Reine Terminsache

Reine TerminsacheWeil wir im Frühling uns befinden
und fortgeschritten schon das Jahr,
heißt’s von ‘nem Brauch sich zu entbinden,
wie er dem Winter heilig war.

Da schlich als Beuteltier zur Tonne
ab neunzehn Uhr man frühstens sich
und warf als letzten Gruß der Sonne
den Müllsack zu, die schon verblich.

Doch jetzt, da jener längst zu Ende
und ringsum blüht schon der April,
nimmt später man in seine Hände,
was man im Haus nicht dulden will.

Denn neu geregelt hat die Fristen
der Staat als höchster Abfallherr,
dass, seine Bude zu entmisten,
das Zeug man in den Kübel sperr.

Erst abends, wenn sich durchgeschlagen
bis neun die müde Küchenuhr,
darf frei man zum Container tragen
die Sachen für die Müllabfuhr.

Verständlich ja in diesen Breiten,
wo sommers spät die Sonne sinkt
und in den heißen Tageszeiten
die Kiste sonst zum Himmel stinkt.

Bin gestern mal mit voller Tüte
zu diesem Sammelplatz gedüst –
da stand, von ähnlichem Gemüte,
ein Herr, der mich verschmitzt gegrüßt.

 

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