Ständchen

Grad gestern, liebe Leserinnen,
hat mein Geburtstag sich gejährt.
Natürlich Zeit, sich zu besinnen,
wie lang der Zug noch weiterfährt.

Soll ich mein Alter euch bekennen?
O wie die Eitelkeit sich ziert!
Schon biblisch jedenfalls zu nennen,
dass es bei Olim sich verliert.

Kein Grund natürlich, mich zu freuen,
dass wieder mir ein Jahr geraubt –
eh’r einer, Asche auszustreuen
aufs lange schon gerupfte Haupt.

Gemischt warn also die Gefühle,
als ich zum Mahle mich gesetzt,
mir gegenüber nur zwei Stühle
mit Gästen, die ich sehr geschätzt.

Die Speisen ohne Fehl und Tadel,
dass halbwegs ich schon aufgeblüht.
Vom Christbaum zog mit jeder Nadel
der Duft der Weihnacht ins Gemüt.

Versöhnung mit der Welt zu feiern,
war ich allmählich schon bereit.
Nur Lauten fehlten noch und Leiern
zur Krönung dieser Festlichkeit!

Der Wunsch, nicht einmal ausgesprochen,
erfüllte sich, ich weiß nicht wie:
Jäh wurd die Stille unterbrochen
durch eine schöne Melodie.

Die klang von unten vor dem Hause
weithin ins nächtlich dunkle Land
und war zu unsrer stillen Klause
als Serenade hochgesandt.

Und süß, als wär’s mit Engelszungen,
schwang eine Stimme sich empor,
mit voller Inbrunst fortgesungen
in Counterweise vom Tenor.

Die beiden Damen, lässt sich denken,
die lieben, hatten für den Coup gesorgt
und, mich besonders zu beschenken,
den Sänger dazu ausgeborgt.

Die Botschaft war nicht zu verkennen:
Ein Ständchen für mein Wiegenfest,
mir ins Gedächtnis einzubrennen,
was nimmermehr sich tilgen lässt.

War es in puncto alte Lieder
bisher denn auch nicht eher faul?
O dieser Ohrwurm nun schon wieder,
die Arie aus Händels „Saul“!

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Bedeckungsveränderliche

Seit vielen Jahren einmal wieder
begegnet er ihm ohne Murrn,
der kühne Jupiter, ganz bieder,
‘nem Rabenvater wie Saturn.

Heut schwimmen sie auf einer Welle
für einen flüchtigen Moment,
weil kurz nur und auf dieser Stelle
die Sonne einmal beiden brennt.

Und in dem ausgeliehnen Glanze
stolziern die beiden Götterherrn,
als wärn mit ihrem Strahlenkranze
sie selbst nicht wen’ger als ein Stern.

So haben einst sie schon die Weisen
aus Morgenland dazu gebracht,
auf ihrer Fährte zu verreisen
nach Westen durch die Winternacht.

Wir alle kennen die Legende.
Ritt auf Kamelen, kaum bequem.
Doch glücklich dann an seinem Ende
der Stall. Die Krippe. Bethlehem.

Gold, Weihrauch, Myrrhe abgeladen.
Vorm Jesuskind das Knie gebeugt.
Dann wieder heim auf Wüstenpfaden
und seine Göttlichkeit bezeugt.

Gern würd Gewissheit ich erlangen,
wie stark das Licht die Nacht erhellt.
Der Himmel aber grau verhangen.
Und keine Hirten auf dem Feld.

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König Kunde

Zum ersten Mal in unsrem Laden?
Herzlich willkommen umso mehr!
Soll ihnen jedenfalls nicht schaden,
für Qualität geb ich Gewähr.

Hier ist sogar der König Kunde,
und zwar ein treuer überdies,
der grade erst vor einer Stunde
sich wieder etwas liefern ließ.

Und das ermutigt mich, zu hoffen,
dass wir auch Sie zufriedenstelln –
wir sind für alle Wünsche offen
bis zu den ausgefallnsten Fälln.

Was Sie im Übrigen hier sehen,
womit ich gerne Ihnen dien,
ist nur als Auswahl zu verstehen
aus unsrem Riesenmagazin.

Durchweg die allererste Ware
mit Gütesiegel und Grand Prix,
doch weitre Worte ich mir spare,
denn der Experte sind ja Sie.

So geht der letzte Ladenschwengel
der werten Kundschaft um den Bart,
ein ausgebuffter Lügenbengel
als Sinnbild unsrer Gegenwart.

Die weiß von nichts als von Geschäften
und von der Aussicht auf Gewinn,
und jeder gibt mit allen Kräften
sich dem Gespenst des Mammons hin.

Nicht ahnend, dass auch dies Verhalten
zu einem schillernden Phantom,
schon ausgeheckt von einem Alten,
der hochberühmt als Ökonom.

Was der indessen noch nicht wusste
und nicht als wünschenswert empfand,
entsprechend seiner Lehre musste
entfachen doch ‘nen Flächenbrand.

Denn wie der Habgier stete Flamme
sich tiefer in die Herzen frisst,
wurd jener mählich zum Programme,
das wie ein Amen gültig ist.

Soll jeder nur sein Süppchen kochen,
er nützt damit dem ganzen Land –
und die Verteilung aller Knochen
besorgt ‘ne „unsichtbare Hand“.

Will man erfolgreich konkurrieren,
dass sich das Unternehmen lohn,
muss man in Massen produzieren,
auch für den Wohlstand der Nation.

Es muss kein Einzelner mehr feilen,
bis ihm ein Meisterwerk geglückt –
er soll es sich mit andren teilen,
die gleichfalls dran herumgestückt.

Sich in ‘ne Schöpfung zu verlieben,
wie es Pygmalion widerfuhr,
wär ihm wohl nur ein Fuß geblieben
statt der vollendeten Figur!

Und eh das Fließband noch erfunden,
behalf man sich mit diesem Kniff:
Der Mensch in seinen Arbeitsstunden
macht immer nur denselben Griff.

Das leisten allerdings Maschinen
mit weitaus größrer Effizienz,
dass ihres Arms sich zu bedienen
schon bald die Produktionstendenz.

Gehn da nicht massenweise flöten
die nöt’gen Jobs im Lauf der Zeit?
I wo, auch auf der Jagd nach Kröten
siegt letztlich doch die Menschlichkeit!

So ward zum Dogma denn erhoben
ein niedrer, räuberischer Trieb
und mit dem Christentum verwoben
zum „ökonomischen Prinzip“.

Dem Kaufmann schwitzt aus allen Poren
die Galle seiner Heuchelei,
doch predigt er nicht tauben Ohren –
wer ist von Eitelkeit schon frei?

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Mikroklima

Wollt früher man das Wetter wissen,
um sich aufs Draußen einzustelln,
hat man das Fenster aufgerissen,
sein Urteil vis-à-vis zu fälln.

Und hat zufrieden es geschlossen,
wenn man es leidlich trocken fand,
doch hat in Strömen es gegossen,
nahm stoisch man den Schirm zur Hand.

Auch ob ein steifer Sturm sich blähte
oder kein Lüftchen sich geregt,
man solcherart sofort erspähte
und welche Kluft man besser trägt.

War mehr von Petrus zu erbitten
als so ein nützlicher Report,
auf die Minute zugeschnitten
und haargenau auf deinen Ort?

Heut glaubt man eher den Auguren
mit ihrem Wissenschaftslatein,
die uns aus Hoch- und Tiefdruckspuren
der Wirbel Wege prophezein.

Die haben ihre festen Zeiten
im Rundfunk mit und ohne Bild,
um ihren Ausblick zu verbreiten,
der landesweit als koscher gilt.

Wär weiter nichts dran auszusetzen,
ging’s nur um Regen, Reif und Tau,
anstatt die Dinge breitzuschwätzen
zu einer Wolkenkuckucksschau.

Mag hinterm Monde ich auch bleiben,
mir reicht das Fenster als Prophet –
da seh ich selbst durch trübe Scheiben
doch gleich, woher der Wind so weht.

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Lukrative Lümmel

Regierende sind oft Halunken,
die eher sich als Engel sehn,
obwohl sie macht- und moneytrunken
gefühllos über Leichen gehn.

Und haben alle doch beteuert,
beschworn, besiegelt und signiert,
dass stets den gleichen Kurs man steuert
wie alle Welt, zivilisiert.

Die aber lässt sich gerne foppen
und pisst den Heuchlern nicht ans Bein –
ihr einz‘ges Ziel heißt shoppen, shoppen,
egal bei welchem Schlachtverein.

Und wollen selbst ja auch verschachern,
was jenem in die Augen sticht
und ihnen als Geschäftemachern
den höchsten Zugewinn verspricht.

Um aber diesen „Wert zu schöpfen“,
den schwarz man in die Bücher schreibt,
man sicher nicht mit Hosenknöpfen
und Gummibärchen Handel treibt.

Da braucht’s gewichtigere Waren,
Maschinen und Spezialgerät,
um Menschen selbst dort einzusparen,
wo eh sie schon zu reich gesät.

Ja, immer schon ein Faible hatten
Despoten für das Muskelspiel –
Kanonen, Panzer und Fregatten
empfehlen sich da für den Deal.

Da wird in andren Dimensionen
vom Güteraustausch profitiert,
dass Kriege allemal sich lohnen
für den, der Waffen produziert.

Mir ist indes versagt geblieben
der Sinn für Mammon überhaupt
und hab mir immer nur die Grieben
aus diesem Daseinsschmalz geklaubt.

Ui, dieses Bild ist so daneben
wie mein Instinkt für Gut und Geld!
Doch bin ich, Pluto, darum eben
in deinen Augen nicht ein Held?

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Tagesgericht

Wenn ich am Abend jetzt gelassen
über die Schulter schau dem Tag
und sollt ‘ne Note ihm verpassen,
ich erst einmal am Nagel nag.

Ist irgendwas herauszustreichen,
das anderen voraus er hat,
die bis aufs Haar sich alle gleichen
wie’s Schwarz auf dem Kalenderblatt?

‘ne Pirsch in einem Wildgehege?
Kunstkucken in ‘ner Galerie?
Besuch im Studio Körperpflege
mit Anti-Aging-Garantie?

Unmöglich selbst beim besten Willen.
Ist momentan doch alles zu.
Bevor wir nicht Corona killen,
bleibt Herdenbildung streng tabu.

Dann also lieber Bücher lesen
und was man sonst zu Hause macht,
bis von der Pandemie genesen,
die Welt aus ihrem Schlaf erwacht.

Genauso habe ich’s gehalten –
mal in Lektüre mich vertieft,
mal durch den Dunst, den feuchten, kalten,
mich bis zum Supermarkt geschnieft.

Danach mit rosarotem Zinken
zu Haus mich wieder eingeloggt,
um in dem Sessel zu versinken,
in dem es sich am weichsten hockt.

Jetzt hieß es lungern nur und lauschen:
Musik mit Harfen und Schalmein.
Den Platz würd ich mit niemand tauschen.
Hier nickt man straflos auch mal ein.

Um dem indessen vorzubeugen,
griff ich zur Flöte dann direkt,
um selber Töne zu erzeugen –
die hätten Lazarus erweckt!

Konnt nicht ein Tässchen Tee mich reizen?
Natürlich, nach verdienter Ruh!
Man muss nicht mal den Finger spreizen,
es schaut ja keiner einem zu.

Und endlich auch, den Kreis zu schließen,
der stete Nachtritt zum Parnass,
um frische Verse nachzugießen
ins durst’ge Danaidenfass.

Was gibt es da noch zu bedenken?
Mir ist ums Urteil nicht mehr bang:
Mehr kann ein Tag doch wohl nicht schenken
als so ‘nen fleiß‘gen Müßiggang!

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Alt-Flöte

Unter den zig Adventsgeschenken
hat auch ein Blasrohr mich erfreut,
um gift’ge Pfeile zu versenken
im Ohr der lieben Nachbarsleut.

Genau besehen eine Flöte
mit Schnabel und mit Labium,
auf der ich nun schon fleißig tröte
ein regelloses Dideldum.

Denn Übung macht ja erst den Meister
auch in dem Töne-Abc,
der ich mich widme umso dreister,
als ich noch ganz am Anfang steh.

Kaum können noch die Finger greifen
ein G gerade und ein A,
um nicht viel mehr damit zu pfeifen
als das besagte Trallala.

Ein H ist heut dazugekommen
zum Trio gleichsam, do, re, mi,
und prompt hab ich mir vorgenommen
die erste Katzenmelodie.

Werd ich’s zum Virtuosen bringen?
Da reich im Leben ich nicht ran.
Wie schwerelos dagegen klingen
die Töne eines Telemann!

Zum Beispiel diese Flötensuite –
würd ich die jemals praktiziern,
man müsste hier im Haus die Miete
des Lärmes wegen reduziern!

Nein, Jahre braucht’s ununterbrochen
für so ein freies, flüss’ges Spiel,
das setzt sich dieser alte Knochen
am besten gar nicht erst zum Ziel.

Doch Töne aus dem Rohr zu locken,
das schaff ich jedenfalls mit links,
auf die Gefahr selbst hin, zu schocken
die werten Mitbewohner rings.

Da kommt die Bude mir entgegen,
die etwas aus dem Rahmen fällt
und, halb im Keller schon gelegen,
von anderen schön Abstand hält.

Bleibt nur noch über mir die Dame,
die über neunzig, wie ich glaub.
Wie war doch gleich noch mal ihr Name?
Egal, Sie ist auch so schon taub.

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Adventskalender

Erinnerung an Kinderjahre:
Adventskalender an der Wand –
noch ohne Süß- und Schleckerware,
geöffnet aber stets gespannt.

Ein kleiner Engel! ‘ne Trompete!
Knecht Ruprecht und der Nikolaus!
Ein Bildchen bloß, das ich erspähte,
und doch, was für ein Augenschmaus!

Wann hat’s den Appetit verschlagen
auf diese bunte Nulldiät
und sich der unverwöhnte Magen
um 180 Grad gedreht?

Ach, kurz ließ er sich nur verführen,
auch Süßes war er bald schon leid!
Dann fand sich hinter diesen Türen
der Mini-Luxus unsrer Zeit.

Versteht sich eher für die Lieben,
die längst schon keine Kinder mehr,
doch einen Brauch nicht abgeschrieben,
der diesen hoch und heilig wär.

Was lässt sich nicht in Säckchen zwängen
und in Kartons von zwanzig Zoll?
Biersorten gibt es ja in Mengen,
die machen schnell zwei Dutzend voll.

Ein andrer füllt sie eh‘r mit Weinen
und Kölnisch Wasser oder Tee,
das heißt dem Exquisiten, Feinen,
womöglich noch aus Übersee.

Soweit bei mir der Stand der Dinge.
Doch gibt es Typen auch, wer weiß,
die Klunker schenken oder Ringe:
„Spielt keine Rolle, pah, der Preis!“

Na ja, an diesem Fest der Liebe
ist der wohl eher sekundär;
willkommner sind die edlen Triebe
bei Habenichts und Millionär.

Darf ich mal aus der Schule plaudern?
Nur unter uns. Verschwiegenheit!
Bekenne also ohne Zaudern:
Auch ich auf dieser Welle reit.

Hab ‘nen Kalender grad empfangen,
der allerdings den Rahmen sprengt –
der dickste Haken würd nicht langen,
als Ganzes an die Wand gehängt.

Pakete, Päckchen, Hefte, Tüten
nehmen ein Tischchen in Beschlag,
und alle eifersüchtig hüten
die Ziffer für den Öffnungstag.

Allein den Haufen zu betrachten
im festlichen Papiergewand,
gibt ein Gefühl, als ob ihn brachten
die Weisen aus dem Morgenland.

Doch ohne jene Königsgaben
von Weihrauch, Myrrhe oder Gold,
mit denen man dem Jesusknaben
verschwenderisch Respekt gezollt.

Kein Grund indes, mich zu beklagen.
Viel höher fühl ich mich geehrt,
weil, was mir in den Stall getragen,
mehr als Karfunkelsteine wert.

Schon diese Auswahl der Objekte,
in jedem Stücke wohlbedacht,
lässt keinen Zweifel, sie bezweckte,
dass Tag für Tag sie Freude macht.

Durch nichts und niemand zu verringern:
Seht mir nur zu, wie ich nervös
mit zittrig ungeduld’gen Fingern
den Schatz aus seinen Knoten lös!

O Freude, schwerlich zu beschreiben
nach sieben offnen „Türchen“ nur –
und so viel Tage noch verbleiben
für diese schöne Prozedur!

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Advent, Advent

Als Burschen ohne Götterglauben
lässt mich das Kirchenjahr wohl kalt,
doch Ohren selbst gepredigt, tauben,
es schwach bisweilen widerhallt.

Wer würde zu bestreiten wagen,
dass schon ein klitzekleines Licht,
in tiefste Dunkelheit verschlagen,
uns wohlig in die Augen sticht?

Als irrte in ‘nem Bergwerksstollen
man ohne Ausweg blind umher,
im Kohlelabyrinth verschollen
selbst für die Grubenfeuerwehr.

Und hätte sich schon aufgegeben,
verzweifelnd an der rauen Welt,
als jäh da zwischen bleichen Streben
ein Strahl die Finsternis erhellt!

Natürlich geht’s normalerweise
durchaus nicht so dramatisch zu,
die Dämmerung umfängt uns leise
und raubt uns nicht die Seelenruh.

Mag sich dir draußen auch die Nase
im Froste schon gefühllos friern,
du hockst im Stübchen, der Oase,
wo alle Schrecken sich verliern.

Und deinem Wohle zu genügen,
die Luft selbst milder dich behaucht
und mit verhaltnen Atemzügen
dich in ein Meer von Wärme taucht.

Indes im Sessel du vergraben
Vivaldi vielleicht lauschst und Bach,
den Meistern mit den schönsten Gaben
im alten Musikantenfach.

Rundum vollkommen nun das Ganze
fürn ersten Sonntag im Advent?
Nur mit dem Licht da auf dem Kranze,
das sich dem Fest entgegenbrennt!

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Vorsorge

‘ne halbe Woche oder volle,
ein Montag, Mittwoch hinter mir
spielt alles kaum noch eine Rolle,
ganz anders als beim Klopapier.

Zehn Jahre darf ich nun schon tappern
als Rentner übern Erdenball,
indes sie immer lauter klappern,
die Knochen vor dem letzten Fall.

Was glotz ich dann noch wie Auguren,
wohin’s den Vogelflug verschlägt?
Das Schicksal hat mir seine Spuren
längst in den Rücken schon gelegt!

Doch alles, was wir tun und treiben,
nimmt auch das Morgen mit vorweg.
Gedanke, unbewusst: Wir bleiben
trotz Tod und Teufel hier am Fleck.

Das zeigt der Kühlschrank schon alleine,
dies Nachfüllhorn fürs Essgelüst –
Salate, Käse, Wurst und Weine,
als ob’s für Jahre reichen müsst!

Das heißt, sich einen Vorrat schaffen,
der auf den künft’gen Tag vertraut,
damit die Kräfte nicht erschlaffen,
mit denen man sein Luftschloss baut.

(Die Illusion wird man uns rauben,
der Tod gibt allem ja den Rest,
doch geht es uns wie mit dem Glauben:
Er frisst sich an sich selber fest.)

Beharrlich glimmt der Hoffnungsfunken,
dass unser Atem nicht verhaucht
und jeden Morgen siegestrunken
die Sonne aus dem Orkus taucht.

Na ja, doch wider bessres Wissen,
wie ich’s ja eben schon bedacht.
Das Alter ist kein Ruhekissen,
aus dem man stets und stets erwacht.

Doch lässt den Kopf man deshalb hängen,
voll Schwermut in die Hand geschmiegt?
Das Zauberwort, es heißt „verdrängen“,
damit man keinen Rappel kriegt.

Ich üb das schon wer weiß wie lange
auf meine Weise unverwandt –
und steck, dass ich mir Grillen fange,
die Birne in den Musensand.

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