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Lieblingsbeschäftigung

LieblingsbeschäftigungMensch, hockst du noch in deiner Bude
und strafst die Welt mit dem Geklier
der Feder, dass sie krank und krude
das Blatt mit Versen malträtier?

Gewiss. Bin ich auch so ‘n Geselle,
der auf den Dingen nicht beharrt,
so gibt es doch im Fall der Fälle
mal eins, in das ich ganz vernarrt.

Der Muse würd ich nicht entsagen,
selbst wenn sie mir die Gunst verwehrt –
wird doch des Liebenden Behagen
von Neigung, nicht Erfolg genährt.

Ich brauch nun mal die stille Stunde,
den Kitsch von Kerze, Lampenschein,
um mit ‘nem Becherchen im Bunde
von Kopf bis Fuß entspannt zu sein.

Und dabei helfen auch die Zeilen,
die dem Papier in anvertrau –
sie wollen nicht im Hirn verweilen
als lästiger Gedankenstau.

Sie wollen in die Welt sich wagen
den Kindern gleich von Fleisch und Blut
und auch wie diese sich nicht fragen,
ob sie misslungen oder gut.

Da gibt es also nichts zu rütteln –
liebt meine Leier, liebt sie nicht.
Ich werde weiter Reime schütteln:
Durchs Sieb fällt auch mal ein Gedicht.

Werkstattkulisse

WerkstattkulisseWie öfter um die gleiche Stunde
hock träge ich am Küchentisch
und glotz bisweilen in die Runde
so geistvoll wie’n Aquarienfisch.

Was glaubt ihr, krieg ich da zu sehen?
Fassaden, Fenster, Neonglanz,
Laternen: Eiserne Alleen,
so trostlos ohne Blätterkranz.

Und wenn ich mehr ins Auge fasse,
ans Firmament die Nase stoß?
Nur eine grämlich graue Masse
von Wolken, mond- und sternenlos.

Doch unten übers Straßenpflaster
huscht dann und wann noch Nachtgetier –
großäugig: Limousinen, Laster,
Garagen suchend, Schlafrevier.

Gelegentlich, entleibt zum Schatten,
bewegt sich wer noch eilig fort
vor Mauern, die wie Kasematten
verschlucken selbst die Schritte dort.

Und manchmal ein entferntes Brummen
am Himmel, das sich bald verliert
und für Momente mit dem Summen
der Heizungstherme konkurriert.

Dies also, Les’rin, die Kulisse,
die dichtend mir Gewohnheit wurd.
Das Stück indessen ich vermisse:
Oder ist grade das – absurd?

O dieser Nächte leere Miene
ging mir schon immer auf den Nerv,
so dass ich längst den Musen diene
und lyrisch sie mit Rouge bewerf.

Muss man nicht alles selber machen?
Kommt nicht zum Berge der Prophet …
Ich höh die Wangen, dass sie lachen,
und schwärz sie für ihr Nachtgebet.

Ich überziehe sie mit Runzeln
und ziseliere Grübchen fein,
ich lass sie heut vor Freude schmunzeln
und anderntags auch traurig sein.

Ich mal sie mit dem Schmelz der Liebe
und mit der Wut entgleistem Zug,
mit dem Gebrüll versklavter Triebe
und mit der Sehnsucht Wolkenflug.

Ich male sie in allen Farben
des Obertübchens (ohne s!),
dass ihre Glut in Feuergarben,
ihr Schillern man in Iris mess.

Mehr will ich dazu nicht verkünden.
Nur dass am Rauputz vis-à-vis
ich pfleg mein Hirnholz zu entzünden
zur Flamme meiner Fantasie.

 

Laut und leise

Laut und leiseErst Feuerwerk, dann Böllerschüsse!
Die Nacht erzittert im Gelärm
urbaner Freuden und Genüsse,
für die ich nur verhalten schwärm.

Hab wieder Stellung hier bezogen
in meiner Küche Musenhain
und warte, bis der Spaß verflogen,
der Himmel wieder stubenrein.

Ein Gläschen steht mir vor der Nase,
zu fördern meine Fantasie,
wie oft, wenn in der Dichterphase
ich nachts mich in die Strophen knie.

Da! Nach dem doppelten Spektakel
‘ne Stille, die man förmlich hört!
Und endlich stochern die Tentakel
des Geistes wieder ungestört

Mal hier und da in allen Ecken,
mal hier und da in jedem Mist,
ein saubres Verslein zu entdecken,
das bisher ungeschrieben ist.

Nun seh ich auch die Nachtlaterne,
den Mond im luft’gen Dachgestühl
des Himmels leuchten in der Ferne,
unendlich bleich, unendlich kühl.

Und auch dies tückische Geklumpe,
das lieblich uns ins Auge sticht,
weil es pulsierend wie ‘ne Pumpe
uns treu besprengt mit Sphärenlicht

Lässt wieder blicken sich inzwischen
und blinkt und blitzt so hübsch daher,
als hätt von aufgeladnen Fischen
man Laich verstreut im Himmelsmeer.

Ach, diesem Zauber sich verschließen,
das Ende wär’s gewiss vom Lied.
Drum seht, wie mir die Verse sprießen
gemüsegleich in Reih und Glied!

Und dennoch kommen mir Bedenken:
Ist, was ich klier, nicht alles Kohl?
Sollt ich die Zeilen mir nicht schenken,
da Poesie doch Monopol

Von ausgesuchten Dichtergrößen,
die sich die Kritiker gekürt,
um jedem Ehrfurcht einzuflößen
vorm Feuer, das sie selbst geschürt?

Noch ist die Frage nicht entschieden –
drum drück ich mich erst mal davor
und flücht mich in den faulen Frieden
des Schlafs. Hau, vulgo, mich aufs Ohr.

Mondmanko

MondmankoIch wünschte, um was Recht’s zu dichten,
von Herzen mir den Mond sogleich –
doch nirgends ist der Kerl zu sichten,
da oben nicht und nicht im Teich.

Wo ist der Bursche bloß geblieben?
In welche Finsternis verweht?
Ich kann doch nicht den Himmel sieben,
damit er wo ins Netz mir geht!

Wie gerne hätt ich euch besungen
des Guten stille Gegenwart,
als Vollmond oder, notgedrungen,
mit dunklen Flecken schon gepaart.

Ja selbst als Sichel meinetwegen,
die sich um seine Basis wellt,
als wär’s, am Fuß ‘ner Tür gelegen,
das Licht, das durch die Ritze fällt.

Die Sterne sollten mir genügen?
Da hab ich auch schon dran gedacht.
Ach, ihr mit euren Geistesflügen:
Kein Fünkchen ist da heut entfacht!

Drum seht ihr mich in echten Nöten:
Es sperrt der Kunst sich die Natur.
Der Stoff des Abends geht mir flöten:
Heut Finsternis am Himmel pur.

Indes will ich nicht länger klagen,
spür unterm Hintern schon den Stuhl.
Muss eben mal was andres wagen
aus des Poeten Themenpool!

Die Rebe hier vor meiner Nase,
war davon denn die Rede schon?
Schon öfter? Nun, ich glaub, ich grase
dann wohl in anderer Region.

Und die mir immer treu zur Seite,
die Kerze da, was ist mit der?
Schon tausendfach besülzt? O Pleite!
Mein Gott, hat man’s als Dichter schwer!

Ich werde also Mut beweisen
und werf die Flinte nun ins Korn.
Der Mond, er wird schon wieder kreisen –
das Ganze dann noch mal von vorn!

Beharrlichkeit

BeharrlichkeitDen Drang, ich bitt ihn zu verzeihen,
dass wieder ich und wieder schreib,
begierig, mir dein Ohr zu leihen
für meiner Feder Zeitvertreib.

Geduld hast, Les’rin, du bewiesen
mit meinem Dilettantentum,
gelauscht anstatt den Reimesriesen
der Grille ohne Rang und Ruhm.

Ein bisschen hat’s an dir gelegen,
die du mich nie entmutigt hast,
was doch zu tun die Leute pflegen,
wenn auch ein Pünktchen nur nicht passt.

Doch kann ich deine Gunst bewahren,
aus der sich diese Treue nährt,
lohn ich sie nicht nach all den Jahren
mit Versen, wie sie ihrer wert?

Mal unter uns, nicht weitersagen:
Glaub mir, ich fürchte mich davor,
man käm, sie bei mir einzuklagen,
die Kunst, die ich Euterpe schwor.

Ich steige auf der Jakobsleiter,
die in den Musenhimmel führt,
gewiss nicht bis zum Ende weiter,
wo Lorbeer mich zum Sänger kürt.

Hab dann und wann in braven Paaren
Gereimtes mir aufs Blatt gestreut
nach dem abab-Verfahren,
das Olim einstens schon bereut.

Und hab ich in die Furchen, Zeilen
der Strophen etwa Sinn gesät?
Gedanken, die im Geist verweilen,
gediegen und nicht überdreht?

Blabla. Nur diese Alltagspossen.
Abab. Nichts von Belang.
Doch eben deshalb unverdrossen
wie der Zikade Sonnensang.

Mag man für andres mich nicht preisen:
Beharrlich bin ich zweifellos.
Drum lass mich, Les’rin, nicht verwaisen:
Zieh weiter mich geduldig groß!

Anleitung

DichtkunstNoch ist es ziemlich unbeschrieben,
das Blatt, das ihr hier seht,
werd’s ändern und mit Pinselhieben
es nehmen ins Gebet!

Und dankbar seid, ihr Leseratten,
dass es mir heut gefällt,
euch Schnuppernasen zu gestatten
den Duft der Dichterwelt!

Alsdann die erste der Lektionen:
Wählt euch ein Thema frei –
und ohne Pegasus zu schonen,
gepeitscht zu Strophe zwei!

Der Rest ergibt sich von alleine.
Seid schön in Schwung ihr erst,
dann tragen besser euch als Beine
die Füße, die geverst.

Indes die Regeln auch beachten:
Stürmt blind nicht einfach fort –
die Les’rin, lasst sie lieber schmachten
am vagen noch, am Wort!

Doch dann wie Jerichos Trompeten
lasst schmettern es zum Schluss,
dass wie aus allen Nähten
die Pointe platzen muss!

So weit hier nur in groben Zügen
die altbewährte Rezeptur –
nun eilt, mit mir das Feld zu pflügen
der schönen Musenflur!

Nur Mut! Sie lassen Milde walten,
Götter verzeihn ja gern.
Wie sonst, dass sie nicht öfter schalten
den Roth, den Morgenstern?

Sie hatten schon mal bessre Zeiten,
genügsam sind sie heut.
Lasst uns darum den Flieger reiten,
auf und gereimt, ihr Leut!

Meine Werkstatt

imagesE8XAPEHFIhr solltet mich mal sitzen sehen
in meiner kleinen Küchenwelt,
die Musen um Erleuchtung flehen,
dass Vers für Vers der Groschen fällt!

Denkt euch den Dämmer fortgeschritten:
In rauch’gem Schwarz erstickt die Stadt.
Den Wanst gefüllt mit Vesperschnitten,
glotzt Fiete sich die Iris satt.

Getüpfelt sind von blauem Schimmer
die finstren Fronten überall,
es scheint, in jedem Fernsehzimmer
käu’n Bullen jetzt an ihrem Fall.

Und auf dem Bürgersteig flanieren
Gestalten nur noch dann und wann –
mir recht, um Löcher drauf zu stieren,
wenn mal mein Stift nicht weiterkann.

An Sterne dürft ihr noch nicht denken,
so zeitig ist das noch nicht drin.
Es buckelt hinter Wolkenbänken
der Mond sein Lämpchen nur dahin.

So etwas wie die blaue Stunde,
so was wie Munch stellt euch nur vor –
bis auf die Kiefern in der Runde,
dafür Antennen volles Rohr.

Tja, also just in dem Ambiente,
das ich euch hiermit nahgebracht,
entfalt ich meine Reimtalente
prosaischer als ihr gedacht.

Mag’s auch die Illusion euch rauben,
entlarven jenen falschen Schein,
Poeten turtelten wie Tauben
in Türmen, die aus Elfenbein.

Denn seht, auch zwischen nackten Mauern
erhebt manch Blümchen sich zum Licht,
zu schön, um einsam zu versauern
nur in der Schöpfers Angesicht.

Kapiert? Dann wäre nicht verloren,
was heut ich mir im Hirn gebraut.
O Freunde ihr, hochwohlgeboren,
recht fleißig nur vorbeigeschaut!

Von der Leber weg

ProduktivitätWenn ich so sitze und sinniere
und fließend so in Reimen red
(vermeintlich) und ihn nicht verliere,
den Faden, der hindurch sich dreht

Wenn ich so hingegeben brüte
und kreisen lass das Tintenrohr
und aus der Weisheit Wundertüte
ein Kleinod manchmal springt hervor

Wenn in den vier berühmten Wänden
ich, losgelöst von Gott und Welt,
genügend Wurst und Wein zu Händen
vom Alltagsjammer freigestellt

Dann will es mir bisweilen scheinen
(und grübelnd geht die Hand zum Kinn),
dass, mich den Göttern zu vereinen,
ich beinah schon olympisch bin.

(Ihr werdet das Gefühl nicht kennen,
das nur die Einsamkeit verleiht,
wenn Flammen hoch im Herzen brennen
und keiner löscht sie vor der Zeit.)

Die Laute, die vom Pflaster tönen,
sie kommen wie von ferne her,
dem Raum entrückt, wo ich vom Schönen
und Guten mich wie Platon nähr

(Der Mond nur, der wie eine Leuchte
in Gottes Hand am Himmel hängt:
gespiegelt greifbar in der Feuchte
der Flasche, die mir Roten schenkt.)

So wälz ich mich in meinen Zeilen
und suhle mich im Strophenpfuhl,
Gedichte schließlich auszuteilen
wie Breven vom Apostelstuhl.

Wer sollte meinen Eifer zügeln
und Dämme baun der Worte Flut?
Kann solo ungestraft beklügeln,
was immer in der Welt sich tut!

Kein Weibchen weist mich in die Schranken,
sorgt, dass ich etwas kürzer tret:
So wuchern mir denn die Gedanken
wie Quecken, die man nicht gesät.

Kann wenigstens auf dich ich zählen,
o Fangemeinde: Leserin,
mir deinen Rochus nicht zu hehlen,
wenn ich mal voll daneben bin?

Ruf mich doch einfach an
und sag mir, was dir stinkt.
Dann tu ich, was ich kann –
wenn es der Kunst was bringt.

Weinprobe

BacchusEs mag an Worten mir gebrechen –
an Rotem mangelt es mir nie,
der mir bei mäßigem Bezechen
schon stattliche Gedanken lieh.

Jetzt hab ich ’nen Rosé zu fassen,
der mir von Chile hergeschwappt,
ein derber Bursche, hoch die Tassen!,
der süßlich nicht am Gaumen pappt.

Der soll mir meinen Kiel beseelen:
Pflüg munter übers Blatt hinweg,
Apollos Lorbeer will ich stehlen,
dass er die hohe Stirn mir deck!

Bis hierher ist es gut gegangen,
die 4. Strophe schon erreicht.
Doch ach, da die Schneewittchenwangen
der Buddel sind schon ausgebleicht!

Die letzten Tropfen will ich nutzen,
dass ich ein schönes Ende find
(Hier musst du, Leserin, nicht stutzen:
Den Strick ich nur den Versen bind!).

Schon ist das Abendrot gesunken
bis auf den Flaschenhorizont.
Nur rasch den Rest noch ausgetrunken,
der meinen Abschiedsvers besonnt

Damit in Morpheus treuen Armen
die Poesie ich heut beschließ.
O Musenmädchen, habt Erbarmen,
dass Bakchos ich den Vortritt ließ!

Nachgefragt

imagesPS5BWPHKHe, Leserin, bis du noch da?
Man spricht so wenig miteinander.
Ich fühle just mich Noah nah
und seinem Bruder Alexander.

Der Tag verliert bereits an Kraft,
lässt sich vom Dämmer übermannen.
Mir hilft ein Gläschen Beerensaft,
das Musenpferdchen anzuspannen.

Ob’s leicht und locker galoppiert,
magst an den Versen du entscheiden,
die auf des bleichen Blatts Geviert
allmählich sich in Jamben kleiden.

Ein Kerzenstummel reicht mir aus,
die Klause hier in Licht zu tunken –
wie die Geburt des Weltenbaus
sich schuldet einem Götterfunken.

Mein Geist, der schwächlicher indes
als eines Gottes hoher Brägen,
verzweifelt oft an dem Prozess,
Gedichte in dies Laub zu sägen.

Doch dir zuliebe, Leserin,
halt ich die Leier stets in Ehren,
auch wenn ich’s manchmal müde bin,
den Müll des Helikons zu mehren.

So traulich flackert es daher,
so friedlich flüstert mir die Therme,
dass mir’s, weiß Gott, am liebsten wär,
du teiltest meine Küchenwärme.

Dann ließe ich die Feder fallen,
dann wäre ich des Dranges frei,
zu Strophen unentwegt zu ballen
den Kodder von Gedankenbrei.

Dann würde gern ich mich beschränken
auf eine höh’re Poesie –
dir jeden Tag mein Herz zu schenken,
wie sie ein andrer Gott verlieh!

Verzeih! Ich bin zu weit gegangen.
Der Rote stieg mir wohl zu Kopf
und weckte in mir dies Verlangen,
dass einmal auf den Busch ich klopf.

Nun kann ich auch nicht weiterschreiben,
die Scham erstickt mir jedes Wort.
Doch lass uns, Les’rin, Freunde bleiben –
den Rausch, den schnarch ich mir schon fort!