Zackig

WieimagesEWZKFGJ4 zackig sich die Flaggen strecken –
im Gleichschritt, falls das Bild erlaubt,
als würde wer die Arme recken
zum Einheitsgruß fürs Oberhaupt.

Doch da wir Wind- und Wetterkenner,
kommt uns das gar nicht spanisch vor:
Der Herbststurm ist ein Dauerbrenner,
der rüttelt jedes Jahr am Tor.

Am Himmel schwarze Wolken jagen,
in denen bleich der Vollmond treibt,
von einer Strömung fortgetragen,
die ruhig und beständig bleibt.

Elsheimers Mond, so muss ich denken,
der aus den Schatten sich befreit,
den Flüchtenden sein Licht zu schenken,
dass sicher er zum Nil sie leit.

Wie oft ist er dabei gewesen,
wenn spät noch wer geschäftig war!
Aus manchem Nachtstück kann man’s lesen,
in dem wie hier der Mond der Star.

Der Maler auch ist aufgeblieben
und hat zum Himmel aufgeschaut
und hat die Farben fein verrieben,
gegilbt, geschattet und geblaut.

Wie konnte der Poet da schlafen?
Gedichte schuf er ohne Zahl,
die dieser Stimmung Nerv wohl trafen
wie „Füllest wieder Busch und Tal …“.

Nun, mit Natur kann ich nicht dienen,
zumindest hier am Boden nicht,
wo Bauten das Terrain verminen
mit ihrem groben Putzgesicht.

Romantik mag woanders keimen,
die Stadt mit andrer Elle misst:
„Gestalt“ muss auf „Funktion“ sich reimen,
„human“ auf „Wenn’s bezahlbar ist“.

Nur gut, dass an die höh’ren Sphären
des Menschen hohle Hand nicht reicht,
sonst möcht’s auch dort nicht lange währen,
bis die Natur der Walze weicht.

Der Mond, würd also er posieren
gemeinsam mit dem Häuserbrei,
er könnt an Schönheit nur verlieren –
drum streicht er eilig auch vorbei.

Da seh ich ihn auch schon verschwinden,
ein Dachstuhl ist sein Nachtquartier.
Gleich wird sich nichts mehr von ihm finden –
sein Heute nur noch auf Papier.

Schreibe einen Kommentar