Da steigt er

mondDa steigt er lautlos auf die Dächer,
als wär er auf ‘ner Diebestour,
doch, tödlich für Gesetzesbrecher:
Beleuchtet seine Kletterspur!

Ich red vom Mond. Der schwebt da grade
mit seinem Lampionsgesicht
gemächlich über die Fassade,
als scherte ihn Entdeckung nicht.

Trotz seiner vorgerückten Jahre
wirkt er gelenkig und agil,
dass er beim Fitness-Seminare
gewiss nicht durch die Prüfung fiel.

Ihr hättet ihn mal sehen sollen,
wie er die Nase erst gereckt
da übern First und dann geschwollen
zu voller Größe ist – Respekt!

Das alles ist so schnell gegangen
wie bei der Sonne, wenn es tagt.
So einer, ne, lässt sich nicht fangen,
und wenn die ganze Welt ihn jagt.

Und wie ich dieses nun so schreibe
(was länger dauert, als ihr denkt),
hat unsre dubiose Scheibe
zum Abstieg sich auch schon gesenkt.

Was sie nun wirklich da getrieben,
es ist mir, ehrlich, schleierhaft,
man sieht ja nicht, wie sonst bei Dieben,
was sie an Sore aufgerafft.

Das muss an diesem Lichte liegen,
am blendenden und seiner Flut,
dass wir nicht einen Schimmer kriegen
von dem, was sich dahinter tut.

Die Dächer liegen wieder dunkel,
doch drüber, anders als vorher,
am ganzen Himmel Sterngefunkel,
als ob er voller Brillis wär.

Ach, darum also ging’s beim Stehlen!
Jetzt fällt es mir auch wieder ein:
Man sieht ja niemals Sternjuwelen
grad rund um diesen Mondenschein!

Das muss dem Nachtschwärmer man lassen,
so ausgebufft wohl keiner ist.
Er klaut die Klunker nicht in Massen,
nur so, dass man sie nicht vermisst.

Denn immer noch genügend bleiben,
uns Sternenspanner zu erfreun,
heißt: die Astronomie wir treiben,
heißt: Dichter, die das Licht wir scheun.

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