Fabelhaft

PhaedrusMan hätte sich begegnen müssen,
du Held und meine Wenigkeit,
der Ferne trotzend, Bergen, Flüssen,
besonders aber ihr – der Zeit.

Das wär ein schöner Schwatz geworden,
man seh sich dieses Paar mal an:
Ich, Skalde aus barbar’schem Norden,
Poeta du und Weltstadtmann!

Doch hätten wir uns wohl verstanden,
da uns die Lieb zur Kunst gemein –
dir, dem sie schon den Lorbeer wanden,
mir, Wanderer im Musenhain.

Im Gleichtakt hätten sie geschlagen,
die Herzen, die vermählt im Geist –
deins, zum Parnass schon fortgetragen,
und meins, das in die Richtung reist.

„Die Fabeln, die du ausgesponnen
mit großem Witz und Sprachgewalt …“ –
so hätt ich schmeichlerisch begonnen,
die Tür zu öffnen einen Spalt.

Du hättest dich herabgelassen
wohl auch zu einem kleinen Lob –
dass aus den heut’gen Strophenmassen
mein Vers sich leidlich höher hob.

Und wenn wir nach gewohnter Weile
genügend Höflichkeit getauscht,
dann hätten ohne Hast und Eile
den ganzen Tag wir noch verplauscht.

Und … ach, was spinne ich hier wieder?
Geneigte Leserin, verzeih!
Der gute Gaul mit dem Gefieder
er schoss mit mir am Ziel vorbei.

Statt zum Parnassus mich zu bringen
– als Ansporn gab ich dieses nur -,
das Vieh mit seinen Vollblutschwingen
zum Markt der Eitelkeit mich fuhr.

Natürlich hängt mir diese Traube
zu hoch, o Phädrus, Fabulist,
obwohl ich ganz und gar nicht glaube,
dass dieserhalb du sauer bist.

Du ruhst in deinem Dichterglanze
mit eines Löwen Majestät,
der nicht mal merkt, wenn ihm die Wanze
gefräßig an die Pelle geht.

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