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Schreibsport

In nacktem Weiß mir untern Händen
erneut ein unbeschriebnes Blatt,
das mit des Kulis Blau zu schänden,
die Muse keine Skrupel hat.

Ich führe also meinen Schreiber
mit permanentem Zeilenzwang
nicht anders als ein Eseltreiber
den Grauen seinen Pfad entlang.

Der trägt indes auf seinem Rücken
die Last für ‘ne geraume Zeit
und spürt sie auf sein Kreuz noch drücken,
bis ihn der Stall davon befreit.

Mir aber liegt nichts auf dem Nacken,
was um ein Gramm mich nur beschwert;
hab ja nur Lyrik einzusacken,
die längst schon ihr Gewicht entbehrt.

Drum immer munter fortgeschritten
auf meinem „vorgeschriebnen“ Weg;
was brauch ich raue Treibersitten,
dass mächtig ich ins Zeug mich leg?

Das kann natürlich daran hängen,
dass mich ein Gen hat programmiert
und neben allen andern Zwängen
mich auch mit Dichtung infiziert.

Doch mag es ein Geheimnis bleiben,
es ändert nichts am Sachverhalt –
mich reimend an der Welt zu reiben,
treibt mich mein Daimon mit Gewalt.

Ich setze schon seit vielen Jahren
auf die bewährte Therapie,
die Lebenslust mir zu bewahren,
wie andere auf Wasserski.

Mich ziehn die Musen an der Leine,
dass ich durchpflüg das stille Weiß.
Und Stürze gibt es dabei keine.
Solang ich mich am Riemen reiß.

 

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Petri Heil!

Die Ruhe weiß ich wohl zu schätzen,
die mit der Dämmerung beginnt
und auf den Straßen und den Plätzen
zur Abendstille bald gerinnt.

Die Strände sind schon längst verlassen.
Nur hier und da noch, Pipapo,
Erinn‘rung an die Menschenmassen –
ein Ball, ein Becher irgendwo.

Geschleppt zum Wagen um die Ecke,
der dicht geparkt in langer Reih,
die Schirme, Liegen und Bestecke
und was noch sonst am Strand dabei.

So wurde wieder Platz geschaffen
für‘n andern Typ, der’s Wasser liebt,
den Angler, der ‘nen Barsch zu raffen,
oft Stunden seine Wache schiebt.

Die warn da immer schon zugange
im Mondschein und bei Sternenlicht
und immer schon mit diesem Drange:
auf Abstand und auf lange Sicht!

Das sind mir prächtige Gestalten,
wenn auch als Schatten sichtbar nur,
die strikt sich an die Stille halten
aus ihrer innersten Natur.

Unendlich scheint das schwarze Schweigen,
das sich bis Afrika erstreckt,
und sacht im Zug der Schnur sich neigen
die Ruten, in den Sand gesteckt.

Ein Stern lugt hier und da verschlafen
und blinzelnd aus dem Wolkenbett.
Ob ihn des Anglers Blicke trafen?
Als ob er dafür Augen hätt!

Ist ihm was auf den Leim gegangen
und zappelt sich am Haken fest,
hört an der Leine man, der langen,
Geplätscher, das nicht lockerlässt.

Ein Fisch in seinem stummen Leiden,
wie er sich windet und verbiegt,
mag aus dem Leben noch nicht scheiden,
weil so wie uns ihm daran liegt.

Vergeblich allerdings sein Kämpfen,
der Haken steckt ihm tief im Leib.
Am Ende: Kochen, braten, dämpfen.
Der Judaslohn für‘n Zeitvertreib.

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