Ein Werktag

EinimagesNO6DWV6J Werktag, und doch Sabbatstille.
Halb zehn erst zeigt das Zifferblatt.
Warum nahm ihre Schlummerpille
so zeitig heut die gute Stadt?

Gibt’s in der Glotze was zu gucken,
was früh die Herde heimwärts trieb?
Vielleicht „Der Fluch der Mamelucken“,
„Die Tote, die am Leben blieb“?

„Der Cowboy mit dem Pfeil im Köcher“,
„Inspektor unter Mordverdacht“,
„Die lange Nacht der Schwarzen Löcher“,
„Des Führers letzte Kissenschlacht“?

Nein, heute jibbert keine Seele
so sehnlich nach ‘nem Filmgenuss,
dass sie sich aus der City stehle,
weil dringend sie zur Röhre muss.

Viel eh’r würd sie in Wallung bringen
wie Wasser schäumend hinterm Kiel,
wenn Kicker kreuzten ihre Klingen
Bein gegen Bein beim Fußballspiel.

Ist denn da heute was in Gange –
ein Match der allerersten Wahl?
Wenn ich nach dem Programmheft lange …
ach was, ist mir doch sch…egal!

Soll sich doch auf dem grünen Rasen
bekriegen, wem danach der Sinn,
und Sautod mit der Tröte blasen
die Kurve nach dem Schlachtgewinn!

Was für ein Berg von Emotionen
für diese Maus an Wichtigkeit:
ein Lederfurz, dem’s Chöre lohnen,
geht er ins Loch, wie’n Tor so breit.

(Dass ich ihn hier zu schlecht nicht mache:
Wenn Nüchternheit den Fan befällt,
spricht er auch mal von „Nebensache“,
der „schönsten“ allerdings „der Welt“.)

Kurzum, der Urquell dieser Stille,
die sacht mir um die Ohren schwappt,
verbirgt sich, und mein eigner Wille
bewusst in ihrem Dunkel tappt.

Heißt es denn doppelt nicht genießen,
was von Geheimnissen umweht?
Die Tore kann man morgen schießen,
wenn alles in der Zeitung steht.

Ein Gläschen noch von diesem Weißen,
dem Riesling ich mir nicht verwehr,
der heut mir half, ein Lied zu kreißen,
das, hoff ich, nicht so drög wie er.

Dann werd ich in die Falle rennen,
dass mich der Schlaf für morgen stärk,
und werde sicher prächtig pennen –
trotz dieses Krachs vom Sägewerk.

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