Wie kann man sich als wichtig outen,
sofern das Outen einem liegt?
Gewiss im Bunten und im Lauten,
das schwerer als Charakter wiegt.
Das Outfit spielt die größte Rolle.
Schon der Pullover, schon der Schal!
Am besten macht sich Lämmerwolle
aus renommiertem Highland-Tal.
Und farblich muss es richtig knallen,
mit Grau bist du schon quasi tot.
Kein Mensch denkt gern an Mausefallen,
doch jeder liebt gestricktes Rot.
So’n Fetzen um den Hals geschlungen,
mit dunklem Mantel im Kontrast,
ist für des Volks Bewunderungen
gewiss die halbe Miete fast.
Geheiligt sei die Bügelfalte,
der Sitz des Sakkos stets korrekt
und züchtig zu die Hosenspalte,
die sonst obszöne Witze weckt.
Die unvermeidliche Krawatte
(hier ausnahmsweise mal dezent)
fall lotrecht wie ‘ne Gartenlatte,
die man von fleiß’gen Schrebern kennt.
Dann gilt’s mit Würde noch zu tragen
die modisch-ausgefeilte Tracht,
stocksteif gerade aufzuragen,
das Kreuz auf Vordermann gebracht.
Auch geb man vornehm und gelassen
sich in Gebärde und Gesicht,
bereit, Probleme anzufassen,
an denen jeder sonst zerbricht.
Die Zunge gilt es, gut zu hüten,
dass sie nur rede mit Bedacht
und in den Ruf dich bringt, zu brüten
auf allem mit Verstandesmacht.
Ich denke mal, dies ist der Boden,
aus dem Bedeutsamkeit erblüht
(in andren Landen dient auch Loden
als Grundstoff für das VIP-Gemüt).
Der wundersamen Kunst zu täuschen
mit Kleidung, die das Urteil lähmt,
ich komm ihr hier mit Störgeräuschen,
die ich poetisch nur verbrämt.
Denn wenn die Leute ehrlich wären,
begreifend ihre Laus-Natur,
sie trügen Zeug, das hart und hären,
so wie die Brüder mit Tonsur.