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Hunger, strafbar

Vom Zufall in ein Land geboren,
das in der Regel jeden nährt,
verschließen Augen wir und Ohren
vor Not, die andern widerfährt.

Das Hemd ist näher als die Hose:
der Slogan unsrer Lebenssicht,
und abgesehen von Zirrhose
bringt nichts uns zum Genussverzicht.

Und dass man dem gefräß’gen Magen
das kleinste Knurren noch erspart,
befüllt man seinen Einkaufswagen,
als wäre man auf Hamsterfahrt.

Wir gönnen ihm indes die Wonne
und karren ständig Nachschub ran –
und schmeißen schließlich in die Tonne,
was einfach er nicht schaffen kann.

Ein unverzeihliches Verhalten,
wenn man die vieln sich nicht verhehlt,
die schon den Gürtel enger schnallten,
weil selbst am Nötigsten es fehlt.

Nun aber erst mal die Geschäfte!
Hier liegt im Namen schon der Sinn:
im Wechselspiel der Wirtschaftskräfte
zu maximieren den Gewinn.

Da gilt’s dem Kunden vorzuzeigen
ein ständig frisches Angebot
und den Verfall ihm zu verschweigen,
der dieses permanent bedroht.

Allein der schlechten Optik wegen
sortiert man dies und das schon aus,
ohne zum Kauf es auszulegen –
„empfiehlt nicht grade unser Haus“.

Noch etwas größer dann die Nummer
am Abend gleich nach Toresschluss:
Vom letzten Hering bis zum Hummer –
was müffelt, in die Tonne muss.

Wer dächte nicht, was weggeschmissen,
sei damit frei für jeden Tisch
und biete doch noch manchen Bissen
für Leute, die nicht wählerisch?

Die Wirklichkeit ist schwer zu schnallen
und dient dem Staate nicht zum Ruhm:
Die Rechte daran nicht verfallen –
frisch oder faulig: Eigentum!

Verboten, aus dem Müll zu klauben
ein mickriges Gemüseblatt
und so der Kaufmannschaft zu rauben,
worauf sie selbst verzichtet hat!

Die Wirtschaftsform, an der wir kleben,
hat mit dem Menschen nichts am Hut;
mehr gilt ihr als sein Leib und Leben
der Großverdiener Hab und Gut.

Und wer sind die Protagonisten,
in diesem Stück die Strippen ziehnd?
Natürlich die Partei der „Christen“ –
sie hat sich Tüttelchen verdient.

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