Ziemlich friedlich

ziemlich-friedlichDa sich nun wieder Lichter breiten
im Kuppeldunst des Weltenbaus,
greif ich der Leier in die Saiten
und quetsch ihr ein paar Töne raus.

Wie anders denn als lyrisch werden,
wenn dämmernd so ein Tag verklingt
und auf den Flurn der Sternenherden
das Gold der Vliese lockend blinkt?

Wie anders denn als lyrisch fühlen,
wenn feierlich das Drama schweigt
und wie aus leer’n Theaterstühlen
sein Nachhall in die Seele steigt?

Wie anders denn als lyrisch schreiben,
wenn sich die Stadt in Dunkel hüllt
und sich das Gelb der Fensterscheiben
geschäftig mit Silhouetten füllt?

Gebäude, hoch, mit zig Geschossen,
versteinert tags ihr Angesicht,
in Tintenwolkennacht zerflossen,
den Augen Watte an Gewicht!

Die Straßen, die so viele Stunden
dem Druck der Reifen widerstehn,
sie haben endlich Ruh gefunden
vor Gummi und vor Halogen.

Und droben sichelt sich die Schneide
des Mondes übers Firmament,
begrast wie stets die Sternenweide,
wo ihr doch nichts ins Messer rennt.

Es ist, als ob der Weihnachtstage
soeben abgelaufne Zeit
sich selbst ums Ohr noch weiter schlage
mit ausgesuchter Friedlichkeit.

Mein Stübchen spiegelt sie ja wider
mit Grabesruh und Kerzenlicht,
indes am Tisch ich brav und bieder
mich mühe hier mit dem Gedicht.

Da kracht ein Schuss! Und da ein zweiter!
Aus tiefen Träumen wach ich auf.
Und Schlag auf Schlag geht es so weiter.
Ach, Welt-Silvesteramoklauf!