mehr,
man haut und sticht und schießt so lange,
bis alle Magazine leer.

Zum ersten und zum einz’gen Male
verwischt der Völker Unterschied:
Gemeinsam bleicht im Jammertale
man nach dem Menschheitssuizid.

Der Globus aber rumpelt weiter,
die Polster noch von Blut bekleckst,
und braucht nicht mal ‘nen Zugbegleiter,
weil bald schon Gras darüber wächst.

Wachstumsschäden

Die Wurstelei, sie nimmt kein Ende,
steht auch das Wasser schon zum Hals.
Und brav im Schoße ruhn die Hände –
bei unsren „Machern“ jedenfalls.

Allüberall brennt schon die Hütte,
nimmt das Desaster seinen Lauf,
doch legen eher noch ‘ne Schütte
an Kohln die „Brandbekämpfer“ drauf.

Durchaus im übertragnen Sinne,
denn „Kohle“ heizt die Wirtschaft an,
und ohne Aussicht auf Gewinne
noch keiner ein Projekt begann.

Derweil sich weiterhin vermehren
die Menschen wie im Sauseschritt
und von der Erde Früchte zehren,
die halten nicht das Tempo mit.

Der Mangel aber wird grassieren,
der stets die gleichen Blüten treibt:
Die Preise steigen, explodieren,
bis Brot man auf Rezept verschreibt.

Gekämpft wird nur mit halbem Herzen,
es sei denn kurz vor einer Wahl,
denn schließlich will man’s nicht verscherzen
mit unserm Platzhirsch „Kapital“.

Der lässt in seinem Schatten äsen,
wenn sie beim Fressen ihn nicht störn,
auch andre artverwandte Wesen,
sofern sie nach dem Maul ihm röhrn.

Selbst mit dem Untergang vor Augen
besiegt die Gier noch die Vernunft –
da solln als Umweltgärtner taugen
die Böcke der Ministerzunft?

Die will‘s mit niemandem verderben,
scheut offne Worte wie die Pest
und lieber ihren Ämter-Erben
die ganzen Schulden hinterlässt.

Was für ‘ne miese Perspektive –
das dicke Ende scheint gewiss!
Der Fortschrittsglaube, der naive,
als größtes Rettungshindernis!

Doch hämmre das in einen Brägen,
der ganz von der Idee durchtränkt,
dass unser aller Heil und Segen
allein am Wirtschaftswachstum hängt!

So wär hier weiter nichts zu lösen,
als wie man einen Kreis quadriert.
Kein Wunder, dass die Brüder dösen –
schon Thales hat man nicht kapiert!

Zweierlei Maß

Die Gleichheit, die die Guillotine
in und mit Köpfen propagiert,
war eine nur dem Hirn entliehne,
die in der Wirklichkeit falliert.

Hat Könige und Bettelleute
sie auch egal vom Haupt befreit,
war’s doch so lange schon vor heute
und war auch nur für kurze Zeit.

Die Herrn und Damen, die zu’n bessern
sich stets, wer weiß warum, gezählt,
sie konnten die Idee verwässern,
bis an Noblesse es ihr gefehlt.

Und wieder gilt die alte Regel
„Quod licet Jovi…“, na, ihr wisst:
Den Streich von einem großen Flegel
man nicht an dem von Göttern misst.

Den ganz normalen Teufelsbraten
nimmt bald der Galgen in die Pflicht,
doch für der Letztren Missetaten
gibt es kein Hals- und Hochgericht.

Und da die ird’schen Majestäten
von Göttern glauben sich bestallt,
wolln sie in deren Stapfen treten
mit Willkür auch und mit Gewalt.

Ja, wie die höchsten Delinquenten
man dennoch weiterhin verehrt,
so sind auch schurkische Regenten
dem Pöbel aller Ehren wert.

Und hätten sie auch Dreck am Stecken,
dass förmlich es zum Himmel stinkt,
solange fremdes Blut sie lecken,
man ihnen Hosianna singt.

Zumal moralische Bedenken
als Mauerblümchen vegetiern
in den Rankünen und den Ränken,
die ganze Länder praktiziern.

Wollt ihr noch schnell das Beispiel hören,
das grad ich in die Finger krieg
und bestens kann heraufbeschwören
das Schmierenstück der Politik?

Zwei Oberhäupter großer Staaten.
Konflikt. Kontakt. Korrespondenz.
Ganoven beide. Autokraten.
Und tituliern sich „Exzellenz“.

Das diskrete Haus

Ein rundes Haus mit tausend Zimmern,
das bodenlos im Raume schwebt;
darüber sieht man Sterne schimmern,
sofern man nicht im Keller lebt.

Die Mieter in den zig Etagen
sind meist sich völlig unbekannt;
wer reist mit Fahrstuhl-Equipagen,
reist gleichsam in ein fernes Land.

Selbst auf den langen Nachbarfluren
bleibt in der Regel man sich fremd,
man sichtet hier und da wohl Spuren,
doch ohne dass man sie durchkämmt.

Gepfercht in irgendeine Ecke
in diesem wackeligen Bau,
beglotzt man seine Zimmerdecke
und meint, dass man den Himmel schau.

Die Augen abgewandt, die Ohren,
und fühllos wie ein Automat,
geht jede, jeder traumverloren
den ausgelatschten Trampelpfad.

Und wär doch manches zu erlauschen
vom Keller aufwärts bis zum Dach,
was klarer als ein dumpfes Rauschen
und Nuscheln im Charakterfach.

Oft klingt es noch nach ganzen Sätzen,
solang Beherrschung überwiegt,
doch die zerfalln zu wirren Fetzen,
wenn wer sich in die Haare kriegt.

Mal auch ein Klatschen oder Kreischen,
dann kommt es schon zur Tätlichkeit,
im schlimmsten Falle gar Zerfleischen,
wenn Hass nach Blutvergießen schreit.

Auch Schüsse werden manchmal fallen
in irgend’nem Ganovennest,
die aber so verstohlen knallen
wie Winde, die man fahren lässt.

Wie oft hört man auch Kinder weinen,
weil Trost und Liebe ihnen fehlt,
weil, wie verstockte Große meinen,
nur Härte sie fürs Leben stählt.

Man scheut indes, sich einzumischen:
Man brächt nur Unrat an den Tag
und müsste von der Brille wischen
den schönen rosa Farbbelag.

Und kriegt man selber nicht am Ende
noch irgendwelche Schererein?
Wozu hat schließlich man die Wände,
wenn nicht, um ganz für sich zu sein?

Solln anderswo sich die Chaoten
die Fresse ruhig doch poliern –
von denen lasse ich die Pfoten,
denn heißt nicht wagen auch verliern?

Gemütlich fläz ich meine Beine
über das Sofatischchen hin
und komme mit der Welt ins Reine,
wenn ich im Fernsehbilde bin.

Denn jeden Abend zu begaffen
das Elend ich der Erde pfleg –
das kann kein Autounfall schaffen,
da stehn die Retter meist im Weg!

Demos für Dichtung

Das schöne Recht, zu demonstrieren,
wie’s im Gesetz ja Fuß gefasst,
hab nie genutzt ich, zu forcieren
Kritik an dem, was mir nicht passt.

Nicht dass mir alles nur gefiele,
ich seh schon, wo es hakt und hinkt,
doch auch dass zum ersehnen Ziele
mein eigner stiller Pfad mich bringt.

Ich kann mich nicht so hell empören,
dass es mich aus dem Häuschen trägt,
lass gerne meine Stimme hören,
sofern sie sich nicht überschlägt.

Und auch soldatisch vorzurücken
in breiter Front mit Schulterschluss
kann mich nicht sonderlich entzücken,
weil ich mich frei bewegen muss.

Womöglich noch mit ‘nem Plakate,
wie‘s hoch man in den Himmel hält,
dass wie Fronleichnam die Oblate
es allen in die Augen fällt!

Indes die Arme dir erlahmen
und heisrer deine Kehle schallt,
siehst nach dem Knüppel du schon kramen
die kampfbereite Staatsgewalt.

Ein Feigling also, eine Memme,
die vor der Obrigkeit sich duckt
und, bringt sie auch nur in die Klemme,
geduldig jede Pille schluckt?

Ich weiß, dass mit den Füßen scharren
schon glatter manchen Weg gemacht,
doch die auch, die zu Hause harren,
oft fälschlich unter Fluchtverdacht.

Denn jeder macht’s auf seine Weise.
Die Stiefel ich nicht gerne schnür,
ich protestiere lieber leise
durch die private Hintertür.

Halt mit Kritik nicht hinterm Berge –
vertraue sie der Feder an,
dass jeder Schnüffler, jeder Scherge
sie unverhohlen lesen kann.

Jetzt könnt ich manchen lächeln sehen:
Was ist das gegen Demos schon?
Die Menschenmenge! Fahnen wehen!
Parolen via Megafon!

Na klar, das muss man ihnen lassen:
Es klingt ihr Echo weit und breit
direkt ins Ohr der großen Massen.
Verbeugung ohne Dichterneid!

Könnt dem Poeten auch gelingen,
sofern er’s mit der Stimme Kraft,
selbst tote Steine zu bezwingen,
wie einst der Sänger Orpheus schafft.

Oder, was auch ein Wunder wäre,
man riss ihm plötzlich aus der Hand,
was zu der Musen Ruhm und Ehre
geduldig er dem Hirn entwand.

Drum tret ich besser aus dem Schatten
und schreiend durch die Lande zieh:
Zuhauf, ihr müden Leseratten,
mehr Eifer für die Poesie!

Glückwunsch!

Wenn ich mich nicht verhauen habe,
steht heut ein Jubiläum an,
ein Ehrentag der Dichtergabe,
die einen „Runden“ feiern kann.

Doch leider drückt mir auf die Platte
kein Schwein das blättrige Gewürz,
dass von der hohen Lorbeerlatte
ich in die Eitelkeit mich stürz.

Ganz still muss ich den Tag begehen
und nicht besonders zelebriern,
da mir nicht auf der Matte stehen
die Lyrik-Fans zum Gratuliern.

Das kann ich allerdings verschmerzen,
weil ich auch nur mit Wasser koch:
Bei tausend und sechshundert Kerzen
pfiff bald ich auf dem letzten Loch.

Will trotzdem jemand mich beschenken
aus diesem oder jenem Grund,
wird er an Weihnachten wohl denken
und nicht an diese Jubelstund.

Doch ist im Kreise der Poeten
dies Schicksal öfter ja bezeugt,
drum hab ich für entgangne Fêten
lukullisch auch schon vorgebeugt.

An seinem Platze harrt der Rote
geduldig auf den Aderlass,
den wegen seiner frischen Note
ich schlückchenweise ihm verpass.

Oliven kullern ihm zur Seite,
die von der Sonne schwarz gebrannt,
dass ihre Würze ihn begleite,
wenn in die Gurgel er gesandt.

Auch Delikates darf nicht fehlen,
sonst wär das Fest nur halb so schön,
weshalb mit Krabben und Garnelen
den Gaumen extra ich verwöhn.

Das ist der feierliche Rahmen,
der diesen Tag besonders macht,
und wenn auch keine Gäste kamen,
hab würdig seiner ich gedacht.

Viel wichtiger als Gratulanten,
die einer Pflicht sich unterziehn,
sind ja die Kräfte, die konstanten,
die sich in neue Verse knien.

Solang sie noch im Hirne walten,
will weiter ich die Leier drehn.
O dass sie nicht so rasch erkalten –
ich hätt da noch ein paar Ideen!

Heureka!

Was haben nicht herausgefunden
die alten Griechen seinerzeit
und waren doch noch nicht verbunden
mit Quellen à la Bit und Byte.

Im dunkelsten der Magazine,
im Hirn die Wissensdeponie,
benutzten sie als Suchmaschine
nur ihre blühnde Fantasie.

Und war sie auch noch so verstiegen
im Hokus pokus fidibus,
sie ahnte („falsch gewachst“) das Fliegen
im Sturze schon des Ikarus.

Es scheint, auch vom Kanonenfeuer
hat ihnen etwas schon geschwant,
denn Zeus, ging er auf Abenteuer,
hat ihm ein Blitz den Weg gebahnt.

Man wusste auch schon vom Experten,
der stets vergeblich warnt und rät,
bis sich die Fakten dann erhärten,
für Rettung es indes zu spät.

Gewiss aus allen Wolken fiele,
wer schauen könnte unsre Zeit
und dass seine Gedankenspiele,
o Wunder, heute Wirklichkeit!

‘ne ganze Zunft von Ikarussen
sich tummelt hoch im Luftrevier
so sicher wie in Bahn und Bussen
auf festem Grund und Boden hier.

Und dann die ungeheuren Waffen,
mit denen man sich jetzt bedroht,
perfekt, die Feinde wegzuraffen
und sich gleich mit im selben Boot!

Da kommt denn doch den Alt-Hellenen
die gern geübte Skepsis an,
ob man bei solchen Zukunftsszenen
sich auf den Fortschritt freuen kann.

Auch nimmt er wahr die Umweltsünden,
wie sie zersetzen und zerstörn,
obgleich schon „Seher“ längst verkünden,
dass Unheil sie heraufbeschwörn.

Kassandras Rufe sind geblieben,
um die kein Mächtiger sich schert –
die Typen, die Geschichte schrieben,
sie setzten stets aufs falsche Pferd.

Gute Nachbarschaft

Gestattet mir, euch vorzustellen:
Bommel der Große, Kalli Klein.
Sie sind zwei fröhliche Gesellen
und wollen gute Nachbarn sein.

Ein hübsches Häuschen sie bewohnen
von recht bescheidenem Format,
doch können auch den Beutel schonen,
weil niemand sie zur Kasse bat.

Ja, nicht nur dass Logis sie sparen,
sie haben auch die Kost noch frei,
wenn auch nicht grade Luxuswaren
im Stil von Leipzigs Allerlei.

Doch ihnen kann’s gestohlen bleiben,
vor Schmalhans spürn sie keine Scheu,
begnügen sich mit Gurkenscheiben
und einer Handvoll frischem Heu.

Und grade dies verkappte Fasten
beflügelt sie nur umso mehr –
am liebsten sie im Kreise hasten,
der eine hinterm andern her!

Dann müsstet ihr sie quieken hören
vor ausgelassner Lebenslust
aus voller (so wie bei Tenören),
doch dabei eher schmächt’ger Brust!

Für die leg ich die Hand ins Feuer,
die stören euren Frieden nicht.
Die Häuslichkeit: ihr Abenteuer,
die Ruhe: ihre Bürgerpflicht.

Meerschweinchen sind in jedem Falle
als Mieter einfach fabelhaft.
Ich glaub, ich spreche für euch alle:
„Na denn auf gute Nachbarschaft!“