Meine Straße

Wenn morgens ich nach draußen schaue,
rollt sie nach links in Richtung Stadt,
und während ich noch darauf baue,
hat sich gewendet schon das Blatt.

Dann zieht die quirlige Kolonne
genauso rasch im Gegensinn
zum zücht’gen Ziele ihrer Wonne,
des Tages Feierabend hin.

Auf einem und demselben Wege?
Was wär das für ein Phänomen?
‘ne Einbahnstraße nahe läge –
doch solcherart nicht vorgesehn.

Sehr richtig. Doch in diesem Falle,
der weltweit seinesgleichen sucht,
hat für das Leben man, das pralle,
die Piste doppelt gleich gebucht.

Zu ausgeschildert festen Zeiten,
die von Experten wohldurchdacht,
kann übern Asphalt man hier gleiten
bei Tage so und so bei Nacht.

Im steten Wechsel einer Tide
fließen die Ströme hin und her,
nur mit dem kleinen Unterschiede:
Das, was hier flutet, ist Verkehr.

Na schön, da kann man wohl nur hoffen,
dass allzeit hier herrscht gute Fahrt,
stehn weit doch alle Tore offen
für Kollisionen jeder Art!

Ich hab indes mir sagen lassen,
das läuft hier schon seit Jahren so,
und trotz immenser Automassen
passiert nicht mehr als anderswo.

Da hat man also klugerweise
sich diesem Rhythmus angepasst
und eh man einfährt in die Schneise,
die Uhrzeit schon bewusst erfasst.

Der Radler, der auf dieser Straße
beherzt in die Pedale tritt,
kriegt wohl nur in bescheidnem Maße
den Zauber ihrer Wandlung mit.

Er strampelt fleißig seine Strecke
mit angeschwollner Wade ab
und starrt nur auf die nächste Ecke,
dass keiner ihm die Vorfahrt schnapp.

Hält häufig sogar sich zugute,
von Regeln sei er ganz befreit,
und sucht sich seine eigne Route
im Zeichen der Bequemlichkeit.

Rücksicht auf andere? Von wegen!
Wie oft schon bretterte per Bike
ein Geisterfahrer mir entgegen
hier mitten auf dem Bürgersteig!

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