Denkvergnügen

Mit jedem Tag, den ich durchmesse
in Richtung auf ein vages Ziel,
verlier ich immer mehr Intresse
an manchem, was mir einst gefiel.

Was als Vergnügen ich genossen
im Dienste meiner Sinnlichkeit,
find ich nun fade und verschossen
geich einem abgetragnen Kleid.

Was mir als Wettkampf imponierte,
als Schauspiel mich bezaubert hat,
was mich entspannte, amüsierte –
ich hab es jetzt auf einmal satt.

Wie kann mich neuerdings verdrießen,
wonach ich früher mich verzehrt?
Sind nicht mehr fähig, zu genießen
die Sinne, vom Verstand belehrt?

Ist etwa ihre Kraft gebrochen,
dahingeschmolzen mit der Zeit,
dass sie auf kleiner Flamme kochen
die Proben ihrer Tauglichkeit?

Vielleicht auch dass nach all den Jahren,
da sie vor Eifer überquolln,
sie schließlich Ruhe nun bewahren
und endlich sich erholen wolln?

Womöglich ist’s auch Langeweile,
die jetzt massiv sie übermannt,
da ihnen nunmehr jede Zeile
im Buch des Lebens schon bekannt?

Kann sein. Ich bin da ja befangen.
Doch am wahrscheinlichste ich find,
dass spät ein Licht mir aufgegangen,
wie tückisch die Vergnügen sind.

Mit ihren flitterhaften Freuden
ziehn sie uns ständig in den Bann,
dass sinnlos wir die Zeit vergeuden,
die man doch besser nutzen kann.

Sind wir in diese Welt geboren
als Babys ohne Geisteskraft,
dass wir als ausgewachsne Toren
dereinst auch wieder hingerafft?

Es gibt so viele offne Fragen
und auch so viel, was fraglich ist,
dass selbst ein wissensdurst’ger Magen
sich niemals daran überfrisst.

Wer immerfort nach Sensationen
und prickelnden Genüssen giert,
will’s Hirn mit Denken wohl verschonen,
das bittre Früchte auch gebiert.

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