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Die dümmste Masche

Ob sie das wirklich rausgefunden,
wohl eher in den Sternen steht –
doch bieten ihren Fernsehkunden
die Sender Super-Qualität.

Was immer sie auch präsentieren
in Dokus jeglicher Couleur,
es ähnelt einem Grand mit vieren,
Kreuz Bube, Pik und Karo, Cœur.

Kein Wunder, dass zu Bergen grade
es ihre Teams zum Filmen zieht,
in deren zackiger Fassade
man schön die Gipfel übersieht.

Man muss nicht lange überlegen,
um wen die Luft am dünnsten weht,
man weiß nach wen’gen Wimpernschlägen:
Der ist’s, und da wird auch gedreht.

Kaum macht man’s mal ’ne Nummer kleiner,
schon schüttelt sich der Intendant –
denn werden erst die Themen feiner,
geht’s Michel über den Verstand.

Viel besser ist es, ihn zu füttern
mit Super- und mit Elativ,
um seine Seele zu erschüttern,
die nichts sonst aus dem Schlummer rief.

Und wie bei Bergen, so bei Flüssen:
Wer schenkt ’nem Winzling seine Zeit?
Man wird den längsten zeigen müssen,
europa-, deutschland-, erdenweit.

Will einen Wagen man beschreiben,
nimmt man nicht irgendeinen nur –
den mit den dicksten Panzerscheiben,
mit dem sogar der Papst schon fuhr!

Die allerschönste Frau auf Erden –
dem Anblick widersteht kein Mann;
nur schnell Miss Universum werden,
schon klopft der Sender bei dir an.

Er rät die auch in puncto Reisen,
wenn dich die Wanderlust befällt,
und wird dir seine Liste preisen
mit den erstaunlichsten der Welt.

Auch Tiere sind nicht ausgeschlossen
von diesem elitären Spiel –
sei’s wegen größter Rückenflossen,
sei’s als das klügste Krokodil.

Soll Pflanzen man damit verschonen?
Mehr Unterschiede gibt’s ja kaum!
Was ist ein Wald von Anemonen
gegen den höchsten Mammutbaum?

Und schließlich die Millionen Bauten,
von Menschenhand geformt aus Stein?
Für diese schlichten, altvertrauten
erwärmt sich heute doch kein Schwein.

Nur wenn sie samt Antennenspitze
sich bohren bis ins Himmelblau,
reißt es Herrn Meier noch vom Sitze,
selbst schnarchend vor der „Tagesschau“.

Der Freund von Pils und Jägerschnitzel,
der weidlich Krimis konsumiert,
braucht einfach einen Nervenkitzel,
dass er die Kucklust nicht verliert.

Und folgerichtig sich vermehren
gleich einem blühenden Ekzem
die Themen, die wie Krimis zehren
auf ihre Weise vom Extrem.

Da geht die ganze Ehrfurcht flöten
vor dieser Schöpfung aus dem Licht –
statt vieler Quappen gelten Kröten
als einz’ge Münze von Gewicht.

Der Schöpfung bunte Kreationen
sind alle von so einz’ger Art,
dass unsre Gier nach Sensationen
die ganzen Wunder nicht gewahrt.

Und die Natur selbst ist bescheiden
und tut mit ihrer Kunst nicht groß –
den Löwenzahn nährt auf den Weiden
sie wie den Leu im Wüstenschoß.