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Nach den Ferien

Jetzt ist es wieder still geworden
am Strandrevier hier gleich ums Eck,
kein Ziel mehr ganzer Menschenhorden
mit Sonnenschirm und Grillbesteck.

Im Dämmer sieht man Möwen fliegen,
die lange diesem Ufer fern,
und kleine weiße Bojen wiegen
sich friedlich unterm Abendstern.

Befreit von Tausenden Gestalten
der endlos lange Meeressaum;
nur zwei da noch, die Händchen halten,
der Welt entrückt in Zeit und Raum.

Nein, noch ein Angler etwas weiter,
der stumm an seiner Rute wacht,
ob nicht ein fetter Wellenreiter
sich schmatzend an den Köder macht.

Der Kiosk mit den Süßigkeiten
hat die Markise schon gerefft –
geschlossen für drei Jahreszeiten,
denn ohne Sommer kein Geschäft.

Der Bolzplatz, maschendrahtumgeben,
ist voll von Flutlicht noch erhellt,
doch mag kein Arm sich mehr erheben,
der übers Netz die Bälle prellt.

Wo sind sie hin, die Badehosen,
Bikinis, Tangas und so fort,
die ungezählten Leichtmatrosen
mit nur dem Nötigsten an Bord?

In ihren Hafen eingelaufen,
wo sittsam man den Leib verhüllt –
das Badezeug auf einen Haufen
zur Wäsche in den Korb geknüllt.

Doch eh ans Ende wir gelangen,
sei ihrer nicht zuletzt gedacht –
der ausgelassnen kleinen Rangen,
die diesen Wirbel erst entfacht.

Kaum schlossen sich der Schule Pforten,
da nahmen sie schon bei der Hand
die Eltern, die mit süßen Worten
sie schmeichelten zum Badestrand.

Wie fröhlich haben manche Stunde,
von Pult und Paukern weit entfernt,
sie da Natur- und Menschenkunde
in unbeschwertem Spiel gelernt!

Und wie sie hüpften, wie sie sprangen,
dass es wie ’n steter Wettlauf schien,
um jene Lebenslust zu fangen,
die sie sich aus dem Leibe schrien!

Doch auch die längsten Sommerferien
mit vielen Wochen Sonnenschein,
sie münden selber in Iberien
am Ende in den Alltag ein.

Die Luftmatratzen, Gummiringe,
mit denen man aufs Meer sich traut,
und all die tausend andern Dinge
sind trocken wieder und verstaut.

Und unsre muntren Strandrabauken
in ihre Klassen eingekehrt,
wo den Pythagoras sie pauken,
fürs Leben, wie man sie belehrt.

Doch könnt Geraden man und Kreise
nicht ziehn genauso elegant
gemäß des Archimedes Weise
schlicht mit dem Stöckchen in den Sand?

So würde ja an luft’gen Plätzen
den Kleinen Weisheit eingeflößt –
die lernten, eine Kunst zu schätzen,
bei der man auch auf Muscheln stößt.