Archiv der Kategorie: Natur

Bitte recht freundlich

Bitte recht freundlichDer blaue Baldachin da oben
war wieder völlig aufgespannt,
von Wolken wollig nicht durchwoben,
nur von der Sonne eingebrannt.

‘ner Kuppel gleich er überdeckte
das Meer in seinem Mammuttrog,
das sich die feuchten Lippen leckte
und gurgelnd seinen Atem zog.

Doch auch die Berge, deren Kämme
wie Wellen, die zu Stein erstarrt,
erfasste die azurne Schwemme
als des Gekräusels Widerpart.

Nun, um es einfach auszudrücken:
Des Tages schönes Bild verfing,
und um ihm auf den Leib zu rücken,
wohlweislich ich spazieren ging.

Was erst mal zu ‘nem Dämpfer führte,
denn wohl ein Tausend tat’s wie ich,
das auf der Promenade spürte
nach einem süßen Sonnenstich.

Doch immerhin hab ich erfahren,
dass die Kulisse man auch nutzt,
sie im Gedächtnis zu bewahren
auf Fotos, die herausgeputzt.

Ein Püppchen auf der Ufermauer
im weißen Brautkleid Pose stand.
Familie rings. Ein Blitzlichtschauer.
Die Kleine lächelt unverwandt.

Frühlingsgäste

FrühlingsgästeDie Sonne schiebt schon Überstunden,
das wurde jetzt ans Licht gebracht –
leckt sie doch ihres Tages Wunden
inzwischen erst so um halb acht.

Und das, obwohl in die Pedale
seit Längrem sie schon stärker tritt
und ihre Mittagsvertikale
mit 20 Grad erglüht im Schnitt.

Was haben da nicht ihre Strahlen
bewässert schon an dürrer Flur,
dass aus den Ästen, toten, kahlen,
schon hier und da ein Blümchen fuhr!

Mit goldnen Bommeln übergossen
jetzt grade die Akazie steht,
ihr ganzer Schopf ins Kraut geschossen,
wie Hirtenhunde er umweht.

Und wo ums Brachfeld da gezogen,
ums blühende, ein Maschenzaun,
kam heut der Sittich angeflogen
und holte Gras, sein Nest zu baun.

Am Abend selbst die Lüfte strichen
so lind noch wie im Sommer fast –
da hat sich bei mir eingeschlichen
ein Mückentier als Frühlingsgast.

Gern hätt ich wieder rausgeschmissen
den ewig plärrnden Störenfried –
doch raubte lange in den Kissen
den Schlaf mir noch sein Wiegenlied.

Meeresfrüchte

MeeresfrüchteDes Meeres unbebaute Fläche,
zerfurcht, doch nicht vom Pflug zerteilt,
dass Korn ihm aus den Wellen breche
als Same, der zur Sonne eilt –

Nur eine ungeheure Brache,
in die man keine Hacke schlägt,
weil diese salzgetränkte Lache
niemals des Feldes Früchte trägt.

So sind die üblichen Verfahren,
wie man zum Ackerbau sie wählt,
um Misserfolg sich zu ersparen,
beim Ozean durchaus verfehlt.

Das hatt‘ schon früh man auf der Pfanne
und auch, dass wenn man tiefer bohrt
in diese bodenlose Wanne,
da mancher Leckerbissen schmort.

So wurd die Fischerei erfunden.
Das ist jetzt ein paar Jahre her,
doch immer noch drehn ihre Runden
die Dampfer mit dem Netzgewehr.

Frühmorgens wenn die Hähne krähen,
begeben sie auf Pirsch sich schon.
Die Segel sie im Dämmer blähen
fürn flotten Ritt zur Fischauktion.

O wie’s da in den Kisten wimmelt
von meergeborenem Getier –
tagtäglich wenn zur Vesper bimmelt
das Kirchlein gegenüber hier!

Durststrecke

DurststreckeDie Hoffnung hat sich nun zerschlagen,
dies Wasserbett gefüllt zu sehn,
wo ich an manchen Bummeltagen
mich auf das Holz der Brücke lehn.

Nur da, wo diese dürre Trasse
direkt den Saum des Meers erreicht,
liegt, Fußbad einer Untertasse,
‘ne Pfütze, die den Grund erweicht.

Flussaufwärts schon nur ein paar Schritte,
dem Berge zu, dem es entwich,
rinnt träge in des Troges Mitte
ein Bächlein wie ein Federstrich.

Noch weiter oben: knochentrocken,
nicht mal ein Fingerhut von Nass.
Nur Schotter, Sand und größre Brocken –
und alles grau und bräunlich-blass.

Man wundert sich, wie breit das Ganze.
Es reicht fürn dicksten Wasserstrahl,
wenn von des Gipfels hoher Schanze
er als Lawine stürzt zu Tal!

Doch wer soll ihn ins Rollen bringen,
wenn Regen nicht und Schnee, der taut?
Da braucht es ja vor allen Dingen
‘nen Winter, der gut vorgebaut!

Ich will mich aber nicht beschweren.
Vielleicht, dass mir der Berg beweist
im nächsten Lenz: Er kann gebären
nicht nur ein Mäuschen, wenn er kreißt.

Das blaue Band

Das blaue BandEs ist die Zeit jetzt der Mimosen,
die gelb in voller Blüte stehn,
doch solche, die sich beim Liebkosen
nicht gleich verschämt zur Seite drehn.

In dichten Büschen wo auch immer,
am Uferweg, am Straßenrand,
verbreiten sie den goldnen Schimmer
von Sommersprossen übers Land.

Ein schönes Zeichen zu beteuern,
nachdem die Mandel nun verblüht,
dass Richtung Lenz wir wieder steuern,
der sichtlich schon vor Eifer glüht.

Die Sonne läuft auf vollen Touren
und schiebt die Sache mächtig an,
dass er schon bald mit frischen Fuhren
von Sträußen uns erfreuen kann.

Auch aus den ausgedörrten Zweigen
der Sträucher überall beginnt
die junge Brut des Grüns zu steigen,
weil wieder Saft in ihnen rinnt.

Der Korso mit den tausend Wagen
rollt wieder an auf seiner Spur,
um unsre Sinne sanft zu tragen
durchs bunte Schauspiel der Natur.

Das Meer, das ich so oft besungen,
wird dadurch ja nicht abgehakt.
Doch füllt statt Salz der Lenz die Lungen,
na, dann ist Landgang angesagt!

Mit offnen Augen

Mit offnen AugenMan sieht nicht viel, doch viel indessen,
was wunderlich ins Auge sticht.
Am Ufer abends, weltvergessen,
Spaziergang im Laternenlicht.

Am Himmel glänzt der goldne Bogen
des Mondes aus der Dunkelheit,
den straff ihm um den Bauch gezogen
die Sonne nur zwei Finger breit.

Die Sichel so in Rückenlage,
wie’s mancher alte Meister zeigt,
dass wie ein Schiff sie gleichsam trage
die Jungfrau, die zum Himmel steigt.

Gigantisch drunter das Gebilde
der Wolke, die ‘nem Ufo gleicht
und faustkeilförmig ins Gefilde
der offnen See hinüberreicht.

Die ungezählten Wellen wiegen
wie Jachten sich an finstren Kais.
Nur wo die Muschelpontons liegen,
noch Lichter blinken wechselweis.

Der Wind hat aufgehört zu heulen.
Die Palmen stehen steif und stumm.
Kein Laut, die Stille zu verbeulen,
die tiefer als Silentium.

Natur. Und jederzeit zu sichten
für alle Seelen mit Gespür.
Was gibt’s denn da noch groß zu dichten?
Die Wunder liegen vor der Tür.

Stille Wasser

Stille WasserKaum glaublich, diese Wassermasse,
bis an die Kimm aus einem Guss –
des Meers gewalt’ge Suppentasse
mit Einlage im Überfluss.

Da kann man aus dem Vollen schöpfen
mit Reuse, Netz und Angelschnur
und seinen Pfannen, seinen Töpfen
den Reichtum zeigen der Natur.

Auf dass er in den Magen wandre
und Leben uns und Lust verleih,
der Hering, Hecht und jeder andre
Ertrag der Hochseefischerei.

Man kann auch einfach nur drauf kreuzen,
damit man mal den Hafen tauscht
mitsamt ‘ner Schar von alten Käuzen,
die gern dem Bordorchester lauscht.

Und an den uferlosen Säumen
holt man das Brett, den Schnorchel raus,
spaziert man, bummelt, um zu träumen
noch übern Horizont hinaus.

So weit ins Gute reingerochen –
doch ohne Haken geht es nicht:
Was ist, wenn sie mal überkochen,
die Welln, zu einem Strafgericht?

Von Monsterwogen und dergleichen
scheint mir hier weiter nichts bekannt.
Notfalls müsst ich die Segel streichen –
kaum einen Steinwurf weit vom Strand!

Mensch- und Tierleben

Mensch- und TierlebenZwar bin ich nicht als Dachs geboren,
doch hab ich ‘nen bequemen Bau –
viel Platz vor allem um die Ohren
zum Schlafen und zur Nabelschau.

Doch rieselt nicht von lehm’ger Decke
mir Erde krümelig ins Fell
noch hausen Wanze da und Zecke
in ihrem haarigen Hotel.

An graden und verputzten Wänden
sich keine Feuchte niederschlägt
und sind auch nicht an allen Enden
die Spinnennetze ausgelegt.

Was Grimbart muss an Kälte dulden,
das bleibt mir ebenfalls erspart.
Hab ich beim Kraftwerk keine Schulden,
kommt meine Heizung stets in Fahrt.

Auch muss mich nicht die Furcht beschleichen,
dass mir ein Jäger auf der Spur,
der gerne mir und meinesgleichen
mit Schrot verpasste eine Kur.

Dass ich als Mensch zur Welt gekommen,
schafft manchen Vorteil mir zum Dachs.
So auch, dass immer Lichter glommen,
wenn ich gedichtet, schön aus Wachs.

Doch grad in diesem Licht betrachtet,
ist einzuschränken der Befund:
Nicht jeder hat das Glück gepachtet,
und mancher lebt gar wie ein Hund!

Sperrgebiet

SperrgebietWie ist das möglich? Schwer von Regen,
wie diese schwarzen Wolken sind,
kaum übern Strand hinaus sie fegen,
kaum in des Meers gebeizten Wind!

Als ob da wo in Ufernähe
ein Stoppschild sie im Zaume hielt:
„Hier, Dampf- und Dunstgebilde, stehe!
Bei Nichtbefolgung Schuss, gezielt.“

Und während sie auf Berg und Hügel
bedenkenlos den Hahn entsperrn,
hält etwas sie mit festem Zügel
vom Angriff auf die Küste fern.

Gewiss bringt jetzt so’n Oberschlauer
die Binsenweisheit aufs Tapet,
dass eine solche Wettermauer
aus dem und jenem Grund entsteht.

Na prima. Schert mich nicht die Bohne.
Mir reicht der Spatz schon in der Hand –
zu wissen einfach: Wo ich wohne,
ist’s sonn’ger als im Hinterland.

Es ist ja längst mir aufgefallen,
dass dies Gewölk das Wasser scheut
und ‘s liebt, sich finster aufzuballen,
indes es keine Tropfen streut.

Costa del Sol. Die Sonnenküste.
Und doppelt sinnvoll sie so heißt,
weil sie des Regens kalte Lüste
von Bucht und Busen auch verweist.

Beste Aussicht

(Los Romanes)

Beste AussichtSo machte es dem Sonntag Ehre:
Ein Wetter, wie’s im Buche steht.
Wer da zu Haus geblieben wäre,
hätt selbst ‘ne Nase sich gedreht!

Und wo kommt man der Sonne näher
und der Natur im Jungfernstand?
Den Specht frag und den Eichelhäher:
im baumgeschmückten Hügelland.

Wir kannten da so eine Stelle,
ein Dorf, das an den Hang gebaut,
von dessen Eingangstür und Schwelle
man auf ‘nen See herunterschaut.

Das Ganze Halt zum Picknickfassen!
Hier ist es, unser Ziellokal!
Man hat uns noch hereingelassen,
wenn auch erst in den Wartesaal.

Da schlemmte man schon sippenweise;
ein bisschen später wir auch mit.
Der Babylärm zog weite Kreise,
doch nahm uns nicht den Appetit.

Befriedigt unsre Fleischeslüste,
ging’s wieder raus mit schwerem Fuß.
Da lag des Stausees grüne Küste
so malerisch wie’n Kartengruß!

Nein, wie ein Plätzchen wo im Himmel
zur ew’gen Seligkeit und Ruh.
Nur vier vorm Haus „geparkte“ Schimmel
kehrten ihm stur die Kruppe zu!