Exil nebenan

Exil nebenanDer Schauplatz meiner Eskapaden
mir heut nicht zur Verfügung steht;
man hat da Eimer abgeladen,
Farbtöpfe, Pinsel, Malgerät.

Ihr seht, die Küche wird gestrichen –
als Ort auch, wo man dichten kann.
So bin ich denn mal ausgewichen
in dieses Zimmer nebenan.

Na klar, zum Wohnen und Verweilen
ist’s mir genauso lieb und wert,
doch mit den Strophen und den Zeilen
läuft’s nicht so gut wie da am Herd.

Es wird wohl an den Wänden liegen,
die irgendwie hier anders stehn,
den Lampen, die sich anders biegen,
mit ihrem Licht mir zuzusehn.

Der Stuhl auch oder besser: Hocker
gewährt mir nicht das Sitzgefühl,
mit dem ich sonst ganz leicht und locker
am Grabbeltisch der Musen wühl.

Am meisten aber ‘s Fabulieren
sich an dem Arbeitstisch hier reibt,
der so versifft ist mit Papieren,
dass nicht mal Platz fürs Kerzchen bleibt.

Was nützen Regeln und Talente,
wenn es an Schwung dir fehlt und Kraft!
Die halbe Miete ist Ambiente –
he, Meister Pinsel: Bald geschafft?

Schreibe einen Kommentar