Virus-Leugner

Schon wollt ich es ad acta legen,
dies Thema namens Pandemie,
dass den viralen Schicksalsschlägen
ich lyrisch einmal mich entzieh.

Hat ja auch ganz so ausgesehen,
als wär man endlich übern Berg
und könnte eine Nase drehen
dem giftigen Schmarotzerzwerg.

Doch hat man auch in diesem Falle
die Rechnung ohne Wirt gemacht.
Von wegen nur noch Pillepalle –
er rüstet sich zur nächsten Schlacht!

Seitdem man ihm nicht mehr entschlossen
auf breiter Front entgegentritt,
ist er erneut ins Kraut geschossen
und seine Fieberkurve mit.

Was sind das bloß für Spießgesellen,
die machen’s jedem Gegner leicht:
Die Pike in die Ecke stellen,
wenn er auch nur ein Schrittchen weicht.

Man widmet gern sich dem Vergnügen
und bürstet gegen den Verstand;
Ich, ich, ich, ich in vollen Zügen
vom Kleinhirn an den Bauch gesandt.

Gefahren werden abgestritten,
solang sie nicht am Leib zu spürn,
man tanzt auf ‘nem Vulkan inmitten
von Freuden, die das Feuer schürn.

Und fühlt sich noch dazu berufen,
verbittert seine Faust zu balln,
um denen, die mehr Schutz uns schufen,
mit Demos in den Arm zu falln.

Versuch mal, wen zu überzeugen,
der sich in einen Wahn verrannt
und ‘s ablehnt, Regeln sich zu beugen,
die größres Unheil schon gebannt!

Nun, so ein Trupp maroder Denker
lässt sich noch halbwegs kontrolliern.
Doch wie ‘ne Handvoll Staatenlenker,
die ganze Völker infiziern?

0

Schreibsport

In nacktem Weiß mir untern Händen
erneut ein unbeschriebnes Blatt,
das mit des Kulis Blau zu schänden,
die Muse keine Skrupel hat.

Ich führe also meinen Schreiber
mit permanentem Zeilenzwang
nicht anders als ein Eseltreiber
den Grauen seinen Pfad entlang.

Der trägt indes auf seinem Rücken
die Last für ‘ne geraume Zeit
und spürt sie auf sein Kreuz noch drücken,
bis ihn der Stall davon befreit.

Mir aber liegt nichts auf dem Nacken,
was um ein Gramm mich nur beschwert;
hab ja nur Lyrik einzusacken,
die längst schon ihr Gewicht entbehrt.

Drum immer munter fortgeschritten
auf meinem „vorgeschriebnen“ Weg;
was brauch ich raue Treibersitten,
dass mächtig ich ins Zeug mich leg?

Das kann natürlich daran hängen,
dass mich ein Gen hat programmiert
und neben allen andern Zwängen
mich auch mit Dichtung infiziert.

Doch mag es ein Geheimnis bleiben,
es ändert nichts am Sachverhalt –
mich reimend an der Welt zu reiben,
treibt mich mein Daimon mit Gewalt.

Ich setze schon seit vielen Jahren
auf die bewährte Therapie,
die Lebenslust mir zu bewahren,
wie andere auf Wasserski.

Mich ziehn die Musen an der Leine,
dass ich durchpflüg das stille Weiß.
Und Stürze gibt es dabei keine.
Solang ich mich am Riemen reiß.

 

0

Aufgestört

Man fühlt sich immer angesprochen,
sobald das Telefon ertönt –
doch Mitternacht ist angebrochen
und jede Störung mir verpönt.

Es muss sich um ‘nen Notfall handeln,
ich kann’s mir anders nicht erklärn;
jetzt noch mit jemand anzubandeln,
läg selbst ‘ner Quasselstrippe fern.

Darum nicht einfach ignorieren,
woran als Erstes ich gedacht.
‘s ist ja die hohe Zeit der Viren –
wer weiß, bei wem sie Halt gemacht!

Mein Geist indessen, alt und träge,
mahlt langsam nur an dem Entschluss,
dass er die späten Glockenschläge
zunächst bis 10 noch zählen muss.

Dann scheint es sogar ihm zu reichen,
und endlich kommt er nun auf Trab
und nimmt beim nächsten Klingelzeichen
erwartungsvoll den Hörer ab.

Am andern Ende Grabesstille.
Zu spät. Schon wieder aufgelegt.
Was nützt mir da der beste Wille,
wenn sich mein Hintern nicht bewegt!

Am nächsten Tag noch mal das Ganze,
und diesmal war ich schneller dran.
Doch zu dem gleichen Totentanze –
der Zeit, wie schweigend sie verrann.

Will jemand sich ‘nen Scherz erlauben,
ein Witzbold oder Tunichtgut,
um mir den ersten Schlaf zu rauben,
vielleicht mit Alkohol im Blut?

Ich schildre meinem guten Engel
zuletzt das stumme Tête-à-Tête,
nicht ohne einen Schuss Gequengel,
wie sehr mir’s auf den Zeiger geht.

Doch Mitleid dieser lässt vermissen
und Schelte für den Störenfried,
mich durch die Blume aber wissen,
dass ich ein Depp auf dem Gebiet.

Es will kein Schwein mich da erschrecken
mit Schüben nächtlichen Radaus:
Die Uhr steht einfach nur auf „Wecken“ –
ein Click, und die Funktion ist aus!

0

Politik, umtriebig

Sie sind so fleißig wie die Bienen,
schwirrn täglich ohne Rast und Ruh
in ihren flotten Limousinen
unzähligen Terminen zu.

Dabei sind sie nicht ortsgebunden,
auch das macht sie den Brummern gleich –
sie drehen ständig ihre Runden
im größten Kompetenzbereich.

Und welchen Nektar sie wohl saugen
aus diesen Flügen jedes Mal?
Die Heimgesuchten bestens taugen
als Stimmen für die nächste Wahl!

Das nehmen an behaarten Beinen
als Manna sie nach Hause mit –
sich selbst und ihren Ortsvereinen
als süße Aussicht auf Profit.

Doch ist dabei für alle andern,
die’s bis zum Staatsmann nicht geschafft,
dies Über-Wald-und-Wiesen-Wandern
denn irgendwie auch vorteilhaft?

Heißt: Selbst wenn sich die Brüder sträuben,
zu teiln die Beute allgemein,
müssten sie dennoch nicht bestäuben
die Welt zu Wachsen und Gedeihn?

Ach, nichts von solcherlei Effekten,
soweit ich seh der Dinge Lauf,
und den Vergleich mit den Insekten
geb ich hier notgedrungen auf.

Es ist ja stets die gleiche Masche,
mit der das Volk man hintergeht:
Den Reibach in die eigne Tasche,
da jenem man ‘ne Nase dreht.

‘ne Profession, die sich von Lügen
und windigen Versprechen nährt
und bei den üppigsten Bezügen
nicht einen roten Heller wert.

Ihr meint, das sei wohl überzogen,
ihr Wirken vielfach auch Gewinn?
Hab’s aus den Fingern nicht gesogen,
schaut doch noch mal genauer hin!

Wer stellt politisch denn die Weichen
in unserm Land und anderswo?
Die mühsam sich die Macht erschleichen
in Poll, Partei, Politbüro.

Danach: Hansdampf in allen Gassen.
Geschäftig alle durch die Bank.
Und was sie dafür hinterlassen?
Patientin Erde, sterbenskrank.

0

Gesammelte Werke

Vom Wickelkind zum Mümmelgreise
bleibt wunderbar der Mensch sich gleich,
ein Proteus auf der Lebensreise,
integer und verwandlungsreich.

Kaum fing die Zunge an zu stammeln
und hat nach Taten man gestrebt,
begann die Marken man zu sammeln,
wie Mutter sie auf Briefe klebt.

Da warn die prächtigsten Motive
auf so ein Fitzelchen gebannt,
dass die Begeist‘rung, die naive,
zum Gipfel sie der Kunst ernannt.

Dazu kam noch das steif Gedruckte,
das an den Rändern nur erscheint,
wie „Suomi“, das stets mich juckte,
bis ich dann wusste, was es meint.

‘ne frühe Sprach- und Länderkunde
aus diesem schönen Sammeltrieb,
die später in der Grundschulstunde
man gern mir auf mein Konto schrieb.

Beliebte andere Objekte
warn bunte Murmeln (Glas und Ton),
die man sich in die Taschen steckte
zur nächsten Spiel- und Tauschaktion.

Und kamen die dann aus der Mode,
weil man sie jäh zu kindlich fand,
begann ‘ne lange Periode,
da man dem Bier sich zugewandt.

Das heißt den Pappe-Untersätzen,
die Gläser darauf zu postiern,
damit den Tisch sie nicht benetzen,
sofern sie Feuchtigkeit verliern.

Und Streichholzschachteln, Minerale,
Oblaten, Künstlerkonterfeis
und silberglänzende Pokale
als eines Wettkampfs Siegerpreis.

Soweit ist harmlos es beschaffen,
das große Hobbykabinett,
doch es umfasst auch manchmal Waffen –
Pistole, Messer und Florett.

Ist Streitlust dann zu unterstellen?
Gewaltbereitschaft von Natur?
Vielleicht. Doch in den meisten Fällen
wohl Spaß an blankem Trödel nur.

So fort bis in die späten Jahre,
wenn mancher, seines Werts bewusst,
drei Schritte nur noch von der Bahre
sich Orden heftet an die Brust.

Doch wird er damit Eindruck schinden?
Den Nimbus militanter Kraft?
Man wird ihn wohl nur kindisch finden –
und umso mehr auch greisenhaft.

0

Von Ranken und Reben

Des Hauses harte Ziegelwangen
auf einmal nackt wie neugeborn;
mit Messern, Scheren, Sägen, Zangen
hat rüde man sie glattgeschorn.

Und statt der filzigen Geflechte,
die weithin wuchernd sie bedeckt,
zeigt sich die Haut erneut, die echte,
in fadem Gelb, das grau gefleckt.

Man hat das Weinlaub kappen müssen,
weil es nicht ganz geheuer ist
und sich mit Frost und Regengüssen
gefährlich ins Gemäuer frisst.

Was nützt die hübscheste Fassade,
die Büschel bunter Blätter ziern,
wenn mit den Jahren ohne Gnade
die Klinker ihren Halt verliern?

Noch immer ist da was im Gange,
Gerüste ragen noch empor;
doch manchmal dringt auch ziemlich lange
des Werkzeugs Schweigen mir ins Ohr.

Vor meinem Fenster auf den Planken
turnt nur ein Typ noch auf und ab,
der schabt und schmirgelt an den Flanken
sich stundenlang die Pfoten schlapp.

Das deutet auf ein bald’ges Ende
der großen Säuberungsaktion:
Befreiung strupp’ger Außenwände
von Kräutern, die mit Folgen drohn.

Woraus die Weisheit zu erschließen,
die auf des Plato Lehre speit:
Das Schöne, das wir so genießen,
liegt mit dem Guten oft im Streit.

Und schon ein Eigentor geschossen!
Ja, sitz ich denn im Glashaus nicht?
Gehn Reben, die in Wein zerflossen,
nicht mit der Leber ins Gericht?

Gewiss. Doch nur, wenn einem schmeckte
weit mehr als hier und da ein Glas,
denn die verderblichen Effekte,
die zeitigt erst das Übermaß.

Kein Grund, mir aus dem Hals zu reißen
dieses Gewächs mit Stumpf und Stiel –
ja, mit dem Roten und dem Weißen
auch mancher Vers ins Wasser fiel.

0

Der geneigten Leserschaft

Was glotzt ihr denn auf meine Seiten,
habt ihr nichts Besseres zu tun?
In einem Bittgang mitzuschreiten?
‘nen Barfußbruder zu beschuhn?

‘ner netten Oma abzunehmen
des Einkaufsbeutels Schwergepäck,
dass beide heil nach Hause kämen,
die Kundin und ihr Schweinespeck?

Des Nachbarn Bude einzuhüten,
der sich erfüllt ‘nen Urlaubstraum,
und wässern seine biedren Blüten,
den Ficus und den Gummibaum?

Wär löblich auch, sich vorzuknöpfen
Lektüre (Milton, Marx und Mann),
um aus den Weisheitsquelln zu schöpfen,
in die mein Vers nicht reichen kann.

Doch seid ihr nun einmal gelandet
(ich frage allerdings mich, wie
ihr dieses weiße Fleckchen fandet)
im Dschungel meiner Fantasie!

Was hat euch dabei angetrieben?
Die angeborne Lyriklust,
dass alles, was als Vers geschrieben,
das Herz euch hebe in der Brust?

Die Reise in verborgne Welten,
von Touri-Massen unbeleckt,
um als Kolumbus einst zu gelten,
der den Parnass für sich entdeckt?

Ach, warum weiter räsonieren?
Es heißt doch: ‘nem geschenkten Gaul…
Sei es zu zweit, zu dritt, zu vieren –
schaut mir recht fleißig nur aufs Maul!

0

Was heißt hier Schmuddelwetter?

Inzwischen wieder eingetroffen
im angestammten Domizil,
‘ne Literbüchse Bier gesoffen,
bevor ich in die Koje fiel.

Was hab ich dafür abgebrochen?
‘ne Bude, die so stark erhitzt,
dass halb sie schon nach Schweiß gerochen,
den in die Kissen ich geschwitzt.

Da redet man von Sommerfrische,
als wär’s der Freuden A und O,
indes erleichtert ich entwische
dem hohen Temp’raturniveau.

Das wird auf Wochen noch so bleiben,
und täglich gibt’s ein kleines Plus,
ich kann mir nur die Hände reiben,
dass ich nun meilenweit vom Schuss.

Auf Hamburg kann man sich verlassen,
das sah ich bei der Ankunft gleich,
kaum Sonne auf den trüben Gassen,
doch Nieselregen warm und weich.

Am Stück so unterm Hoch zu brüten,
gibt hier der Sommer ja nicht her,
er freut sich mehr an tausend Blüten
als an ‘nem dürren Kräutermeer.

Da braucht’s halt auch mal einen Schauer,
den ‘ne verschnupfte Wolke niest,
der wie ein Gärtner, wie ein Bauer
das dürstende Gewächs begießt.

Und was hier der Natur nicht schadet,
kommt meinem Körper auch zupass,
der, grade noch in Schweiß gebadet,
jetzt wohlig fröstelt unterm Nass.

Wer wollte es mir da verdenken,
dass es mir diebisch nun gefällt,
der Säule einen Blick zu schenken,
die auf dem Laufenden mich hält?

Quecksilber mein ich, Thermometer,
nicht die in Tempel und Palast –
die Fieberkurve von Sankt Peter,
nach Art von Celsius erfasst.

Die schwebt konstant jetzt in den Sphären
von dreißig, einunddreißig Grad,
um Tag für Tag mich zu belehren,
wie heiß da wär mein Sonnenbad.

Ein Hoch auf unsre kühlen Breiten
mit ihren Tiefs von Zeit zu Zeit,
die durch ‘nen Sommer uns begleiten,
der selten nur nach Feuchte schreit.

Und was hier runterkommt an Regen,
das ist durchaus kein Spitzenwert –
er mag sich nur ins Zeug nicht legen
und spärlich seine Fuhren fährt.

Schön. Grade also noch verpieselt,
bevor mich Spaniens Sonne sticht.
Und Hamburg nieselt, nieselt, nieselt.
O angenehme Klimapflicht!

1+

Bodenständig

Man ist geprägt von Kindesbeinen
vom Fleckchen, wo die Wiege stand
und eine Zufallsschar von Seinen,
verknotet im Familienband.

Und wächst allmählich in die Ketten,
an die uns die Gesellschaft legt,
sich so bequem darin zu betten,
dass eher man wie Schmuck sie trägt.

Die Fesseln stark sich unterscheiden
rein äußerlich von Land zu Land,
doch jeder mag am besten leiden
die, die er immer schon gekannt.

Es müssen Jahre erst verstreichen,
in denen leidlich man gereift,
dass seine Heimat ohnegleichen
als Massenware man begreift.

Doch bis zu diesem Reifegrade
nicht jeder Geist sich einst erhebt
und bleibt auf seinem platten Pfade
als Schnecke schleimig angeklebt.

Dafür indessen brüllt die Kehle,
was sie im Innersten bewegt,
damit die abgestumpfte Seele
mal irgendwie zu Buche schlägt.

Der nächste Schritt: Gewaltexzesse,
rein mündlich reicht der Hass nicht mehr,
man haut dem „Schwein“ gleich in die Fresse
so blutig wie spektakulär.

Das sind dann die extremen Fälle,
von denen alle Welt erfährt,
weil so’n Ereignis auf die Schnelle
die Medien mit Manna nährt.

Sich selber für das Maß zu halten
und alle andren für abstrus,
galt immer schon so Witzgestalten
als Wahrheit ohne Pferdefuß.

Da braucht’s nicht „Nigger“ und „Kanaken“,
was jeder Arbeitslose kennt,
auf dem man’s liebt, herumzuhacken
als Faulpelz, der den Tag verpennt.

Auch wer mit irgend ‘nem Gebrechen
sich durch das Dasein schlagen muss,
bietet willkommne Angriffsflächen
dem Spott zu allem Überfluss.

Ja, denen, die zur Fülle neigen
oder ‘nem Kopf, der dünn behaart,
wird dieses Manko nicht verschweigen,
der, dem das Schicksal dies erspart.

Ich kannte mal so ‘nen Strategen,
der wie ein Scheunendrescher fraß,
doch, ohne jemals zuzulegen,
den reinsten Fastenleib besaß.

Der aber schrieb sich auf die Fahnen,
wenn irgendwer zu dick ihm schien,
ihn allen Ernstes zu ermahnen:
Dir fehlt es schlicht an Disziplin!

Da haben wir ja schon die Quelle,
der dieser ganze Dreck entspringt –
die Dummheit, die auf einer Stelle
großspurig sich durchs Leben hinkt.

Sind es denn grundverschiedne Leute
mit aufgestauter Aggression,
die schmähen andersfarb’ge Häute
und „schwarze Schafe“ der Nation?

Es ist die gleiche Spießerwichse,
die aus dem Kleinhirn vegetiert
und gern an ‘ne Idee, ‘ne fixe,
den bleiernen Verstand verliert.

Politiker sich rasch empören
mit ausgeprägter Zungenkraft –
doch insgeheim pro domo schwören
auf die verdummte Wählerschaft.

0

Strandverzicht

Zur See hinaus auf festen Planken,
vom Winde hin- und hergejagt?
Ich glaub, ich würd nicht lange schwanken,
bevor ich freudig zugesagt.

Hab ich mich doch in jungen Jahren
diversen Kähnen anvertraut
und Küsten, die mir fremd noch waren,
wie ein Kolumbus angeschaut.

Und so ein Seebär und Entdecker,
der manchen Sturm schon überstand,
der nuckelt Bier und bröselt Cracker
auf ‘ner Matratze wo am Strand?

So Stunden auf ‘nem Fleck zu hocken,
bis überall die Haut sich pellt
und selbst aus nicht getragnen Socken
der Sand gleich eimerweise fällt

War meinen maritimen Freuden
nie Vorbild oder Ideal
und hieß mir nur, die Zeit vergeuden
in einem wind’gen Wartesaal.

Doch lauscht man nicht mit schärfren Sinnen,
wenn man so träge ausgestreckt,
den Stimmen, die ganz tief da drinnen
man sonst nicht aus dem Schlummer weckt?

Ich bitte euch, bei aller Liebe,
da ruht nicht still, pardon, die See,
da herrscht ein ähnliches Getriebe
wie beim All-you-can-eat-Buffet!

Und trotz der schönen Abstandsregel,
die eingehalten auch im Schnitt,
gibt’s immer wieder mal ’nen Flegel,
der voll dir auf die Füße tritt.

Nicht mal, dass mir in alle Poren
die Sonne ihre Bräune brennt,
ließ mich auf einer Liege schmoren
zum Nachweis „Urlaubsabsolvent“.

Ich trag mit Würde meine Blässe
und jeden süffisanten Stich.
Noch schreibt man sie ja nicht in Pässe
als „Merkmal, unveränderlich“.

0