Fegefreudig

Mein Pinsel ist ein Wunderwesen
von ungebärd’ger Schaffenslust
gleich jenem Zauberlehrlingsbesen,
den höhren Orts man bremsen musst.

Lässt sich nicht an die Leine legen
und wirbelt ungestüm dahin,
entfesselt übers Blatt zu fegen,
dass Zeilen er wie Fäden spinn.

Zum Glück sich nur die Strophen häufen
zu einer wahren Verseflut,
die doch nicht ausreicht, zu ersäufen
die Welt mit ihrem Hab und Gut.

Doch weiß man, wo das enden würde,
wenn nichts den Stift zum Halten zwingt,
wär da der Schlaf nicht noch als Hürde,
die auch kein Sänger überspringt?

Das Werkzeug schlüpft ihm aus den Fingern,
wenn der allmählich Einzug hält,
indes sein Kopf beginnt zu schlingern,
bevor er ganz zur Seite fällt.

Dem Pinsel bleiben Mußestunden
in einem kurzen Schaffensbruch;
hat seinen Meister auch gefunden –
ganz ohne jeden Zauberspruch.

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