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Abalone

Schon öfter hab ich diese Suppe
im Chinarestaurant geschmaust
und schob sie auf die Gurkentruppe,
die tief am Meeresboden haust.

Vom Stamme jener Wirbellosen,
der mit dem Grund verwachsen ist
und nicht bedroht durch Wasserhosen
in seiner kurzen Lebensfrist.

Gezeugt in habitabler Zone,
doch fern des Lichts gewalt’ger Flut,
reift sesshaft unsre Abalone
zum hochbegehrten Speisegut.

Von Gurken aber und dergleichen
besitzt sie nicht die Stachelhaut!
Den Irrtum kann ich endlich streichen,
da ich das Tierchen nun geschaut.

Und mir bewusst mit einem Male,
dass dieses Seeohr, wie es heißt,
geschützt von einer harten Schale,
die es als Muschel gleich erweist.

Der gräulich-gelbe Buckelrücken
von rauer, körniger Struktur
erlaubt ihr, tief sich einzudrücken
zur Tarnung in die sand’ge Flur.

Wie anders aber zeigt von innen
sich dieses winz’ge Domizil!
Kein Künstler könnte wohl ersinnen
ein prächtigeres Farbenspiel!

Das schillert auf dem Perlmuttgrunde
so grün, türkis und violett
wie sonst nur einer jener Funde
im alten Sammlerkabinett!

Was lehrt uns das bei unsren Bissen,
die blind die Kehle runtergehn?
Dass besser wir zu schätzen wissen,
was lebhaft wir vor Augen sehn.

Wie könnt ein Wesen uns entzücken,
dass fast es uns den Atem nimmt,
wenn es zerhackt zu kleinen Stücken
im Pfuhl der Suppentasse schwimmt?

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