Schatzsuche

Erwacht aus meiner Träume Fahrten
zum Landgang in die Wirklichkeit,
sah dämmernd draußen ich im Garten
ein Tier in seinem haar’gen Kleid.

Ich musst mir nicht die Augen reiben,
es zu erkennen war nicht schwer –
direkt vor meinen Fensterscheiben,
da schoss ein Eichhorn hin und her!

Und sprang so flink und so behände
im Zickzack über Stock und Stein,
dass ich mir sagte, dies Gelände
scheint ihm nicht gänzlich fremd zu sein.

Hielt inne auch an allen Ecken,
die ihm so schnell nicht einzusehn,
um seine Äuglein reinzustecken
und sie gehörig auszuspähn.

Der grad ich in bequemer Lage
dem Morpheus noch Tribut gezollt,
stand plötzlich vor der Gretchenfrage:
Was hat der Nager nur gewollt?

Doch lange musste ich nicht grübeln,
was er gesucht auf seiner Hatz
da unter Kraut und Blumenkübeln –
natürlich ‘nen verborgnen Schatz!

Um Perlen aber und Juwelen
ging’s unserm Rotrock sicher nicht,
die nicht zum Lebenswicht’gen zählen –
was sehr für seine Weisheit spricht.

Kontrolle eher jener Stellen,
wo er schon Vorrat angelegt,
dass in des Winters Wechselfällen
denselben er ein Schnippchen schlägt.

Die große Probe zur Premiere,
mit der der Frost sein Spiel beginnt,
damit er sattsam sich ernähre,
wenn der an Boden noch gewinnt.

Ob sie erfolgreich, ob misslungen,
ich weiß nicht, was hier überwiegt –
der Fratz ist jäh davongesprungen,
hab ihn nicht mehr zu sehn gekriegt.

Wie liebenswert man solche Gäste
von alters her wohl auch befand,
dass ihr Gedächtnis nicht das beste,
ist schon genauso lang bekannt.

Ich kann ihm nur die Daumen drücken,
dass unter Baum und Busch und Strauch
ihm stets die schönsten Funde glücken –
vor meiner Nase grade auch!

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