Naturgewalten

NaturgewaltenIn unsren moderaten Breiten
gibt sich die Erde unterkühlt,
lässt kaum zum Zittern sich verleiten,
wenn Magma ihr im Magen wühlt.

Auch der Vulkane Flammenschmiede
schürt Glut nur noch von Zeit zu Zeit –
von Herzen ihrer Asche Friede
und dass sie ruh in Ewigkeit!

Allein in andren Regionen,
da kocht noch der Natur das Blut,
entlädt sie sich in Eruptionen
viel öfter der gestauten Wut.

Hier lässt die Erde sie erbeben
mit solcher ungestümen Wucht,
dass sich vom Grund die Mauern heben
und platzen wie ‘ne reife Frucht.

Da schleudert jäh sie ‘ne Fontäne
von Dreck und Feuer aus dem Bauch,
die – sei’s als Regen, als Moräne –
Verderben bringt mit Asch’ und Rauch.

Und Fluten schickt sie, salz’ge Wogen,
die Zähne schlagend tief ins Land,
das, so von Wasser überzogen,
ein einz’ger wüster Trümmerstrand.

Sie jagt die Menschen aus den Betten,
macht unbehaust sie, unbedacht,
ins Freie flüchtend, sich zu retten,
bevor der Bau zusammenkracht.

Für viele gibt es kein Entrinnen.
Denn ohne Warnung kommt der Tod –
ein Tier im Sprung und wie von Sinnen
berauschend sich an blut’gem Rot.

Am Ende zählt man seine Toten
und schließt sich stumm in Trauer ein –
in Furcht, dass diese Höllenboten
bald wieder ihren Geifer spein.

Gewiss, bei solchen Katastrophen
sagt auch der „Moderate“: Mist.
Und zeigt sich, wohlig hinterm Ofen,
„betroffen“. Wo er’s gar nicht ist.

 

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