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Waffennarren

Man muss sich keine Sorgen machen,
dass die Vernunft ihn übermannt;
am liebsten sind dem Menschen Sachen,
die zündbar für den Weltenbrand.

Will so er seinen Mut beweisen?
Die Herrschaft über die Natur?
Den Sternen, die am Himmel kreisen,
die Tiefe seiner Erdenspur?

Was für ein elender Geselle,
der’s Risiko herunterspielt,
doch auf Millionen Todesfälle
mit seinen Monsterwaffen zielt.

Die Leute, die in allen Breiten
in ihrem Reich am Ruder sind,
sie wurzeln meist noch in den Zeiten
von Faustkeil, Bärenfell und Flint.

Sie wandeln noch auf Trampelpfaden
der blinden Brachialgewalt,
nur dass sie heute Knarren laden,
bei denen es so richtig knallt.

Doch haben Forscher längst entschieden,
auf Fakten aller Art gestützt,
dass Freundschaft pflegen und den Frieden
in gleicher Weise allen nützt.

Was unsre braven Rudergänger
geflissentlich ja ignoriern,
wolln sie, je lieber, desto länger,
doch ihre Stärke demonstriern.

Sie zeigen noch des Stempels Spuren,
die einst dem Affen aufgeprägt,
der sich auf seinen Dschungeltouren
nur brüllend durch die Büsche schlägt.

Nachdem sich lange die Regale
mit Megakillerkraft geleert,
die atomaren Arsenale
man offensichtlich wieder mehrt!

Im Maße wie an Schurken fielen
‘ne Menge Staaten überall,
die gerne mit dem Feuer spielen,
und koste es den Erdenball.

Das leuchtet meiner trüben Birne
am Ende sogar auch noch ein:
Sie wolln mit ihrem Spatzenhirne
wie Phönix aus der Asche sein!

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Sparflamme

Was soll ich von der Kerze halten?
Verweigert mir die Feuerpflicht
und flimmert nur, versteckt, verhalten,
so vor sich hin als kleines Licht!

Kaum noch als Fünkchen zu erkennen
durch ihrer Hülle glas‘ge Wand,
scheint sie wie’n Seufzer zu verbrennen,
der grad noch aus der Gurgel fand.

Der Docht, der sonst in schöner Länge
das stolze Flammenbanner führt,
dass es den festen Brei versenge,
bis er sich freier darin rührt,

Er guckt jetzt mit dem Fadenende
nur eben noch daraus hervor,
ein Stückchen Kohle im Gelände,
das sich im Teig des Talgs verlor.

Ist ihm der Atem ausgegangen
in stickiger Zylinderluft;
erstarben ihm die Rosenwangen
in seiner dumpfen Plastikgruft?

Ich kann nicht mit Gewissheit sagen,
was wirklich diese Schwäche schuf.
Sie müsste schließlich mehr vertragen,
ist sie doch Windlicht von Beruf.

Geborgen in robustem Rohre,
das schützend ihren Leib umstellt,
weilt oft sie hinterm Friedhofstore,
wo sie auf Gräbern Wache hält.

Und ob da nicht die Stürme rasen
in mancher unheilvollen Nacht,
um unerbittlich auszublasen,
was den Verstorbnen dargebracht!

Nein, grad in meiner stillen Klause,
in die kein Lüftchen sich verliert,
schrumpft ohne Punkt sie, ohne Pause,
bis selber sie zu Wachs gefriert.

Und längst ist nicht einmal die Sohle
des schmelzenden Geklumps erreicht,
dass sich die Fackel dort erhole
von allem, was sie aufgeweicht.

Ein Stumpf pappt da noch in der Säule,
der massig wie ein Eisberg ragt,
an dem die leichte Flammenkeule
sich selber kurz und klein genagt.

Belämmert seht mich also hocken
vor diesem seltnen Phänomen,
natürlich völlig von den Socken,
doch willens auch, es zu verstehn.

Der Fachmann wird es mir erklären,
er weiß für alles ja den Grund:
Die Kerzen sonst in allen Ehren,
doch diese hier ist einfach Schund!

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