Verhängte Sicht

Verhängte SichtHab mir die freie Sicht genommen,
weil einen Store ich aufgehängt.
Seh jetzt die Außenwelt verschwommen –
wie’n Fisch, der sich in Maschen fängt.

Natürlich hab ich gute Gründe.
Ich möchte nicht, dass man beäug
die Dinge, die ich (ohne Sünde)
in meiner Küche hier erzeug.

Wie oft da unten Leute latschen,
die ihren Blick nach oben kehrn,
um weiß der Teufel was zu tratschen:
Die will ich damit Mores lehrn.

Es macht mich schließlich auch befangen,
wenn man mich hier so sitzen sieht
und mit der Neugier süßem Bangen
sich fragt, was denn da so geschieht.

Drum diesen Riegel vorgeschoben.
Der Scheibe, bisher unbedeckt,
ist nun von unten bis nach oben
ein Schamtuch züchtig vorgesteckt.

Jetzt kann ich freier mich bewegen,
zum Beispiel auch im Unterhemd,
und fröhlich durch die Bude fegen,
nicht zugeknöpft und ungekämmt.

Im Hinblick auf das Erdentreiben
herrscht nur noch eingeschränkte Sicht.
Der Himmel aber wird mir bleiben –
strahlt ungetrübt durchs Oberlicht!

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