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Auch meine Welt

Auch meine WeltEin Wohnzimmer und eins zum Schlafen,
‘ne Durchreichküche und ein Bad –
das ist hier so mein Heimathafen
auf Breite 36 Grad.

So von der Fläche her bescheiden,
ein Liegeplatz der schlichten Art.
Und doch ist ihm nicht anzukreiden,
dass er an Vorteilhaftem spart.

Vor Kälte schützt er und vor Regen,
wie’s ein Palast nicht besser tät,
vor Winden, die ums Dach ihm fegen,
ja, vor der Sonne, wenn sie brät.

Und wenn ich diesen Port verlasse
und streunend mich an Land begeb,
das Maß der Weite ich erfasse,
mit der ich Seit an Seite leb.

Das Meer: Ein grenzenloses Wogen,
das mit dem Himmel sich vereint;
und nur ein Strich herum gezogen,
der ständig zu zerfließen scheint.

Die Sonne leuchtet ihm am Tage
und nachts das helle Firmament,
dass ihm bei jedem Uhrenschlage
ein trautes Licht zu Häupten brennt.

Die Wirklichkeit, die harte, raue,
verliert sich hier im offnen Raum.
Nur wenn ich auf den Bildschirm schaue,
seh manchmal ich noch ihren Saum.

In aller Bescheidenheit

In aller bescheidenheitDas Leben, wär es selbsterkoren,
ich wüsste nun, was ich gewählt:
Als Rentner wär ich gern geboren,
der sich nicht erst mit Arbeit quält.

Und der sich mit bescheidnen Mitteln,
doch kampflos über Wasser hält,
zufrieden, ohne zu bekritteln,
wenn andre Säckel mehr geschwellt.

Kann man sich Wurst und Käse leisten,
dass man nicht Hunger leiden muss –
wie dass dir die Gedanken kreisten
um Pfauenzungen? Überfluss!

Fürn Gläschen Bier und Wein in Ehren
findest du stets ‘nen Obolus?
Warum sich also noch verzehren
nach Jahrgangsschampus? Überfluss!

Du hast ‘ne unscheinbare Bleibe,
gemütlich aber, gut in Schuss?
Wie dass dich die Begierde treibe
zur Luxusvilla? Überfluss!

Du hast etwas, was alle haben,
doch weißt davon nur du allein –
die ganze Welt mit ihren Gaben
vom Gipfel bis zum Kieselstein!

Kann man für Gold sich Sonne kaufen,
den Sang der Amsel auf dem Ast?
Solln andere nach Reichtum laufen –
sie suchen, was du lange hast!

Wie Tag und Nacht

Wie Tag und NachtSo ist das mit den Temp’raturen:
Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Geh ruhig in der Sonne Spuren,
und doch wirst du zu Fall gebracht!

Grad heute ist’s mir zugestoßen
beim Treffen mit ‘nem Freundespaar.
Man saß im Oberhemd, im bloßen,
weil es so richtig mollig war.

Die Jacke an der Rückenlehne
als überflüss‘ges Utensil.
Der Himmel fletschte seine Zähne,
dern strahlend Blau ins Auge fiel.

Wer dächte da an wollne Sachen?
Wahrscheinlich ein Verrückter nur.
Die Sonne sinkt. Wir aber machen
woanders hin noch eine Tour.

Wo wir auch wieder draußen sitzen
und uns die Dunkelheit beschleicht.
Doch plötzlich ist es aus mit Schwitzen,
‘ner Gänsehaut die Hitze weicht.

Des Essens leckre Kalorien
ha’m fröstelnd wir hinweggeputzt,
um möglichst rasch das Mahl zu fliehen,
das nicht einmal wir voll genutzt.

Schnell heim in die beheizte Bleibe!
Ich zittre wie am Kältepol!
Erst jetzt, da ich euch dieses schreibe,
wird mir allmählich wieder wohl.

Jederzeit sprungbereit

Jederzeit sprungbereitErst war es heute richtig trübe,
das Fahle, Graue überwog
so wie bei einer Runkelrübe,
die just man aus der Furche zog.

Was meine gute Ausflugslaune
auch mühelos vernichtend traf:
Schlüpf ich zurück in meine Daune,
zurück in ungetrübten Schlaf?

Nun, ich entschloss mich aufzubleiben –
doch nur, damit den Herd ich hüt
und mit diversen Zeitvertreiben
mit diesen Hausarrest vergüt.

Die Stunden sind dahingeschlichen.
Ich hab geblättert im Brevier,
den Kaffeelöffel vollgestrichen
noch öfter als ein Großwesir.

Im Web hab ich was nachgeschlagen,
gesichtet Elektronenpost,
vom Schrank den Staubberg abgetragen,
mich fehlernährt mit Häppchenkost.

Der Nachmittag war fast zu Ende,
die Dämmerung schon sprungbereit,
da kam miteins die große Wende –
das Taggestirn im Abendkleid.

Ich: Schuhe übern Zeh gezogen,
Pullover wo am Knie entlang,
und runter an den Strand geflogen
zum Kurztrip „Sonnenuntergang“!

Partiell kalt

Partiell kaltNun, das Vertrackte an der Sache,
dass man im warmen Süden weilt:
Kriecht erst die Sonne dir vom Dache,
schon Kälte in die Bude eilt.

‘ne Heizung fehlt ja im Ambiente –
denn wer baut so was sich schon ein,
der von der Wiege bis zur Rente
gepolt auf steten Sonnenschein?

Doch ist der Letztere verschwunden,
der hohe Grade sicherstellt,
umarmen frostig dich die Stunden,
in die die lange Nacht zerfällt.

Dann kommt dir ein Gerät zustatten,
um heiße Luft zu ventiliern,
dass deine kalten Kasematten
‘nen Hauch von Wärme inhaliern.

Doch ohne groß sich zu verteilen,
indem vom Quell sie fort sich stiehlt –
in dessen Nähe zu verweilen
es dringend darum sich empfiehlt.

Als praktisch hat sich auch erwiesen,
sich einfach dicker anzuziehn
und seine Füße zu befliesen
mit Puschen à la Mokassin.

Tja, eine von den kleinen Tücken,
die hier der Winter präsentiert:
ein wohlig angewärmter Rücken –
und eine Plautze, die erfriert.

 

Schwarz wie die Nacht

Schön finsterDas Meer lag gram und grau vor Anker.
Den Horizont verhüllte Dunst.
Kein Trawler irgendwo, kein Tanker,
kein Zeichen einer Seemannskunst.

Zufrieden mit des Tages Heuer
hatt‘ abgemustert schon der Wind.
Die Stille übernahm das Steuer
mit Kurs auf wo die Kalmen sind.

Am Ufer da die Häuserzeile
war größtenteils schon eingenickt,
als ob der Szene Langeweile
sie vor der Zeit in Schlaf geschickt.

Aus ihren schmächtigen Fassaden
glomm nur vereinzelt noch ein Licht –
so trüb, als hing’s am seidnen Faden
‘ner Birne, die zusammenbricht.

Die Strandlaternen selbst, die hohen,
des späten Wandrers Augenschmaus,
sie fieln, anstatt zu lichterlohen,
in Intervallen völlig aus.

Mit Vorsicht deinen Fuß bewegen,
ein falscher Schritt, und du fällst hin!
Da kommt ein Schatten dir entgegen –
doch hat er Böses nicht im Sinn.

Ein Heimweg der besondren Sorte,
nicht malerisch, verwunschen eh’r.
Als ob man an der dunklen Pforte
der Märchen und der Träume wär.

 

Kurzes Glück

Kurzes GlückHier von der Fortsetzungsgeschichte,
die sich um Meer und Sonne dreht,
ein weitrer Teil euch zu Gesichte,
wie er mir noch vor Augen steht.

Die gute alte Küstenstraße.
Wir hatten ein PS-Gestühl
und so beim Kilometer-Fraße
ein angenehmes Bauchgefühl.

Der Zielpunkt: Ein beliebter Flecken
für Ausflugsfreunde aller Welt –
doch dank des Winters Zähneblecken
zurzeit ein bisschen kaltgestellt.

So war ein Plätzchen zu ergattern,
das Luft und Sonne uns gewährt –
hier Wellen, die im Winde flattern,
da Licht, das übern Himmel fährt.

Dazu ‘nen Kaffee reingezogen,
und schon war unser Glück komplett,
auf dessen sprichwörtlichen Wogen
kaum besser wer geschaukelt hätt.

Zeit war im Überfluss vorhanden.
Nichts, was uns wieder heimwärts trieb.
Der Tag umwand uns mit Girlanden,
auf die er fröhlich „Pflück mich!“ schrieb.

Doch statt die Szene zu erhellen,
hat er sich bald davongemacht –
samt Meer und Sonne, Spießgesellen,
die blind ihm folgten in die Nacht.

Terrassenwirtschaft

TerrassenwirtschaftDer Vorschlag hatte sich gewaschen:
Komm mit auf eine kleine Tour –
ich kenn da ‘n Platz zum Kaffeenaschen
mit Traumblick über Feld und Flur!

Das war zum Glück nicht übertrieben:
‘ne Stelle, an den Hang gebaut,
spontan sich in sie zu verlieben,
weil frei sie in die Weite schaut.

Das Feld in dem besondren Falle
war eine Bucht, die breit sich schwang
und so der Brandung stetem Pralle
ein bisschen Mäßigung entrang.

Die Flur in dem besondren Falle,
das warn die Felsen ihr zur Seit –
wie Säulen einer Riesenhalle,
die man von ihrem Dach befreit.

Und vor dem sanft gekurvten Strande
lag ungeformt der Rest der See –
heut still im Feiertagsgewande,
so glatt und glänzend wie Gelee.

Und hinter den gewalt’gen Säulen
schob sich geduldig, krumm und schief,
bis hoch, da wo die Winde heulen,
der Berg allmählich zum Massiv.

Zu schön. Doch eh ich es vergesse –
vielleicht zieht es auch euch ja her.
Hier also schon mal die Adresse:
„Balkon von Maro“, Mittelmeer.

 

Immer noch Meer

Immer MeerAls ich vor vielen, vielen Jahren,
halb in den Kinderschuhen noch,
zum ersten Mal zur See gefahren
als Maat von einem Trawler-Koch

Da musste ich mich oft erwehren
der Frage, wieder heim an Land,
ob auf dem Meer, dem weiten, leeren,
ich Langeweile nicht empfand.

Da konnte ich „I wo!“ nur sagen
und hab Beweise rausgeklaubt;
doch fühlte stets ich dumpf im Magen,
dass man mir ernsthaft nicht geglaubt.

Jetzt tanz ich nicht mehr auf den Wellen,
seh Tümmler nicht in luft’gem Sprung,
nicht Jan van Gent ins Wasser schnellen
und Qualln in grüner Dämmerung.

Jetzt reicht es mir, am Meer zu weilen,
von fern dem Treiben zuzuschaun,
den Wogen, die mal stürmisch eilen,
mal träge sich zur Dünung staun.

Der Brandung, die mit Donnergrollen
und geifernd auf die Klippen fällt,
um kraftlos gleich zurückzurollen,
bevor sie neuerlich zerschellt.

Der Möwe, die in kühnem Fluge,
vom Wind getragen und verweht,
den Flaum, den schäumenden, am Buge,
der Barbe an die Gurgel geht.

Den Wolken, die darüberrauschen
im wilden Wechsel der Kontur
und bis zum Horizont sich bauschen,
in dem verschwindet ihre Spur.

Der Sonne, die in hohem Bogen
vollendet ihren Kreis beschreibt,
eh sie, im Osten großgezogen,
im Westen rosa sich entleibt.

Den Schippern, die an jedem Morgen
‘nem ros’gen Fang entgegensehn
und, ist er abends dann geborgen,
am Tresen wo vor Anker gehn.

Ja, offen für die Impressionen,
die diese Welt des Wassers birgt,
wird dich ein Zauber stets belohnen,
der dir auf alle Sinne wirkt.

Die Zunge selbst spricht dem Gerüchte
von monotonen Fluten Hohn:
Die Fische und die Meeresfrüchte –
für sich allein ein Kosmos schon!

Plötzliche Begegnung

Plötzliche BegegnungNach draußen, frische Luft zu tanken.
Der Tag, er ging schon auf den Rest.
Zur Rechten sah ich Wellen schwanken,
nach vorn den Weg, der bombenfest.

Doch weiter raus, da wo die Wogen
allmählich sich im Meer verliern,
warn meinen Blicken sie entzogen,
und mochte ich auch noch so stiern.

Da lagen sie in Nacht und Dunkel,
von einem schwarzen Loch verschluckt,
das bis auf schwaches Sterngefunkel
mit keiner Wimper nur gezuckt.

Doch plötzlich, wie ich noch so starre,
mehr in Gedanken als zur Sicht,
glimmt wie ein Malzkorn auf der Darre
am Horizont ein Fünkchen Licht.

Und dann, als wär das Eis gebrochen,
weil erst das eine ich erspäht,
ein zweites, drittes wie gestochen,
ein viertes ins Visier gerät!

Das zog sich wie ‘ne Perlenkette
gereiht und schimmernd übern Rand,
als ob ‘ne Meerjungfrau sie hätte
zum Trocknen auf die Kimm gespannt.

Ich weiß nicht, was die Fischersleute
so spät zu ihrem Fang noch trieb –
nur dass ich dieses Faktum heute
in meine trockne Chronik schrieb.