Sprachlos

SprachlosWie sehr ich sie darum beneide!
Sie zucken mit der Wimper nicht
und plappern schon im Kindeskleide,
wie alle Welt hier eben spricht.

Dagegen geht mir von der Lippe
mit Mühe nur der fremde Laut,
so dass im besten Fall ich nippe
an des Thesaurus Außenhaut.

Und sollt mir dennoch mal gelingen
ein Satz in schönem Redefluss,
mir Worte prompt entgegenklingen,
bei denen ich schlicht passen muss.

Denn Übung macht auch hier den Meister,
und grade auf dem Sprachgebiet,
wo aus des Buchs Papier und Kleister
nur mäßig man Vokabeln zieht.

Gut lutherisch aufs Maul zu schauen
dem Volk, empfiehlt es sich auch hier,
und aus Gesprächen aufzubauen
sein täglich wachsendes Brevier.

Im Laden, wo ich Haushaltswaren
„quería“ öfter, „gerne hätt“,
hat sich bewährt schon dies Verfahren
vom „Eimer“ bis zum „Bügelbrett“.

Doch heut, als ich in erster Güte
mit ‘ner Kassiererin parliert,
fragt deutsch sie plötzlich: „Eine Tüte?“ –
da sieht man doch: Wer wagt, verliert.

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