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Einkaufsroutine

Man geht ja, Proviant zu holen,
zum Supermarkt als reichstem Quell,
der sich mit Sortiment empfohlen
und Kassen, die besonders schnell.

Man schiebt die Karre durch die Gänge,
die man schon kennt zum Überdruss,
und achtet kaum noch auf die Enge,
durch die man sich da quetschen muss.

Rechtslinks nur rasch mal um sich fassen,
schon hat man frisch, was bald gegart,
das Hackfleisch und die Nudelmassen
und manches mehr in dieser Art.

Dann gönnt auch erste Glückshormone
sich spätestens der Brägen jetzt,
eh in die erogene Zone
des Weins er noch den Fuß gesetzt.

Da steigert sich noch das Vergnügen,
das schon der Warenkorb gewährt,
weil abends man in vollen Zügen
den Tropfen in die Scheuer fährt.

Jetzt bitte keine Warteschlange
und schnell nach Hause mit dem Kauf;
man hält sich immer viel zu lange
mit so banalen Dingen auf!

Sonst weiter nichts im Kopf geblieben?
Außer Fressalien kein Gewinn?
Was nie auf einen Bon geschrieben:
Das Lächeln der Kassiererin!

Der fröhliche Zecher

Mal unter uns gesagt, ihr Lieben,
Vertreter beiderlei Geschlechts,
der Wein, dem heut ich mich verschrieben,
stammt aus Navarra, oben rechts.

Und da ich nichts auf Herkunft gebe,
aus welcher Gegend, welchem Gau,
ich vielerlei vergorne Rebe
dem trocknen Gaumen anvertrau.

Ganz falsch hab ich noch nie gelegen.
Bin ich nicht wählerisch genug
oder empfind ich schon als Segen
nur Brennstoff fürn Gedankenflug?

Dann könnt ich ja auch Gin mir schnappen
und Ähnliches von zig Prozent –
schon würde es genauso klappen
und schneller, als das Wiesel rennt!

Doch das nur über meine Leiche!
Man gibt das Zepter aus der Hand:
Und statt genialer Geistesstreiche –
ein sich verdüsternder Verstand!

Ich werd dem Wein die Stange halten
aus welchem Winkel auch der Welt
und ohne Ehrgeiz zu entfalten,
dass ich dereinst als Kenner gelt.

Ich hab ja auch noch nie gelitten
an Folgen irgendwelcher Art,
denn dieser Saft ist unbestritten
der beste für die Musenfahrt.

Nur einmal ist mir schlecht geworden
als Opfer meiner eignen Gier,
grad in Pamplona, grad im Norden –
da war’s indes das zehnte Bier.