Kontinuität

KontinuitätDa draußen sieht es aus wie gestern
und in der Küche ebenfalls.
Ich: Wieder bei den Musenschwestern,
um deren Gunst ich gerne balz.

Das honigfarbne Licht der Kerze,
das sacht hier an die Wände rührt,
es hat auch im vergangnen Märze
die Hand mir übers Blatt geführt.

Seit Olim hab ich die Gardine
im Blick vor meinem Krähennest,
die da gefältelt von der Schiene
sich schlaff und schläfrig baumeln lässt.

Und rings die Möbel, die Geräte
stehn felsenfest an ihrem Fleck,
dass nicht mal Jerichos Trompete
sie blies von ihrem Sockel weg.

Ja, selbst mein allerwert’stes Kissen,
auf das ich meinen Hintern drück,
ist seit Äonen schon verschlissen –
die Kehrseite vom Dichterglück!

So wie in Bernstein eingefroren
erscheint mir hier die Szenerie,
wenn ich, dem Alltag abgeschworen,
vor der kastal’schen Quelle knie.

(Wohl nie zuvor in Dichterkreisen
hat so viel Ehre angetan
der Küche man, sie lobzupreisen
für Spülstein und für Wasserhahn!)

Doch mag auch inspiriern die Quelle,
sie zeigt nicht des Betrachters Bild,
dass er sich könnte auf die Schnelle
versichern, ob für ihn auch gilt

Was oben wir ja schon befanden
für seiner Klause Inventar,
an das wir diese Schildchen banden:
„Wie gestern“ und „Unwandelbar“.

Kein Beinbruch. Dafür ist ein Spiegel
nun wirklich nicht erforderlich.
Ich geb darauf euch Brief und Siegel:
Wer treu sich bleibt, der ändert sich.

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