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Auf einer Welle

Wie häufig diese gleiche Strecke
ich heute wohl gegangen bin –
vierhundert Meter um die Ecke
und dann noch mal im Gegensinn?

Man muss ja raus, um einzukaufen
und sich das Nötigste zu holn,
bedächtig wie beim Eierlaufen,
nicht hopp! wie über heiße Kohln.

Auch gehe ich nicht unbegleitet,
worauf ich großen Wert hier leg,
denn treu mir an der Seite schreitet
das Meer auf diesem ganzen Weg.

Und wenn ihr meint, es würde schweigen
so stumm wie ein verkrachtes Paar,
i wo, aus seinem Bauche steigen
die Worte rasch und wandelbar!

Mal murmelt es in dumpfem Tone
Geheimnisse aus seiner Welt,
so etwa, dass Poseidons Krone
schon hier und da der Rost befällt.

Dann gluckst es mit ersticktem Lachen,
weil plötzlich es ein Seepferd sieht,
wie gleichsam es mit hundert Sachen
vor einer Sattelrobbe flieht.

Ich werd nicht müde, ihm zu lauschen,
wenn es Interna mir verrät
und aus dem hintergründ’gen Rauschen
ein leicht verschwommnes Bild entsteht.

Ein Ausschnitt nur aus diesen Weiten,
in die das Wasser sich verläuft,
doch mehr als man beim Wellenreiten
an Wissen auf sein Brettchen häuft.

Als ob das wirklich hier verfinge!
Vor dieser Flut sind alle klein.
Und wenn ich zehnmal täglich ginge:
Ein Tropfen auf den heißen Stein…

Sommerfrische

Da jetzt so aufgeheizt die Tage
vom Sonnenschein, der nicht versiegt,
ich kaum mich aus der Bude wage
nach draußen, wo man’s dicke kriegt.

Nicht dass es drinnen besser wäre,
die Luft genauso stickig steht
mit einer Dichte, einer Schwere,
die wirklich an die Nieren geht.

Doch fächelt hier mir ein Propeller
doch wenigstens ‘ne Brise zu,
den ich noch steigern kann auf „Schneller“,
was (Stromverbrauch!) ich ungern tu.

Will ich indes nicht hungers sterben,
muss hin und wieder ich doch los,
die Lebensmittel zu erwerben
aus Abrahams gefülltem Schoß.

Halb neun hab endlich ich die Traute
und mir den Beutel rausgfischt.
Noch herrscht wie tags die gleiche Flaute,
doch schon mit Kühle untermischt.

Der Supermarkt, ‘ne Straße weiter,
ist schon in kurzer Zeit erreicht,
sogar für so ‘nen müden Schreiter,
der von der Hitze aufgeweicht.

Kaum durch die Glastür warn die Schuhe,
als Frische wohlig mich umfing
und wie in ‘ner Gefrierkosttruhe
ich kühlen Kopfs auf Schnäppchen ging.

Regale voller Köstlichkeiten,
Umgebung bestens temperiert –
hier könnt man seinen Tag bestreiten
und nicht ein Tröpfchen Schweiß verliert.

Hab ich mich also klug verhalten?
Erst abends raus aus meinem Bau?
Zumindest waren zig Gestalten
hier ringsherum genauso schlau!

Was für ein ausgelassnes Treiben
Minuten vor dem Ladenschluss!
Man möcht sich glatt die Augen reiben,
weil irgendwas nicht stimmen muss.

Doch so wie ich geschwitzt, gelitten
am Tag im heißen Sonnenhauch,
so ging’s auch andern hier inmitten
von Obstsalat und Schweinebauch.

Der Einkaufstempel als Oase:
Hier saufen sich Kamele satt,
und je nach Dauer dieser Phase
man Posten auf dem Ticket hat.

Bald aber hieß es wieder scheiden
vom Ort mit Frischegarantie,
um die hier heimisch zu beneiden,
ob Butter, Birnen oder Brie.

Vorbei noch an den vollen Kassen
und mit dem Bon mich ausgeloggt,
der Stickluft mich zu überlassen,
die brütend vor der Schwelle hockt.

Wie gerne würd ich mir ersparen
so‘n Gang in die versengte Flur –
doch diese hochsensiblen Waren
verfallen ja in einer Tour!