Im feuchten Grün

Im feuchten GrünWillkommen warst du, 1. Mai,
der Arbeit Feiertag,
da ich, von dieser Pflicht ja frei,
noch lang zu Bette lag.

Die Uhr ging schon auf Mittag zu,
ich glich noch einem Troll,
als jäh in diese Festtagsruh
das Telefon erscholl.

Und langer Rede kurzer Sinn:
Man kommt zu dem Entschluss,
dass, Regenwolken her und hin,
man heut nach draußen muss.

Ich mähte mir die Stoppeln weg,
besetzte kurz das Klo,
empfahl der Dusche meinen Dreck
und schafft‘ es grade so.

Ding! Ding! Schon war mein Lilchen da
und gabelte mich auf
und zog zum Volkspark Altona
den Autoknüppelknauf.

Was hat man da ins Aug‘ gefasst?
‘ne Luftkur mit Ozon?
Nein, erst einmal ‘nen Klops verprasst
vorab als Wanderlohn.

Doch wie wir kauten mit Genuss,
ein jeder seinen Kloß,
entlud der Himmel einen Guss,
als wär die Hölle los.

Da war’s ein Glück, dass eingekehrt
wir vor der „Lauferei“.
Als unser Teller dann geleert,
war schon der Spuk vorbei.

Jetzt aber in den Wald hinein
mit leicht beschwingtem Schritt,
auf weichem Wege hüpft das Bein
und unsre Seele mit!

Was steht denn da so lindengrün,
von Licht und Farbe satt?
’ne Eiche, folgerte ich kühn,
das sieht man doch am Blatt!

Das ging indes ein Weilchen bloß,
wir warn noch gar nicht weit,
als aus der Wipfel schwülem Schoß
kam Regen angeschneit.

Wir fanden gleich ’nen Unterstand
und blieben ungenässt.
Die Schauer schlugen unverwandt
ins triefende Geäst.

In einer trüben Flut versank
der Rest vom 1. Mai –
doch ich, ich hatte Gott sei Dank
den Sonnenschein dabei!