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Was heißt hier Schmuddelwetter?

Inzwischen wieder eingetroffen
im angestammten Domizil,
‘ne Literbüchse Bier gesoffen,
bevor ich in die Koje fiel.

Was hab ich dafür abgebrochen?
‘ne Bude, die so stark erhitzt,
dass halb sie schon nach Schweiß gerochen,
den in die Kissen ich geschwitzt.

Da redet man von Sommerfrische,
als wär’s der Freuden A und O,
indes erleichtert ich entwische
dem hohen Temp’raturniveau.

Das wird auf Wochen noch so bleiben,
und täglich gibt’s ein kleines Plus,
ich kann mir nur die Hände reiben,
dass ich nun meilenweit vom Schuss.

Auf Hamburg kann man sich verlassen,
das sah ich bei der Ankunft gleich,
kaum Sonne auf den trüben Gassen,
doch Nieselregen warm und weich.

Am Stück so unterm Hoch zu brüten,
gibt hier der Sommer ja nicht her,
er freut sich mehr an tausend Blüten
als an ‘nem dürren Kräutermeer.

Da braucht’s halt auch mal einen Schauer,
den ‘ne verschnupfte Wolke niest,
der wie ein Gärtner, wie ein Bauer
das dürstende Gewächs begießt.

Und was hier der Natur nicht schadet,
kommt meinem Körper auch zupass,
der, grade noch in Schweiß gebadet,
jetzt wohlig fröstelt unterm Nass.

Wer wollte es mir da verdenken,
dass es mir diebisch nun gefällt,
der Säule einen Blick zu schenken,
die auf dem Laufenden mich hält?

Quecksilber mein ich, Thermometer,
nicht die in Tempel und Palast –
die Fieberkurve von Sankt Peter,
nach Art von Celsius erfasst.

Die schwebt konstant jetzt in den Sphären
von dreißig, einunddreißig Grad,
um Tag für Tag mich zu belehren,
wie heiß da wär mein Sonnenbad.

Ein Hoch auf unsre kühlen Breiten
mit ihren Tiefs von Zeit zu Zeit,
die durch ‘nen Sommer uns begleiten,
der selten nur nach Feuchte schreit.

Und was hier runterkommt an Regen,
das ist durchaus kein Spitzenwert –
er mag sich nur ins Zeug nicht legen
und spärlich seine Fuhren fährt.

Schön. Grade also noch verpieselt,
bevor mich Spaniens Sonne sticht.
Und Hamburg nieselt, nieselt, nieselt.
O angenehme Klimapflicht!

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Rundblick

Rundblick, Gustave CaillebotteBesinnlich lass den Blick ich schweifen
durchs Bild, das mir mein Fenster rahmt:
Fassaden, die zu Funzeln greifen,
dieweil der Tag ins Dunkel lahmt.

Intimes Rot kann ich erkennen
und –flimmernd, flackernd – Bildschirmblau,
auch Birnen, die so käsig brennen
bei Folter nur und Leichenschau.

Davor erstreckt die lange Kette
der Autos sich, die abgestellt:
Erstarrtes Blech – die Schädelstätte,
das Golgatha der Fließbandwelt!

Den Himmel muss ich länger suchen,
da ihn kein Stern mir heut verrät,
nur feine Schleier ihn betuchen,
die keusch er vors Visier sich lädt.

Was ich nicht sehe, ist der Regen,
den Petrus aus den Wolken wringt
und der verrät‘risch mir entgegen
von nassen Reifen aufwärts klingt,

Die da mit gierigen Profilen
koppheister wirbeln am Asphalt
nach ihren zig urbanen Zielen –
die doch nur eines: Heim und Halt.

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Das Montagsgefühl

Das Montagsgefühl, Gustave CaillebotteDass Montag ist, das müsste reichen.
Doch wenn es kommt, dann kommt es dick.
Es regnet schier zum Steinerweichen
den Häusern grade ins Genick.

Der Mond, der sich mit feisten Backen
noch gestern durch die Lüfte blies:
verhängt von schwammigen Schabracken,
die man am Tage Wolken hieß.

Die unwägbaren Wassermassen
versickern in der Erde Bauch.
Ich kann vor Trübsal mich nicht lassen.
Und Zahnweh hab ich schließlich auch.

Kein Stern, der freundlich lächelnd leuchtet.
Den Kosmos lässt der Globus kalt.
Die Hand, die blau dies Blatt befeuchtet,
sucht krampfhaft sich am Kuli Halt.

Da raunt der Himmel sein Orakel
der Wolke über mir direkt:
Ich schschicke ttropfige Ttentakel,
ich bbleibe bbleiern ggrau bbedeckt.

Ja, leer nur weiter wie aus Kübeln
mir aufs Gemüt dein trübes Nass:
Da hab ich Zeit, um nachzugrübeln,
warum ich grad den Montag hass.

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Schläfrigkeit

SchläfrigkeitEs hat zu regnen angefangen.
Die Straßen glänzen feucht und glatt.
Der Himmel, tief und grau verhangen,
liegt unbeweglich auf der Stadt.

Indes bei milden Temp’raturen.
Das Thermometer zeigt auf zehn.
Ein Hauch von Frühling streift die Fluren;
schon glaubt die Knospen man zu sehn.

Ist drum der Winter abzuhaken?
Noch steht der Februar bevor,
in dessen frisch gestärkten Laken
manch frühe Hoffnung schon erfror.

Wie wenn den Regen wir befragen,
der stumm sich in die Nacht ergießt?
Er wird nichts anderes uns sagen
als philosophisch „Alles fließt“.

Da heißt es in Geduld sich üben.
Gewissheit kriegt man eh ja nie.
Das Wetter ist wie Kraut und Rüben:
Ein Fall der Chaostheorie.

Noch immer hör ich Regen rauschen.
Das geht wohl so die ganze Nacht.
Ich werd im Schlaf ihm weiterlauschen:
Schon schaukelt Morpheus mich ganz sacht!

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