Kurze Mondphase

Kurze MondphaseWie ich so sitze und so sinne,
dass mich ein Geistesblitz erhellt,
werd plötzlich ich des Mondes inne,
der grade aus den Wolken fällt.

Und seh, wie sich der Gute heute
dem Licht so völlig zugewandt,
als ob er nicht die Folge scheute,
die unvermeidlich: Sonnenbrand.

Doch kaum, dass ich sein Rund bemerke,
das groß und bleibend mir erschien,
darüber in Flotillenstärke
schon Fetzen finstren Rauches ziehn.

Und dann, wie eine Riesenwelle
verheerend auf die Ufer läuft –
die Wolkenfront, die auf die Schnelle
die letzten Streifen Lichts ersäuft.

Gebannt konnt ich den Blick nicht wenden,
sah stur dahin, wo er verschwand.
Doch nichts. An allen Himmelsenden
nur diese schwarze Wolkenwand.

Kein Vollmond, keine Dithyramben,
sein schönstes Antlitz zu verklärn.
Doch welcher Jammer, wenn die Jamben,
die schon geplant, verloren wärn!

Soll ich die Finsternis besingen,
in die das Firmament versank,
dem Chaos dort ein Ständchen bringen
vor seines Abgrunds Fensterbank?

Kein Thema. Eh’r was für Geschichten,
die sich um Horror drehn und Mord.
Soll erst der neue Tag sich lichten,
ihm geb ich gern das nächste Wort.

Ich werd erneut auf Wache gehen
im Dämmer meiner Küchenplicht
und angestrengt ins Innre spähen,
bis – Land ahoi! – ein Lied in Sicht.

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