Kein Verlass

Kein VerlassJa, abends, wenn die Kerze flackert
und feurig sich dem Dämmer stellt,
dann ist es wieder abgeackert,
des Arbeitstages stein’ges Feld.

Natürlich hab ich hier im Auge
die Nachbarn, die malochen gehn,
da selbst ich dafür nicht mehr tauge
und schon mit Gnadenbrot versehn.

Gewiss der Ruhe sie schon pflegen,
am Tor des Schlummers angelangt.
Kein Rühren irgendwo und Regen:
Ein Haus, das frische Kräfte tankt.

In diese wiederkehrnde Lücke,
die nächtlich sich dem Lärm entringt,
mit Pinsel und Papier ich rücke,
dass still mein Lied darin erklingt.

Nichts lenkt mich ab von meinen Zeilen.
Wie’n Bächlein murmelt, tickt die Uhr.
Die Glocken hängen in den Seilen
wie Beutel à la Pompadour.

Und niemand weiß, was ich hier treibe,
wenn ich mir um die Ohren schlag
die halben Nächte mit ‘ner Schreibe,
die kaum ein Dutzend Leute mag.

Die Aura des Mysteriums spüre
ich dicht schon um mich rumgewebt:
Da wohnen wir doch Tür an Türe
mit einem, der verborgen lebt.

Und ohne Aufsehn zu erregen,
inkognito wie auf der Flucht,
gejagt vielleicht von Schicksalsschlägen
in diese gottverlassne Bucht…

Da plötzlich in dies schwere Schweigen
von fern ein Sturm von Flüchen weht,
als ob da wer den Marsch würd geigen
‘nem Menschen, der ihm nahesteht.

Das haut mich wirklich aus den Kufen.
Genervt leg ich den Pinsel fort.
Schluss, aus. Doch erst noch widerrufen
der fünften Strophe Eingangswort!

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