Der Klügste auf dem Erdenrund,
das war der olle Kant.
Er ging den Dingen auf den Grund,
bis er den Schlüssel fand.
Er ließ nicht mal den Kosmos aus
mit seinem Was? und Wie?
und schuf dabei des Weltenbaus
plausible Theorie.
Dann hat des Weltalls Widerschein
im Kopf er nachgespürt
und sah in Spalten und in Reihn
das Denken eingeschnürt.
Dass letzte Wahrheit uns verwehrt,
das war sein kühner Schluss,
und jeder mündig, aufgeklärt
für sich entscheiden muss.
Den Pfaffen zielte dieser Pfeil
ins Heuchlerherz direkt,
die frech in Sachen Seelenheil
sich Grillen ausgeheckt.
Doch auch die sich auf Gottes Gnad
berief, die Monarchie,
schien ihm Garant nicht, dass der Staat
am trefflichsten gedieh.
Drum grübelte er blitzgescheit
auch über Politik
und fand, dass mehr Gerechtigkeit
verhieß die Republik.
Sie löst des Menschen Sklavenband,
dass frei sein Haupt er reck:
Figur nicht mehr in Herrscherhand,
nicht Mittel, sondern Zweck.
Von allen Fesseln dann befreit,
fällt nur die eine nicht:
die der Moral – als Menschlichkeit
und als Gewissenspflicht.
O dass auch uns als Größtes gelt
nicht irdischer Gewinn –
nein, über uns das Sternenzelt
und in uns edler Sinn!
Ein Held mit Schwert und Lanzenstiel,
wie käm er jenem gleich –
der stürzte mit dem Federkiel
ein ganzes Himmelreich.
Auf höchstem Sockel soll er stehn
weit sichtbar übers Land.
Wenn alle Lichter schlafen gehn,
dann leuchte uns der Kant!