Immer so weiter

Immer so weiterDen Tagen Namen noch zu geben,
das scheint mir kaum der Mühe wert.
Ein steter Fluss ist dieses Leben,
hat mich mein Ruhestand gelehrt.

Kaum heb ich montags meine Rübe
erwachend übern Kissenrand,
folgt auch der Dämmer schon, der trübe,
der bald mich in die Federn bannt.

Und ebenso am nächsten Tage –
kaum hoch, schon wieder abgetaucht.
Das Ganze ist wie eine Waage,
die eingerastet niemand braucht.

Was wär auch von Gewicht zu wiegen?
Die flücht’ge Zeit ist schwerelos.
Am besten wär’s, ich bliebe liegen
und lebte meinen Träumen bloß.

Was sind mir noch die Wochenenden,
die einstmals ich so heiß ersehnt?
Die Muße hat sich, die sie spenden,
auf alle Tage ausgedehnt.

Es fehlen Schnitte, fehln Zäsuren.
Die Augenblicke, dicht gesät
wie Gräser auf den Steppenfluren,
die nie gelichtet und gemäht.

Einst glaubte ich, dass dieses Singen
die Zeit markier: die Poesie.
Ach, Laute nur, die anders klingen
im ew’gen Bau der Szenerie!

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