Größerer Fortschritt

Wenn blind wir an die Technik glauben
und ihre unbegrenzte Kraft,
kann nichts die Illusion uns rauben,
dass neue Welten sie erschafft.

Ist erst der Globus so verkommen,
dass Menschen er nicht mehr behaust,
wird einfach ein Gefährt genommen,
das blitzschnell durch die Räume saust.

Das bringt dann ohne umzusteigen
den Fahrgast zu ‘nem Sternchen hin,
umschwärmt von ‘nem Planetenreigen,
ein Erdenzwilling mittendrin.

Dass man getrost sich niederlasse
auf sichrem brüderlichen Grund
und die geblümte Untertasse
auch weiter nutz zur Kaffeestund.

Doch wer kann in die Zukunft schauen
und nicht nur krähen auf dem Mist?
Man braucht schon sehr viel Gottvertrauen
als technikgläub’ger Atheist!

Hat der Planet denn Atmosphäre?
Schon. Nur dass es an Luft ihm fehlt.
Und ohne Sauerstoff man wäre
in Runde eins schon ausgezählt.

Aufgrund der hies’gen Sonnenferne
spielt auch die Temp’ratur nicht mit.
Man höre, staune und man lerne:
Nur hundert Kelvin sind’s im Schnitt.

Da reicht es nicht, sich einzumummeln
in Pelz, der selbst die Ohrn bedeckt –
man schlurft in Astronauten-Fummeln
mit eingebautem Heizeffekt!

Wohin indes soll man sich wenden?
Fürs Auge gibt das hier nichts her.
An allen Ecken, allen Enden
Geröll und Staub. Ein Felsenmeer.

Auf Erden lässt die See bisweilen,
mit Grün zumindest und mit Blau,
das Flossenvolk doch fröhlich eilen
zur großen Wasserfarbenschau!

Hier lugt aus Fugen und aus Falten
nicht mal ein Hälmchen in die Welt,
um seine Fahne hochzuhalten.
So öde ist kein Stoppelfeld.

Vom kleinsten Tierchen ganz zu schweigen.
Kein Käfer krabbelt hier im Sand.
Kein Pseudowürmchen lässt sich zeigen
mit tausend Füßen Hand in Hand.

Hier ist nicht mal der Hund verfroren,
obwohl mit Sicherheit er’s wär,
wär er denn überhaupt geboren
in dieser Weite, wüst und leer.

Und wer von diesen Weltraumrittern
der Vögel Melodie vermisst,
der mag im Internet sie twittern,
sofern er dann noch online ist.

Gut. Soweit zu den Widrigkeiten,
von denen es hier nur so strotzt.
Erlaubt mir deshalb zu bestreiten,
dass je die Menschheit ihnen trotzt.

Und schließlich: Wer von den Milliarden,
die auf der Erde vegetiern,
gehört zu diesen Avantgarden,
die sich ins All verdünnisiern?

Die Fähre kann nicht alle fassen
und führe sie auch tausendmal.
Bedeutet das, zurückzulassen
die Völkerschaften zweiter Wahl?

Das hieße, feige sich entfernen
von denen, die dem Tod geweiht,
die Flucht verdankend zu den Sternen
‘ner Untat, die zum Himmel schreit.

Und wär doch noch das kleinste Übel
von alln, die man sich denken kann,
denn während ich so weitergrübel,
glotzt groß mich ein Gedanke an.

Kann man denn wollen, dass ein Wesen,
das seinen Globus so zerschlägt,
zig Exemplare, handverlesen,
noch weiter in den Kosmos trägt?