Ist dieser Abend denn derselbe,
der gestern doch mir schon entschwand?
Im Dämmer erste Lichter, gelbe,
dann nimmt das Schwarze überhand.
(Grammatikern zuvorzukommen:
„Der gleiche“ wäre hier korrekt –
doch bin ich gen den Strom geschwommen,
weil das ja nur Interesse weckt.)
Fassaden, die im Meer versinken
von Schatten, deren Pegel steigt,
und hunderttausend Sterne blinken
als Leuchtturm, der kein Ufer zeigt.
Der Autos monotoner Reigen
stampft nicht mehr den Asphalt entlang,
die Amsel füllt dies schöne Schweigen
mit herzergreifendem Gesang.
Verschwunden alle die Figuren,
die tags da unentwegt spaziert
auf fleiß’gen und auf faulen Touren –
der Abend hat sie wegradiert.
Mit aufgerissnen Augen stieren
geschäftig Fenster in die Nacht,
die aufzuhübschen kolorieren
mit Neon ihre Flitterfracht.
Und hier und da ein leichtes Flimmern,
das bläulich durch die Luken huscht
von lichtverlassnen Fernsehzimmern,
wo Homo vor der Glotze kuscht.
In diesem Sinne fortzufahren
wär mir ein Leichtes, seid gewiss,
doch kann ich’s mir getrost ersparen,
kennt ihr doch selbst die Finsternis
Und ihre tausend Phänomene –
und folglich bestens selbst ermesst,
warum die grad geschaute Szene
am Zeitenfluss mich zweifeln lässt.
Im Grunde hock ich seit Äonen
vor diesem gleichen Bühnenbild,
dem schlichten Schauspiel beizuwohnen,
das dem urbanen Abend gilt.
(Wie andre Menschen gleicherweise,
die dieses Manko wohl nicht stört,
da man sie klatschen, nicht mal leise,
doch auch nicht buhn und zischen hört.)
Ich weiß indes auch nicht zu sagen,
ob’s anders vielleicht besser wär –
würd täglich wechselnd ich ertragen
Dramatik, groß und folgenschwer?
So: Sterne, die vom Himmel fallen
und zischend an der Luft zerschelln
und eh sie noch im Nichts verhallen
mit Blitzlicht ihre Bahn erhelln.
So: Häuser, die in jähem Beben
sich lösen halb vom Fundament,
um schwankend wo nach Halt zu streben,
bevor die ganze Hütte brennt.
So: Autos, die zusammenkrachen
(zu Schaden und der Gaffer Spott)
mit 70 oder 80 Sachen,
verkeilend sich zum Haufen Schrott.
So: Typen, die ‘nen Raptus kriegen
und wolln Randale unbedingt,
und Feuer blitzen, Steine fliegen,
Sirenen heulen, Blaulicht blinkt.
Wär das die Art von Nervenkitzel,
die meinem Affen Zucker gibt?
Ach, nicht mein kleinster Seelenfitzel,
der so was von Spektakel liebt!
Nein, lieber selbst ich Ausdruck gebe
dem Tag auf meine sanfte Tour:
Dass er nicht unbemerkt entschwebe,
streu ich ihm Verse in die Spur.