Von der Leber weg

ProduktivitätWenn ich so sitze und sinniere
und fließend so in Reimen red
(vermeintlich) und ihn nicht verliere,
den Faden, der hindurch sich dreht

Wenn ich so hingegeben brüte
und kreisen lass das Tintenrohr
und aus der Weisheit Wundertüte
ein Kleinod manchmal springt hervor

Wenn in den vier berühmten Wänden
ich, losgelöst von Gott und Welt,
genügend Wurst und Wein zu Händen
vom Alltagsjammer freigestellt

Dann will es mir bisweilen scheinen
(und grübelnd geht die Hand zum Kinn),
dass, mich den Göttern zu vereinen,
ich beinah schon olympisch bin.

(Ihr werdet das Gefühl nicht kennen,
das nur die Einsamkeit verleiht,
wenn Flammen hoch im Herzen brennen
und keiner löscht sie vor der Zeit.)

Die Laute, die vom Pflaster tönen,
sie kommen wie von ferne her,
dem Raum entrückt, wo ich vom Schönen
und Guten mich wie Platon nähr

(Der Mond nur, der wie eine Leuchte
in Gottes Hand am Himmel hängt:
gespiegelt greifbar in der Feuchte
der Flasche, die mir Roten schenkt.)

So wälz ich mich in meinen Zeilen
und suhle mich im Strophenpfuhl,
Gedichte schließlich auszuteilen
wie Breven vom Apostelstuhl.

Wer sollte meinen Eifer zügeln
und Dämme baun der Worte Flut?
Kann solo ungestraft beklügeln,
was immer in der Welt sich tut!

Kein Weibchen weist mich in die Schranken,
sorgt, dass ich etwas kürzer tret:
So wuchern mir denn die Gedanken
wie Quecken, die man nicht gesät.

Kann wenigstens auf dich ich zählen,
o Fangemeinde: Leserin,
mir deinen Rochus nicht zu hehlen,
wenn ich mal voll daneben bin?

Ruf mich doch einfach an
und sag mir, was dir stinkt.
Dann tu ich, was ich kann –
wenn es der Kunst was bringt.

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