Der größte Teil der Hausfassaden
gefällt sich schon im Trauerkleid,
doch da und dort in Licht sich baden
noch Fenster, einzeln und gereiht.
An ihrem Fuß die Ladenzeile
schwelgt allerdings im vollen Glanz
des Neons, dass sie Kunden keile
für ihren Waren-Firlefanz.
Vor diesem irdischen Gefunkel
zieht selbst der Himmel heut den Hut,
verkriecht sich in sein graustes Dunkel,
bläst Trübsal in die Sternenglut.
Der breite Strom der Wassermassen,
den tags er schleuste über Bord,
ist nun versiegt und rinnt am nassen
Asphalt als schwache Spur noch fort.
Doch mühelos kann ich ihr lauschen,
auch ohne dass ich spitz mein Ohr –
die Reifen bringen sie zum Rauschen,
das Rauschen rauscht zu mir empor.
Und mit dem Regen – wie Kumpane,
die heimlich abgestimmt ihr Tun –
ergab der Wind sich, weiße Fahne!,
und ward zum Säuseln der Taifun.
Nach eines Tages Sturm die Ruhe.
Und eine Nacht, die ihm verzeiht.
Ich greif zum Wein in kühler Truhe,
mich zu versöhnen auch bereit
Mit diesem launenhaften Leben,
dem eines tödlich nur gewiss:
Zu wild, zu wild, ihm Halt zu geben,
der Tanz von Licht und Finsternis!
Die immer rascher, rascher drehen
den lieben langen Tag sich lang,
dass ineinander übergehen
sie beinah ohne Übergang.
Hock gestern ich in dieser Ecke
und glotz da auf die Häuserreihn?
Saß morgen zu demselben Zwecke
ich hier und schlürfte meinen Wein?
Ich würde es wohl niemals wissen,
wär da die treue Chronik nicht:
Wie vom Kalender abgerissen,
doch immer anders – ein Gedicht!