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Donnerpause

DonnerpauseDer Hauer von der dritten Sohle
hat wohl den Schlägel weggelegt.
So wird der Pütt zum Ruhepole,
an dem man gern derselben pflegt.

War unerträglich für die Ohren,
was der sich so zurechtgekloppt
und wie mit Hämmern er und Bohren
die ganze Nachbarschaft gemobbt.

Erlahmt sind offenbar die Kräfte,
die seinen Arm in Schwung gesetzt,
dass diesem lauteren Geschäfte
entsagt er hat zu guter Letzt.

Wobei wahrscheinlicher die These,
dass fertig nun sein Bauprojekt
und nach dem hektischen Gewese
er seiner Muskel Wunden leckt.

Ist es die neue Badewanne,
die Küche fern der Einheitsnorm?
Er freut sich erst mal volle Kanne
der gut gelungnen Wohnreform…

Indem mit sattem Selbstgefühle
er tief in seinen Sessel fällt,
das Bad im Blick vielleicht, die Spüle –
mit sich zufrieden und der Welt.

Gibt wer nach solcherart Triumphe
dann auch für alle Zukunft Ruh?
Nein, dass sein Mjöllnir ihm nicht stumpfe,
schlägt bald er donnernd wieder zu!

Nachbar Heimwerker

Nachbar HeimwerkerIst’s, dass der Umbau nun zu Ende,
ist’s, dass er nicht mehr schuften mag –
die Stille jenseits meiner Wände,
sie trifft mich wie ein Hammerschlag.

Mein Nachbar, dessen Lebenszeichen
sich auf Geräusche reduziern,
er scheint auf Socken jetzt zu schleichen,
um seinen Leumund zu poliern.

Doch die Motive mal beiseite,
dass er vom Hammer sich getrennt –
ich lausche in des Hauses Weite,
ob seine Lust nicht neu entbrennt.

Gebranntes Kind…na, und so weiter.
Ich trau dem Frieden nicht so recht.
Vielleicht holt er schon seine Leiter
und rattert los gleich wie ein Specht.

Er schafft‘ es ja ununterbrochen
(von Feiertagen abgesehn)
bis heute immerhin zehn Wochen,
mir täglich auf den Keks zu gehn.

Wobei ich rätsel auch und rate,
wie’s möglich ist beim Selberbaun,
im Heim von kleinerem Formate
so lange auf den Putz zu haun.

Doch wünsch ich mir von ganzem Herzen,
dass er sein Oeuvre nun vollbracht
und mit des Hammers rüden Terzen
mir keinen Katzenjammer macht.

Solange dieses ich geschrieben,
fiel keine Nadel in die Ruh.
Mucksmäuschenstill ist es geblieben –
ja, unheimlich geradezu.

 

Ortsfeiertag

OrtsfeiertagMein Supermarkt hat bald geschlossen,
und mitten an ‘nem Wochentag.
Da fragt der Kunde sich verdrossen,
was dieser Coup bedeuten mag.

(Der Kunde nicht im Allgemeinen –
nur der, der zugeflogen ist
und hier auf dürren Storchenbeinen
die Kröten seiner Rente frisst.)

Und, heureka, hab’s rausgefunden!
Ein Mensch, der lang hier residiert,
hat’s auf die Nase mir gebunden:
Ein Feiertag, lokalisiert.

Ein Novum für den Nordtouristen,
dass festlich man ‘nen Tag begeht,
der in den alten Kirchenlisten
fürn heiligen Sebastian steht.

Doch eben auch nur in dem Flecken,
der ihn zum Schutze sich erkor,
auf dass mit seinem „Stab und Stecken“
den Teufel schlag er übers Ohr.

Ich will nun weiter nicht entschleiern,
ob seine Wunder sich da balln –
man soll die Feste ja so feiern,
wie nach des Volkes Mund sie falln.

Am Dienstag also Fastenspeise
in des Propheten Orte X.
Dispens davon auf Christenweise:
Im nächsten kauf: Da gilt er nix.

 

Lehrreiche Exkursion

AraratEinst fuhr ich rauf zum Ararat
mit meinem Mountain-Fahrrarad,
mir Noahs Arche anzusehn.
Da fand ich noch, zu Stein erstarrt,
den Kahn, in dem er ausgeharrt
als 40-Tage-Kapitän.

Die Planke bog sich wie ‘ne Gert‘
genau vom Bug noch bis zum Stert
mit wunderbarem Schwung.
Das ganze Deck lag unter Gras
mitsamt der Brücke, wo der Baas
gelugt nach Wetterbesserung.

Doch als ich näher mir beäugt,
was von ‘nem Wrack angeblich zeugt,
hab ich’s als Täuschung dekuvriert.
Es hatten ja die Felsen nur
versehentlich zur Schiffskontur
sich geologisch formatiert.

Ein Weilchen ich verdattert stand,
bis diesen Fund ich typisch fand
für Traditionen mancher Art.
Man guckt ein Ding von Weitem an
durchs Brillenglas von jedermann
und Einzelheiten sich erspart.

Doch geb ich unumwunden zu,
nicht jeder kann wie ich und du
den Himmel stürmen sportsmanlike.
Den alten Esel, der aus Draht
und nie sich einem Gipfel naht,
fahrn viele noch statt Berge-Bike.

Dann sauste ich vom Ararat
begeistert und erkenntnissatt
zurück in mein gewohntes Nest.
Doch wie auch immer ich erregt,
er hat sich keinen Deut bewegt
und hielt an seinem Mythos fest.

Die milden Siebziger

Die milden SiebzigerNoch hab ich eine gute Stunde,
in der als Sechziger ich gelt,
dann wird auch diese Zehnerrunde
dem Chronos ins Archiv gestellt.

Will deshalb schnell sie noch benutzen,
ihr diesen Nachruf hier zu weihn,
doch ohne sie herauszuputzen
wie’n Lobspruch auf ‘nem Marmorstein.

Zu früh ist sie dahingegangen,
in zarter Jugend mir geraubt,
bevor die rosenblühnden Wangen
von Falten schattig noch belaubt.

Das sagt natürlich nichts zur Sache,
ist nur Lamento, floskelhaft.
Doch wie, wenn wirklich Ernst ich mache
mit zeithistor’scher Wissenschaft

Und unter eure Nase reibe
so lang wie breit und detailliert,
was einem bei lebend’gem Leibe
in ‘ner Dekade so passiert?

Na bitte, will doch keiner wissen.
Ist kaum auch was der Rede wert –
vielleicht als ich der Welt entrissen
kurz in ‘ne Klinik eingekehrt

Wo man mit allerlei Bestecken
mir eifrig auf den Pelz gerückt,
doch ohne Appetit zu wecken
auf Leckerein, die mich entzückt.

Nein, als ich friedlich in Narkose
der Dinge harrte unbewusst,
stieß der Chirurg, der rigorose,
mir eine Klinge in die Brust.

Ein Stich, der glücklich mich befreite
von ‘nem gefräßigen Filou,
so dass erleichtert ich nun schreite
auf die besagten siebzig zu.

Sonst wär nichts weiter zu erzählen.
Nur Schmalkost und kein Sternekoch.
Doch könnt ich mir die Jahre wählen:
Die nächsten bitte fader noch!

Verwandtschaftsbande

VerwandtschaftsbandeNatürlich haben wir den Affen
nicht ausgesprochen viel voraus.
Das Leben hat uns gleich geschaffen
im groben Kleid des Körperbaus.

Dern Beine kürzer, Arme länger,
die Augen höher im Gesicht –
allein für Glaubensrattenfänger
noch Unterschiede von Gewicht.

Und auch, was diese gern behaupten,
ist eben nicht des Pudels Kern:
dass geistig wir so hoch uns schraubten,
dass jenen wir unendlich fern.

Mag sein zwar, dass des Menschen Brägen
mehr Masse auf die Waage bringt
und diesen ganzen Zellensegen
zu engeren Kontakten zwingt

So dass auf den gefurchten Fluren
in großer Vielfalt Frucht gedeiht,
dern oftmals unheilvolle Spuren
zum Buch man der Geschichte reiht.

Doch dafür tat auch Jahrmillionen
der Mensch sich mit dem Fortschritt schwer
und half sich mangels von Neuronen
mit Faustkeil aus und Schleuderspeer.

Der Sprung hat niemals stattgefunden
vom dumpfen Dämmer gleich ins Licht –
ein Bär, den die uns aufgebunden,
denen ’s an Märchen nie gebricht.

Doch dieses ganze Geistgelaber
ist eh nur Augenwischerei –
wie’n Tier muss ohne Wenn und Aber
er in die Kiste eins, zwei, drei!

Spätes Neuland

Spätes NeulandDenkt euch, auf meine alten Tage,
Methusalem steht vor der Tür,
ich mutig noch was Neues wage
und mich aus meinen Puschen rühr!

Denn der, der stets mich treu begleitet,
der Rechner revoltierte jäh
und nicht mehr das Programm bestreitet
der www.odyssee.

Zum ersten Mal in meinem Leben,
das, siehe oben, lang genug,
hab ich mich ins Café begeben,
das „Internet“ im Schilde trug.

Und das auch noch in fremden Landen,
da nennt man das nicht einmal so,
missachtet die, die es erfanden,
und spricht vom „locutorio“.

Gut. Nummer drei! Gehorsam sackte
ich auf den harten Untersatz
und zögernd auf die Tasten hackte
wie’n ohrenfeuchter Hosenmatz.

Zu suchen galt es ja der Zeichen
und Lettern labyrinth’sche Spur,
die sich erlauben, abzuweichen
vom Zickzack unsrer Tastatur.

Die Hürde war zu überwinden.
Ich kam, verstolpert leicht, ins Ziel,
um dort mich schön belohnt zu finden
mit ‘nem gelungnen Einkaufsdeal.

Klar weiß ich nicht, wie viele Jahre
mir bleiben noch für meinen Stolz –
ich weiß nur, dass mich bis zur Bahre
verfolgen wird dies harte Holz!

So ein Sauwetter

So ein Sauwetter Den ganzen Tag zu Haus geblieben,
dem Wind und Regen sei’s geklagt,
die wie von Furien getrieben
die kleinste Pause sich versagt.

Es ist erst gar nicht hell geworden.
Die Sonne selber sich verkroch
vor diesen wüsten Wolkenhorden
in ihres Kosmos Rattenloch.

Mein Stübchen lag im Kirchendämmer,
so wie er schwache Herzen raubt –
als Hoffnung für die sünd’gen Lämmer,
geheimnisvoll und leicht verstaubt.

Und dann die Kälte: Aus dem Boden
stieg sie als Drachensaat empor,
beharrlich und nicht auszuroden,
es sei denn mit dem Heizungsrohr.

Die Lampe galt es anzuschalten,
wollt man nicht gänzlich Däumchen drehn:
ein Buch sich vor die Nase halten,
‘ne Nadel, um was anzunähn.

Ach, in den südlichen Gefilden,
in die‘s als Rentner mich verschlug,
gibt’s außer Stunden, süßen, milden,
auch grimmig-grässliche genug!

Wie sehr sie aber sich auch mühen
um wechselhafte Wetterkost,
in ihren Furchen selten blühen
die Winterblumen Eis und Frost.

 

Wieder Ruhe eingekehrt

Wieder Ruhe eingekehrtSchon wieder deckt mit mächt’gen Schwingen
die Nacht auch diesen Winkel zu,
und aus dem Hintergrunde klingen
nur Wellen in die Grabesruh.

Wiewohl nur von bescheidnen Maßen
das Städtchen hier, in dem ich haus,
lässt es bei Tag nicht mit sich spaßen
und holt den dicken Hammer raus.

Da brummen ständig die Motoren,
da kreischen Bremsen immer mal,
da dröhnen Hupen in die Ohren
wie Wutgeheul am Marterpfahl.

Und dann die quirligen Passanten!
Das schwätzt und schwafelt unentwegt
wie ausgemachte Kaffeetanten,
von süßer Sahnelust erregt.

Ja, öfter auch der Kirchenglocken
Attacke aus der Ewigkeit,
die jeglichen Gedanken blocken
mit Bimmeln, das zum Himmel schreit.

Das alles ist nun abgeschaltet,
der ganze Lärm auf Eis gelegt,
Irene, Friedensgöttin, waltet,
Hephäst der Waffenruhe pflegt.

Und unser Dichter, versbesessen,
versenkt sich in des Hobbys Müh,
dass ein paar Stunden weltvergessen
er Tinte auf die Blätter sprüh.

Wir wollen ihn nicht weiter stören
und lassen ihn, wie er da hockt.
Er lässt von selbst sich wieder hören –
und sehn, was er dabei verbockt.

Schwer entflammbar

Schwer entflammbarDa sieh nur einer, wie es schwächelt,
das Flämmchen da im Plastikrohr –
hab ihm ein Lüftchen zugefächelt,
doch bleibt’s asthmatisch wie zuvor.

Ihr wisst so recht nicht, was ich meine
mit dem beschworenen Objekt?
‘ne Kerze stellt euch vor, so eine,
die manchmal man auf Gräber steckt.

Und die, dass sie dem Winde trotze
an solcher ungeschützten Statt,
man wie mit einer Wetterkotze
zylindrisch fest ummantelt hat.

Folgt sicherlich die nächste Frage:
Wer oder was zum Windlicht riet?
Ist deine Bude von dem Schlage,
dass es ganz fürchterlich da zieht?

Nein. War durchaus nicht zweckgebunden,
dass grade dies ich mir gekrallt.
Ich hab es einfach geil gefunden,
zu wechseln mal die Lichtgestalt.

Tut man nicht viel zu oft im Leben
die Dinge, die „vernünftig“ sind?
Gewohnheit, die uns eingegeben
von Brauch und Sitte, farbenblind.

Umso erstaunlicher zu sehen,
dass was für draußen doch gedacht,
schon kurz davor ist auszugehen,
wo ihm kein Hauch zu schaffen macht!

Wie soll sich einer das erklären?
Das Flämmchen kümmert vor sich hin.
Steht ihm danach, sich zu bewähren
im Sturm vielleicht der stolze Sinn?