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Glückwunsch!

Wenn ich mich nicht verhauen habe,
steht heut ein Jubiläum an,
ein Ehrentag der Dichtergabe,
die einen „Runden“ feiern kann.

Doch leider drückt mir auf die Platte
kein Schwein das blättrige Gewürz,
dass von der hohen Lorbeerlatte
ich in die Eitelkeit mich stürz.

Ganz still muss ich den Tag begehen
und nicht besonders zelebriern,
da mir nicht auf der Matte stehen
die Lyrik-Fans zum Gratuliern.

Das kann ich allerdings verschmerzen,
weil ich auch nur mit Wasser koch:
Bei tausend und sechshundert Kerzen
pfiff bald ich auf dem letzten Loch.

Will trotzdem jemand mich beschenken
aus diesem oder jenem Grund,
wird er an Weihnachten wohl denken
und nicht an diese Jubelstund.

Doch ist im Kreise der Poeten
dies Schicksal öfter ja bezeugt,
drum hab ich für entgangne Fêten
lukullisch auch schon vorgebeugt.

An seinem Platze harrt der Rote
geduldig auf den Aderlass,
den wegen seiner frischen Note
ich schlückchenweise ihm verpass.

Oliven kullern ihm zur Seite,
die von der Sonne schwarz gebrannt,
dass ihre Würze ihn begleite,
wenn in die Gurgel er gesandt.

Auch Delikates darf nicht fehlen,
sonst wär das Fest nur halb so schön,
weshalb mit Krabben und Garnelen
den Gaumen extra ich verwöhn.

Das ist der feierliche Rahmen,
der diesen Tag besonders macht,
und wenn auch keine Gäste kamen,
hab würdig seiner ich gedacht.

Viel wichtiger als Gratulanten,
die einer Pflicht sich unterziehn,
sind ja die Kräfte, die konstanten,
die sich in neue Verse knien.

Solang sie noch im Hirne walten,
will weiter ich die Leier drehn.
O dass sie nicht so rasch erkalten –
ich hätt da noch ein paar Ideen!

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