Vorgefühl

VorgefühlSchon liegt der Schmelz der Osterfeier
balsamisch auf der stillen Stadt,
die nur Verstecke noch für Eier
im auferstandnen Glauben hat.

Karfreitag morgen. Heil’ger Name
und Eingangstor zum großen Fest,
da uns der buntgemalte Same
des Huhns Erlösung hoffen lässt.

Erstorben schon die dunklen Pfade,
auf denen sich der Mensch ergeht,
und damit auch die Blechblockade,
in der so viel er sitzt und steht.

Vor uns die schönen freien Tage,
enthebend uns der sauren Pflicht
und nur des Eis versteckte Lage
uns angenehm den Kopf zerbricht.

Noch hält mit heißen Frühlingsgrüßen
die Sonne launisch sich zurück,
doch tilgte unter unsern Füßen
den Schnee sie schon ein gutes Stück.

Man wird sich um die Feuer drängen,
die lodernd in die Flur gestreut
wie Vieh mit rotbunt-blut’gen Fängen,
das glüh’nde Gräser wiederkäut.

Man wird die Tücher enger schlingen,
um einen warmen Hals bemüht,
und manchmal in die Kehle zwingen
ein Tröpfchen, das sie rasch durchglüht.

Man wird die Scheite knistern hören,
da fröstelnd man die Hände reibt,
und sehn, wie Geister sie beschwören,
die Schatten, die das Licht beschreibt.

Man wird mit aufgerissner Seele
in dieses Flammenwunder stiern
und wünschen, dass es weiterschwele,
wenn wir im Alltag uns verliern.

Indessen wo mich selber finden
in diesem monotonen „Man“?
Mitmachen oder mich entbinden,
weil dieses Ostern mich mal kann?

Ich werd’s auf meine Weise ehren
mit Inbrunst und Genuss dabei –
und werd beim Morgenmahl verzehren
Café und Fünf-Minuten-Ei!

Schreibe einen Kommentar