Mancher Feierabend

Mancher FeierabendIm Frieden ihrer Kuschelkaten,
den Bauch mit Stullen vollgestopft,
verharrn die städtischen Primaten
vorm Bildschirm, wo es nur so tropft.

Herr Kommissar! – Ja, bitte?
Ein Anruf vom Revier.
„Blabla. Nichts für die Sitte?
Dann überlasst es mir.“

Tief in den Sessel eingesunken,
die Hand nicht weit vom Salzgebäck,
erholt mit Mördern und Halunken
Herr Meier sich vom Alltagsschreck.

Wo hat man ihn gefunden?
– Direkt vorm „Sailor’s Inn.
Verblutet. Mehr’re Wunden.
– O. k. Wir fahren hin.

Mit unverhohlenem Int’resse
verfolgt er jede Missetat.
„Dem Schwein gehört eins in die Fresse!“ –
so ständig sein sensibler Rat.

„Der Wirt von diesem Laden?“
– „Bin ich, Herr Kommissar.“
„Sie würden sich nur schaden;
erzähln Sie, wie es war!“

Natürlich ist sich gut entrüsten,
sitzt selber man so weit vom Schuss.
Zu seinen eigenen Gelüsten
Herr Meier ja nicht stehen muss.

„Könn’n nichts zum Täter sagen?
War vorher niemals hier?
Dann keine weitren Fragen.
Erst mal ein schönes Bier.“

In höchster Spannung folgt der Bürger
dem klug gefingerten Geschehn.
Der 13-zöll’ge Schlitzer, Würger
soll seiner Strafe nicht entgehn!

Das Gläschen ausgetrunken,
blickt durch der Kommissar.
„Solln die Kollegen unken,
der Fall ist mir nun klar.“

Zufrieden unser Fahnder
das Tatlokal verlässt
und setzt als Unrechtsahnder
den Bösewicht gleich fest.

Die Sendung hat damit ein Ende
und die Gerechtigkeit gesiegt.
Herrn Meier seht, sein Blick spricht Bände:
Wie rasch so’n Abend doch verfliegt!

So muss er sich denn schlafen legen
und auf den nächsten Tag vertraun,
um nach des Alltags Nackenschlägen
die heile Welt des Mords zu schaun.

Na denn, gute Nacht,
von Bengeln bewacht!

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