Fabricius

Dem Herrn auch nach dem Dienst verbunden
blieb dieser brave Gottesmann
und sah in klaren Abendstunden
sich seinen Friesenhimmel an.

Dann hat beim Kirchlein er gesessen,
erhoben leicht das Angesicht,
und diesen Kosmos ausgemessen
mit seinem bloßen Augenlicht.

Geduld war seine starke Seite,
die auch dem Angler nicht erlischt,
nur dass er in der luft’gen Weite
des hohen Sternenmeers gefischt.

Da kriegt noch seltner an den Haken
man irgendeinen fetten Fang –
wie alle Sinne ihm erschraken,
als eines Tages er gelang!

Auf Lauer jahrelang gelegen
mit nichts als seiner Hoffnung nur,
sieht er ein Licht sich plötzlich regen
in dieser endlos stillen Flur!

So war die Zeit doch nicht verloren!
Ein neuer Stern am Firmament –
auf einmal in die Welt geboren
ein Licht, das mit den andern brennt!

Kommt gleich in sein Geburtsregister,
das heißt, die kosmische Kartei,
damit das neue Sterngeschwister
auch Mitglied der Gemeinde sei.

Wer wollte es ihm da verdenken,
dass er begann, von seinem Platz
den Blick bevorzugt hochzulenken
auf seinen grad gehobnen Schatz?

Fand leicht ihn unter all den Massen
noch Wochen, Monate und mehr,
als eines Nachts dann, kaum zu fassen,
die Stelle plötzlich wieder leer!

Doch als ein vorbildlicher Vater
gab er sein Findelkind nicht auf,
behielt den Sitz im Welttheater
mit Aussicht auf den Sternenlauf.

Und wieder musst er lange harren,
wie er’s indessen schon gewohnt,
bis die Geduld, so stur zu starren,
ihm auch ein zweites Mal belohnt.

Der Stern von respektabler Helle,
der jäh ihn hinters Licht geführt,
er prangte da an alter Stelle,
als hätt er nie sich weggerührt.

Was hat nicht alles er erwogen
als Grund für solche Narretei
und schließlich dann den Schluss gezogen,
dass auch der Glanz vergänglich sei!

So hat (was dunkel ihm geblieben)
mit diesem Stern, der Mira war,
als Erster einen er beschrieben
von Helligkeit, die wandelbar.

Indes kein guter für sein Leben,
das bald ein schlimmes Ende fand
inmitten Moor und Wassergräben
von mitleidloser Mörderhand.

Nur wen’ge Schritte von den Katen,
in der Gestirne Angesicht,
erschlug ihn wer mit einem Spaten,
mit dem man Torf gewöhnlich sticht.

Warum ist er so umgekommen?
Ein Kerl, der böse wen geprellt,
hat‘s schrecklich übel ihm genommen,
dass er als Schuft ihn bloßgestellt!

Doch wird sein Name nicht verhallen,
der näher nun dem Himmel wohnt –
mag selbst sein Grabstein einst zerfallen,
doch nie sein Krater auf dem Mond.

Abendstimmung

Am Abend. Schattige Gestalten
gehn mit den Flammen Hand in Hand
wie Träume, die da schon entfalten
ihr dunkles Vorspiel an der Wand.

Mit ihren unsichtbaren Wellen
die Wärme wohlig mich umspült.
Von fern hör einen Hund ich bellen,
der stärker wohl die Kälte fühlt.

Muss ich an bleichen Knochen nagen?
Nichts besser meinen Trank ergänzt
als ein paar Happen für den Magen,
die mir ein Tellerchen kredenzt.

Auch Käse ist dabei geboten,
wie er ja stets zur Traube passt,
doch dieses Ziegenweiß zum Roten –
was für ein köstlicher Kontrast!

Indessen sie ein Schicksal teilen:
Objekte fürn Verdauungstrakt,
die auf dem Tische nur verweilen,
bis mit den Zähnen man sie packt.

O Zauber einer Atmosphäre,
die Flügel leiht der Fantasie!
Der Dämmer nimmt dem Licht die Schwere,
nur Kerzen flimmern vis-à-vis!

Mit Feuereifer bei der Sache,
hock ich gebeugt vor meinem Blatt
und aus dem Brüten erst erwache,
wenn es genügend Schnörkel hat.

Derweil geht mir die Kost zur Neige,
der Rote langsam auf den Grund.
Die Muse will, dass ich nun schweige –
hält mir den Finger vor den Mund.

Die Schirmherrin

Auf einmal hat sich eingeschlichen
ein Schatten in den Strahlenglanz,
die Sonne ihrn Besuch gestrichen
für viele Stunden voll und ganz.

Stattdessen wälzten Wolkenmassen
sich übers Firmament dahin,
um fleißig Wasser abzulassen,
das ihnen reichte schon zum Kinn.

Den Kopf gesenkt, den Stoff erhoben,
der straff sich zwischen Speichen spannt,
die wenigen Passanten stoben
durch dieses feuchte Perlenband.

Doch plötzlich goss ‘ne Wolkenlücke
die letzte Pfütze aus dem Schuh,
und alle diese guten Stücke,
sie klappten unisono zu.

Nun galt es, sie auf alle Fälle
noch mitzuschleppen auf dem Weg,
dass hinter eigner Tür und Schwelle
man irgendwo sie trockenleg.

Da war auch einer in der Truppe,
auf den mein Auge just gezielt,
der war fast größer als die Puppe,
die fröhlich ihn am Wickel hielt.

Der streifte ihr zuerst am Leibe
und wackelte so nebenher,
bis sie wohl dachte, dies Gereibe
macht einem ja das Laufen schwer.

Und darum, schwups, mit beiden Händen
gepackt das ellenlange Ding,
dass es statt lästig an den Lenden
ihr rittlings überm Haupte hing.

So machte sie ‘ne Anzahl Schritte,
die Ärmchen ruhig ausgestreckt
wie’n Sieger, der nach alter Sitte
Trophäen in die Höhe reckt.

Doch schon bewegte sie sie wieder,
von einem Einfall angeweht,
und beugte rhythmisch auf und nieder
wie eine Hantel das Gerät.

Dann ist sie meinem Blick entschwunden
und mit ihr auch die große Fracht.
Die hat sie, so mit Jux verbunden,
ganz sicher gut nach Haus gebracht.

Artensterben

Experten vieler Disziplinen
sind einig sich seit Jahren schon,
dass schlecht wir unsrer Umwelt dienen
nur mit „Profit“ und „Produktion“.

Und dass wir an dem Aste sägen,
auf dem wir unser Nest gebaut,
wenn jedermann nach den Erträgen
und niemand nach den Kosten schaut.

Kassandrarufe! Prophetien,
die auf verlornem Posten stehn,
Politikern ins Ohr geschrien,
um aus dem andern rauszugehn!

Die sind seit Troja gleichgeblieben –
stets gegen guten Rat gefeit,
und sei es unter Peitschenhieben,
in dumpfer Überheblichkeit.

Und während sie sich selbst betäuben
mit Giften der Regierungssucht,
krepiern die Bienen, die bestäuben
die Blüten unsrer nächsten Frucht.

Den Vögeln geht es auch nicht besser.
Seit Jahren seltner klingt ihr Lied.
Der Bauer liefert sie ans Messer,
der Einfalt auf den Fluren zieht.

Längst hat‘s auch Hering und Makrele
und andres Flossenvolk erwischt.
Die Jungs mit sturmerprobter Seele,
sie haben gründlich abgefischt.

Solln wir Politikern vertrauen,
die nicht verhindern diesen Schwund,
gewohnt, uns Phrasen vorzukauen
von einer Welt, die herrlich bunt?

Von denen ist nichts zu erwarten.
Die reden sich aus allem raus.
Es endet erst der Tod der Arten,
stirbt diese Art von Menschen aus.

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Verkehrte Welt

Es funken alle Sendemasten
im Pulsschlag ihrer Hertzfrequenz,
dass weltweit jetzt die Robben fasten
und üben Heringsabstinenz!

Und auch die Tiger in Bengalen
sind offensichtlich auf Diät,
ernährn sich von Kartoffelschalen
und Frischkost vom Gemüsebeet.

Ach, wie die Meldungen sich jagen!
Ein Geier in der Steiermark,
anstatt die Kralln in Aas zu schlagen,
frisst haufenweise Speisequark!

Nicht minder seltsam das Verhalten
von Papagein in einem Zoo,
die manchmal ‘nen Gesang entfalten
von höchstem Nachtigalln-Niveau.

Was sind das für kuriose Zeiten!
Auch diese Nachricht ist dabei:
Seepferdchen sah man neulich reiten
auf Wellenbergen vor Hawaii.

Schon alles? Nein, es kommt noch dicker.
Auch Elefanten, tonnenschwer,
benehmen plötzlich sich wie Kicker
und trampeln Bällen hinterher.

(Nicht denen, wo nach wen‘gen Schüssen
das Leder keine Luft mehr hat,
nein, hammerharten Kokosnüssen,
die kriegt nicht mal ein Jumbo platt.)

Auch du, o Mensch? Ein Volk soll’s geben,
das seine Nachbarn überfällt –
und schenkt ihnen nicht nur das Leben,
nein, tausend Sachen auch und Geld.

Doch dem mag ich so recht nicht trauen,
kann einer sagen, was er will.
Mal kurz auf den Kalender schauen –
ach so, na klar: April, April!

Goldsucher

So wie der Teufel nach der Seele
jagt mancher hinterm Mammon her,
dass er ihn säckeweise zähle
buchstäblich bis zum Gehtnichtmehr.

Wie müssen die das Gold erst schätzen,
an Glanz beständig und an Wert,
und das nach irdischen Gesetzen
sich auch hienieden nicht vermehrt?

Wenn sie vom Eldorado träumen,
dann ohne Hoffnung, einfach so,
doch glaubt mir, in den ew’gen Räumen
gibt es das wirklich irgendwo!

Denn viele der entfernten Sonnen,
die etwas dicker um den Bauch,
erbrüteten Milliarden Tonnen
von schweren Elementen auch.

Und kommen sie dann in die Jahre,
da ihre Lebenskraft erlischt,
verschleudern sie die teure Ware
so wie die Brandung ihren Gischt.

Kein Erdenwesen hätt die Nerven,
den Schatz, den mühsam sich’s erspart,
zum Fenster einfach rauszuwerfen
wie’n ungetreuer Kassenwart.

Der Kosmos aber in Äonen
sich immer wieder neu gebiert
und muss nicht die Ressourcen schonen,
die er verlagert statt verliert.

Eh Sterne unter ihrer Masse
begraben, weil sie ausgebrannt,
fülln sie die offne Weltraumkasse
noch einmal berstend bis zum Rand.

Die äußre Hülle, der die reichen
Bestände Goldes beigemengt,
mit Blitz und Donner ohnegleichen
wird sie ins All hinausgesprengt.

Da wabert sie wo in den Weiten
des Universums vor sich hin
bis an das Ende aller Zeiten
ganz ohne Zweck und ohne Sinn.

Und so ein Stern lässt sich nicht lumpen,
da geht es nicht um Nuggets bloß:
Der spuckt das Zeug in dicken Klumpen,
die manchmal wie Planeten groß.

Ach, wüsst ich Mittel nur und Wege,
dass ich in diesem Lichtermeer
dem unauffälligen Gelege
ganz dicht schon auf den Fersen wär!

Dann schrieb ich in die Himmelskarten
die Position und überdies:
„Für künft‘ge Argonautenfahrten –
das Einfallstor zum Goldnen Vlies“.

Den Fahrpreis würd ich gar berappen
fürn Erster-Klasse-Quantenflug
all denen, die ‘ne Hacke schnappen
für den splendiden Beutezug!

Mag sein, dass die Geschäftemacher,
die Zocker, Schieber und so fort
und damit Gier auch und Geschacher
sich sammeln an dem Sternenort.

Für unsern Globus wär’s ein Segen,
ging die Korona dort auf Klau,
um ihren Stempel aufzuprägen
dem Run auf Gold im Tagebau.

Er könnte endlich sich erholen
vom Ungeist, wie er sie beseelt,
dass vom Äquator zu den Polen
der Reibach mehr als Menschen zählt.

Indes, ihr werten Intressenten,
die ihr begeistert voll und ganz:
Es geht bei solchen Delinquenten
der Kosmos sogar auf Distanz!

Hält seine Schätze tief verborgen
in Nebeln wo aus Gas und Staub:
Für Plünderer und ihre Sorgen
zeigt sich und sein Gestein er taub

Manchmal sprachlos

Vor langer Zeit, als ich beschlossen,
dem harten Winter zu entfliehn,
ist mir der Satz ins Hirn geschossen:
Nicht sprachlos in die Fremde ziehn!

Auf keinen Fall. Doch muss nicht reichen,
dass man auf Englisch radebrecht
und notfalls mit Gebärdenzeichen
sich weiterhilft mehr schlecht als recht?

Das wollt dem Ehrgeiz nicht gefallen,
der mit den Jahren zwar ergraut,
doch das In-jeder-Zunge-Lallen
sich immerhin noch zugetraut.

Und überhaupt, die Sprachbarriere
kann doch wer weiß wie hoch nicht sein –
belegt nicht meine Schulkarriere
Meriten sogar mit Latein?

Soll ich wie weiland die Wandalen
mir alles hier vom Munde stehln?
Ich möcht mit gleicher Münze zahlen,
auch wenn mir mal die Worte fehln.

Natürlich wird sich manchmal rächen
der Eifer, der im Halse brennt,
lass bei Gelegenheit ich sprechen
mein eher dürftiges Talent.

So etwa an der Ladenkasse,
wo ich ‘ne Lippe mal riskier
und doch, obwohl ich kurz mich fasse,
den Faden ab und zu verlier.

In der Taverne beim Bestellen
geht’s prima noch mit „Bier und Brot“,
doch hakt man nach, in solchen Fällen
komm prompt ich in Erklärungsnot.

Und im Geschäft gleich um die Ecke
mit Eisenwaren aller Art,
ich, schwups, in der Bredouille stecke,
gerät die Chefin erst in Fahrt!

Kaum hab gefragt nach Nägeln, Schrauben
ich flüssig, frei fast von Akzent,
dass sie in völlig falschem Glauben
mich mit ‘nem Wortschwall überrennt.

Ich aber, in des Sturmes Auge,
indem ich mich wohl gar entfärb,
krieg Zweifel, ob ich wirklich tauge
für diesen späten Spracherwerb.

Dann aber seh ich den und jenen,
der auch kein großes Kirchenlicht,
wie er in ganz verschiednen Szenen
geläufig mit dem Volke spricht.

Soll ich das auf mir sitzen lassen?
Sind die vom Geiste angehaucht?
Kann meine Birne nicht auch fassen
die paar Sentenzen, die man braucht?

Und Eitelkeit, schon fast verglommen,
sich flammend aus der Asche reckt:
Da soll man nicht ins Schwimmen kommen –
bei diesem finstren Dialekt!

 

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Temperaturschwankungen

Die Lampe oben an der Decke
im schön gewölbten Himmelszelt,
sie leuchtet fast in jede Ecke
und wärmt dabei die ganze Welt.

Doch keineswegs mit gleicher Stärke
sie ihren reichen Charme versprüht
und geht sehr wählerisch zu Werke,
indem sie glimmert oder glüht.

Besonders gut hat es getroffen
der Strich, der weit im Süden liegt
und, allen Zärtlichkeiten offen,
sich dürstend an die Quelle schmiegt.

Dem schickt die Kräfte, die geballten,
im Juli sie zum Überdruss
und lässt auch winters nicht erkalten
den angenehmen Strahlenfluss.

Doch wird vergeblich darauf lauern,
wer dringend ihn zu Hause braucht –
er bricht sich an den Außenmauern
und nur das Land in Hitze taucht.

Drum ist die Sonne auszuschließen
als Wohnungswärmelieferant –
da müsste also üppig sprießen
das Thermische von Menschenhand.

Doch wo gibt’s Rohre, die sich winden,
wo Rippen schön in Reih und Glied?
Ach, kaum hier irgendwo zu finden,
weil man’s nicht so dramatisch sieht!

„Höchstens zwei Monate im Jahre
wird’s etwas kühler mal zur Nacht,
da reichen schon zwei Deckenpaare,
damit man sich’s gemütlich macht.

Und wenn wir aus dem Bett uns tasten
am Morgen in das kalte Bad,
hängt da ja noch der Klimakasten,
der Aircondition-Apparat.

Solln, Kinder wir der lichten Sphären,
den guten Ruf uns ruiniern,
indem wir Heizungen begehren,
die nur beweisen, dass wir friern?“

So leben sie nach Art des weisen
Diogenes in Alt-Athen,
der nicht ermüdete, zu preisen,
Bedürfnissen zu widerstehn.

Tagsüber in der lichten Sonne
bestand zur Klage auch kein Grund –
lag nachts er aber in der Tonne,
fror er erbärmlich wie ein Hund!

Tafelfreuden

Die Arme weithin ausgebreitet,
genießt das Meer die Mittagsruh;
der Sonne, die am Himmel schreitet,
zwinkert’s mit Silberblicken zu.

Nur ab und zu die Stirn sich kräuselt
und furcht sich spürbar in die Höh,
wenn Zephir nicht mehr friedlich säuselt
und bläht und brüstet sich zur Bö.

Das macht auch unserm Wirt zu schaffen,
der sonst die Ufernähe schätzt,
doch weiß, was da an Geld zu raffen,
wird so meist in den Sand gesetzt.

Und schlägt die wetterfeste Plane
um die Terrasse ringsumher,
dass sie dem windigen Kumpane
den Zutritt allerseits verwehr.

Da tafeln nun die Tischgenossen
im Schatten einer Plastikwand,
die glasig, speckig und verschossen
schon viele Stürme überstand.

Man sieht von draußen nur die Schemen
verschwommen durch die trübe Haut
und kann so grade noch vernehmen
Gemurmel, das daran sich staut.

Indes ist deutlich auszumachen,
dass alle dicht an dicht gedrängt
und sich der Kellner mit den Sachen
nur mühsam durch die Reihen zwängt.

Wie zum Gebet gebeugt den Nacken,
den Kopf schon auf dem Teller fast,
so scheinen sie beim Schopf zu packen,
was immer in den Magen passt.

Müsste man nicht Appetit drauf kriegen,
sich in die Schlemmer einzureihn,
die da in stummer Andacht liegen
und sich den Fleischeslüsten weihn?

Mein Bein denkt (mit Verlaub), behüte,
und unbeeindruckt weitereilt!
Spürt es die volle Einkaufstüte,
die alle Freuden mit mir teilt?

Laute Nachbarn

Da schlurf auf filzigen Pantinen
ich sutje übern Boden hin,
den stillen Dank mir zu verdienen,
dass ich ein guter Nachbar bin.

Muss Staub ich von den Fliesen wischen
und komm nur schlecht an ihn heran,
dann schleif ich nicht mit Stühln und Tischen,
sondern ich hebe sacht sie an.

Was ist mit meiner Waschmaschine?
Auch damit will ich niemand störn
und sie zu Zeiten nur bediene,
wenn möglichst wenige sie hörn.

Und auch ‘nen Maulkorb sozusagen
der Flimmerkiste ich verpass,
die ich nur in den leisen Lagen
der Töne sich ergehen lass.

Von Hämmern, Bohrern ganz zu schweigen
mit ihrem infernal‘schen Krach,
von denen, Rücksicht zu bezeigen,
Minuten ich Gebrauch nur mach.

Und wenn die Bude ich verlasse,
knall ich nicht rüde mit der Tür –
behutsam ich die Klinke fasse
und zieh sie sacht ins Schloss dafür.

Sind wir nicht Dutzende Personen,
in diesen engen Raum gedrängt,
und sollten nicht die Nerven schonen,
damit der Frust kein Feuer fängt?

Was kann nicht alles so passieren,
das Ärgernis im Haus erregt –
den Hammer aus der Hand verlieren,
der donnernd auf die Erde schlägt!

Und schlimmer noch ein Suppenteller,
der deinen Fingern sich entringt:
Im Aufprall sicher etwas heller,
doch jede Scherbe einzeln klingt!

Genug davon. Die kurze Liste
ergänze man aus eigner Sicht –
ich glaub, dass in ‘nem Bau ich niste,
der tausend anderen entspricht.

Und will auch weiter Rücksicht üben,
auch wenn es nicht der Mühe wert:
Die Nachbarn lärmen hüben, drüben –
was nur bei mir den Frust vermehrt!